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Indonesia

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 24.08.2018

[Translate to english:] Australien, mach dich bereit!

[Translate to english:] Bali

Bali empfing uns mit tropisch, feuchtem Klima, was mir nur recht war. Ich war ein Sonnenkind! Das feuchte Herbstklima zu Hause bereitete mir bereits ein Kratzen im Hals. Sigi und Gitti waren noch nicht geeicht und konnten ihre Schweißausbrüche kaum in Zaum halten.

Nicks Angestellter Mul holte uns vom Flughafen ab. Bevor er uns zu Akela fuhr, luden wir die Beiden in der Ocho Villa ab, einem nahe gelegenen Resort, wo wir ein Zimmer für sie reserviert hatten. Da war er wieder, unser Dicker. Genauso wie wir ihn verlassen hatten. Ein Monat lang trotzte er Salz und Wind, hielt die Stellung und wartete geduldig auf uns. Wir packten das Nötigste aus und wollten den versäumten Schlaf nachholen. Doch es kam anders. Kaum war das Licht aus und wir an der Schwelle ins Traumland, als uns unangenehmer Juckreiz am ganzen Körper unliebsam wieder zurückholte. Bettwanzen! Die verfluchten Biester waren nicht verreckt, im Gegenteil! Nun machten sie sich im Alkoven breit, wo sie sich an unserem frischen Blut labten.

Wir standen unter Zugzwang. Im Truck konnten wir nicht bleiben, es wäre ein ewiger Kreislauf von fressen und gefressen werden. Wir mussten raus aus der Ungezieferhöhle. Gerade ausgepackt, suchten wir früh morgens das Nötigste zusammen und checkten ebenfalls in der Ocho Villa ein. Dass wir diese für die nächsten zwei Monate nicht mehr verlassen würden, war uns damals noch nicht bewusst. Zeitgleich parkte Leander den LKW um, denn auf Nicks Grashügel konnten die Männer nicht arbeiten. Mul bot uns an, in seinem Innenhof zu arbeiten, der asphaltiert war und einen Wasseranschluss hatte, was für die anstehende Putzaktion sehr von Vorteil war. Dankend nahmen wir das Angebot an.

Leander und Sigi ignorierten den Jetlag bravourös und machten sich sofort an die Arbeit. Bei 40 Grad im Schatten zerlegten sie Akela Schritt für Schritt. Währenddessen planschte ich mit Gitti und Lennox vergnügt im Pool der Ocho Villa, wo mir schlagartig bewusst wurde, dass es unmöglich war mit dem Kleinen nach den Reparaturarbeiten die Putzaktion für Australien in Angriff zu nehmen. Wir veranschlagten zwei bis drei Wochen, in denen wir den Lastwagen von früh bis spät polieren würden. So gemein das jetzt auch klang, die Anwesenheit von Lennox in dieser Zeit war nicht gerade hilfreich. Wir mussten eine Lösung finden.

Mein erster Gedanke war eine Schule. Es kostete mich zahlreiche Anrufe, bis ich eine internationale Schule in der Nähe fand, die Lennox für einen Monat in das laufende Jahr integrieren wollte. Der Gedanke gefiel mir. Erstens war er mit Gleichaltrigen zusammen und zweitens schadete es nicht, etwas „Schulluft“ zu schnuppern. Unser Wildfang war weniger begeistert von der Idee, was uns kaum tangierte in diesem Moment.

Den Einstufungstest tags darauf bestand er mit Bravour und war somit Schüler der ersten Klasse. Seine Englischkenntnisse konnten sich mittlerweile sehen lassen, außerdem war er nicht schüchtern. Er würde sich durchboxen. Tapfer stieg er an seinem ersten Tag um 05:30 in den Schulbus, der ihn direkt vor der Ocho Villa abholte. Zurück gebracht wurde er gegen 15:30. Ein langer Tag und eine ungewohnte Situation für uns alle, denn seit zwei Jahren klebten wir 24/7 aufeinander. Doch die dadurch freigeschaufelte Zeit half ungemein.

Die Arbeiten rund um Akela liefen gut und die Männer kamen ohne gröbere Probleme voran. Sigi musste sich erst mit indonesischen Gepflogenheiten anfreunden. Leanders Werkzeugboxen waren reichlich gefüllt, dennoch fehlte das ein oder andere Stück. Sigi übernaserte noch nicht ganz, dass in Indonesien das nächste Bauhaus nicht ums Eck lag, wo man fehlende Schrauben oder Sonstiges besorgen konnte. Zeit und Geduld waren das A und O in diesem Land, doch diesen Part hatte Leander gut im Griff, und am Ende des Tages war alles gut. Prinzipiell kamen die beiden Sturköpfe blendend miteinander aus, hie und da tauchten kleine Meinungsverschiedenheiten auf, die, richtig angepackt, schnell beiseite geräumt wurden.

Mit zehn Tagen war der Aufenthalt von Gitti und Sigi gut berechnet. Akela stand, soweit möglich, asbestfrei und mit neuen Bremsen da. Zwischendurch hatten Sigi und Gitti sogar noch Zeit für ein wenig Sightseeing, bevor es wieder zurück in das kalte München ging.
Akela war nun bereit in den zweiten Part überzugehen. Putzen!!!

Im Hinterhof von Muls Haus, wo sich kein Funken Wind verirrte, räumten wir bei sengender Hitze, den Dicken bis aufs Letzte aus, und deponierten alles in einem Raum, den wir zuerst von Unrat und Ungeziefer befreien mussten. Kühlschrank, Ofen, Lennoxs Bett, alles wurde aus den Verankerungen gelöst und zerlegt. Teilweise rückten wir mit Zahnbürsten an, um dem hartnäckigen Dreck in den verwinkelten Ritzen Herr zu werden. Stauboxen, Ski-, Camping-, und Kletterzeug, Werkzeugboxen, nichts blieb verschont. Jede einzelne Schraube wurde sorgfältig mit Benzin abgeschrubbt. Und das war nur das Drum herum. Vom Motorblock oder Unterboden des Fahrzeuges selbst rede ich gar nicht. Darum kümmerte sich Leander separat in einer Waschanlage mit Hochdruckreiniger und Drahtbürste. Weil all das noch nicht genug war, baute er nebenbei auch noch die mitgebrachten Fenster ein. Es war kein Ende in Sicht und Verzweiflung stand oft im Raum.

Wir durften die Bettwanzen nicht vergessen. Um den Viechern den Saft abzudrehen, organisierte ich eine professionelle Wäscherei, die mit heißem Wasser wusch. Mit zwei Fuhren wurde ein Moped Kurier den 120 kg Wäsche Herr. Es war ein Bild für Götter, ihm beim Beladen des Rollers zuzuschauen. Der Spaß kostete knapp 200 EUR, doch was blieb uns anderes übrig?

Über zwei Wochen standen wir spätestens um 07:00 Uhr bei Akela hab Acht und legten den Putzfetzen erst wieder um 15:00 beiseite, als Lennox von der Schule kam. Grundsätzlich hatte der Kleine Spaß am Unterricht, allerdings kämpfte er Tag für Tag mit Tränen, sobald er den Schulbus am Horizont erblickte. Die Trennung von uns machte ihm zu schaffen. Doch da musste er durch, bestimmt besser als sich bei 40 Grad im Schatten zu langweilen und uns beim putzen zuzusehen, denn helfen konnte er nicht wirklich.

Neugierig beobachtete das Personal der Ocho Villa unser Treiben. Ich denke, wir fielen komplett durch das Raster, was sie normalerweise von Touristen gewohnt waren. Tagtäglich Stern voll Dreck waren wir weit entfernt von Beachromantik und Surfaction. Doch sie fragten nie nach oder wurden lästig, im Gegenteil. Immer ein Lächeln auf den Lippen entstand mit der Zeit ein freundschaftliches Verhältnis. So kam es, dass wir mit dem Manager einen Deal aushandeln konnten, der uns bei Kost und Logis entgegenkam, und ihm brandneue Fotos für seine Website bescherte. Doch bevor der Fotograf die Linse schwingen konnte, mussten wir 700 km und eine Fährfahrt bewältigen, um den Truck in Jakarta auf den Frachter zu bringen.

Akela war bereit. Picobello stand er vor uns. Sein weißer Koffer funkelte im Antlitz der Sonne, dass es in den Augen schmerzte, und endlich kam der lange herbei ersehnte Moment des Einräumens, an den wir zwischenzeitlich nicht mehr geglaubt hatten.
Reparatur und Teiletausch, check! Putzaktion abgeschlossen, check! Nun folgte Part III, die Überstellung. Unser „Australien Gepäck“ ,inklusive Baum, durften wir während unserer Abwesenheit im Zimmer der Ocho Villa belassen und mussten es nicht für andere Gäste räumen. Warum wir Lennoxs Einstiegshilfe in sein Bett, einen europäischen Spitzahorn Baum abmontiert haben, ist schnell erklärt. Unser Verschiffungsagent riet dazu. Er ging davon aus, dass wir am Zoll weniger Probleme hätten, wenn wir den Baum im „Handgepäck“ mitführten, als ihn im Truck zu belassen.

[Translate to english:] Die Fahrt nach Jakarta war anstrengend. Nicht nur wegen des Verkehrs, der Hitze und der teilweise schlechten Straßen. Oberste Priorität war, den Truck nicht mehr schmutzig zu machen. Alles was Krümmel oder Flecken verursachte war tabu. Im Klartext, kein Essen, kein Trinken, kein Malen kein Basteln, nada! Lennox vertrieb sich die Zeit in seinem Bett mit Lego spielen und lesen, während wir Kilometer machten. An dieser Stelle gebührt dem kleinen Mann großes Lob. Ich kenne kein Kind dem man Fahrtage von zehn und mehr Stunden zumuten kann, ohne permanent anhalten zu müssen, weil ihm schlecht wird, oder das Ipad überstrapaziert wird. Wir bestachen ihn auch nicht mit Spielzeug, das hätte schon oft große Löcher in unser Budget gerissen. It`s part of the game und mit seinen mittlerweile fast sieben Jahren hatte er das anstandslos gelernt.

Entgegen unserer Befürchtung nicht zeitgerecht am Hafen aufzukreuzen, beruhigte uns die Agentin in Jakarta telefonisch. Alles im grünen Bereich, Zeit genug. Also beschlossen wir einen Schwenk in die Stadt Yogjakarta zu machen, wo wir den Borobudur Tempel besichtigten, eines der größten buddhistischen Monumente weltweit. Was bestimmt besser war, als sinnlos im Hafen einer Großstadt zu hocken.

Beim ersten Blinzeln der Sonne standen wir an den Eingangspforten. Das Farbenspiel der Morgenröte verzückte nicht nur Fotografen, sondern auch Laien wie mich. Oft war es mühsam aus den Federn zu kommen, wenn draußen noch die Straßenlaternen um die Wette strahlten, doch ich musste gestehen, wir wurden jedes mal belohnt. Zudem waren früh am Morgen noch weniger Touristen unterwegs, denn die kuschelten sich um diese Uhrzeit noch einmal in den Polsterzipfel, und die Sonne zeigte noch Erbarmen in ihrer Intensität.

Durch diesen Abstecher gelang eine Punktlandung in Jakarta, zumindest wir waren dieser Meinung. Unsere Agentin sah das anders und konfrontierte uns mit der Möglichkeit, dass der vorgeschriebene Bürokratieweg nicht mehr zeitgerecht erledigt werden konnte. ??? War es nicht Sie, die uns riet vom Gaspedal zu steigen und relaxed zu sein? Da soll sich jemand auskennen.

Doch das ist Indonesien. Derartige Meldungen brachte uns nicht mehr ins Strudeln. Wir hatten mittlerweile gelernt, dass man hartnäckig sein musste. All die Telefonate, SMS und Gespräche zeigten Wirkung, und nach drei Tagen lästig sein, gab es grünes Licht.

Während wir im Führerhaus saßen und auf den Mitarbeiter warteten, dem wir den Truck übergaben, buchten wir unsere Flüge zurück nach Bali. Pünktlichkeit war keine Tugend in Indonesien, wir warteten immer noch. Also nutzten wir die Zeit und pullten mit einem Schraubenzieher Steine aus dem Reifenprofil. Reines Ablenkungsmanöver! Nützte es nicht, schadete es nicht, und war immer noch besser, als sich die Beine in den Bauch zu stehen.

Endlich tauchte der Angestellte auf. Nach einer kurzen Einschulung, wie er den Lastwagen von der Stelle bewegen konnte, drückte ihm Leander schweren Herzens den Schlüssel in die Hand. Nervös vergewisserte er sich hundertmal ob die Wohnkabine verriegelt war und war kaum von seinem Augapfel wegzubekommen, doch er musste.

Das Auto war weg und die Anspannung löste sich. Es schien vollbracht zu sein. Ob sich der Aufwand, die Mühen und Kosten rechneten, die wir auf uns genommen hatten, wird sich weisen. Wir hatten unser Bestes gegeben, alles weitere lag nicht mehr in unseren Händen.

[Translate to english:] Urlaub wir kommen! Wäre fein gewesen. Während Lennox noch für eine Woche die Schulbank drückte, arbeiteten wir den liegen gebliebenen Rattenschwanz auf. Leander`s Festplatte quoll über vor Fotos und Videos und ich schmiss mich über die Reiseberichte, wo ich weit hinterherhinkte. Zudem mussten wir uns um eine Unterkunft in Melbourne kümmern. Eine Stadt, die wir uns nicht leisten konnten oder wollten, als wir das Preisniveau auf diversen Buchungsseiten verglichen.

Glücklicherweise erfuhren wir durch Freunde von der Möglichkeit des Housesittings. Australier sind in dieser Hinsicht sehr entspannt. Wildfremde Menschen wie wir kümmern sich während der Abwesenheit des Besitzers um das Haus und die Tiere und können als Gegenleistung gratis dort wohnen. Eine win/win Situation, die wir von Europa nicht kannten, hier aber gang und gäbe waren.

Weihnachten stand vor der Türe, eine prädestinierte Urlaubszeit. Wären wir mit der Suche nur nicht so spät dran gewesen. Die fetten Deals mit Pool und anderen Nettigkeiten waren längst vergeben. Doch wir durften nicht meckern. Wenige Tage nachdem wir uns auf mehreren Websites registriert hatten, meldete sich ein älteres Ehepaar, dass genau in unserem gewünschten Zeitraum Housesitter suchte. Ihre Mails klangen sehr nett. Zu hüten gab es zwei Hunde und zwei Katzen. Das Haus sah auf den Fotos sauber und gepflegt aus und, was für uns wichtig war, der Hafen lag ums Eck. Wir rechneten damit, dass wir mehrfach hin und her fahren mussten, bevor wir Akela aus der Quarantäne holen konnten. Wir sagten dem Job zu und konnten so wieder einen Punkt erfolgreich von der Liste streichen.

Xenia und Martin, unsere Schweizer Motorradfreunde, kündigten sich an. Eine Verlängerung ihres Australien Visas verlangte eine Ausreise und Bali bot sich natürlich hervorragend an. Es schien, als konnten wir endlich in den gemütlichen Teil übergehen. Für die ersten Tage hatten wir Nusa Penida ins Auge gefasst. Das Schnorchelerlebnis mit den Riesenmantas war uns noch in guter Erinnerung.

Treffpunkt mit den Beiden war der kleine Hafen, von wo die Fähre ablegte. Wir hatten uns zuletzt vor 1,5 Jahre in Kirgistan gesehen. Nach so langer Zeit gab es viel zu erzählen und zu quatschen, außer für mich. Jedes Wort kostete mich große Überwindung. Bereits seit Tagen kämpfte ich mit Schmerzen im Rachen und in den Ohren, versuchte dies aber zu unterdrücken und zu ignorieren, da ich mich schon auf die gemeinsamen Tage freute. Leider ging die Taktik nicht auf und mein Zustand verschlechterte sich zusehends. Traurig beschloss ich nach der ersten Nacht, alleine zurück nach Bali zu fahren und dort ein Krankenhaus aufzusuchen. Es ergab wenig Sinn auf Nusa Penida zu bleiben. Ich konnte keine Ausflüge mitmachen, es gab keinen Arzt hier, außerdem wollte ich den anderen die Stimmung nicht verderben.

Mit gemeinen Schmerzen saß ich im Speedboot und war heilfroh, dass mich Nuno, die gute Seele der Ocho Villa, am Hafen in Bali abholte und zum Arzt kutschierte. Fünf verschiedene Chemiebomben bekam ich verschrieben, darunter ein Antibiotikum, mit der Diagnose einer Gesichtskanalverengung. Bereits im Taxi knallte ich mir die erste Ladung Tabletten rein. Ich wollte nur noch schlafen. Hoffentlich wachte ich nach dieser Dosis überhaupt noch auf. Für die nächsten drei Tage war ich unsichtbar im Hotel. Ich verkroch mich im Bett und verließ es nur, wenn es unbedingt nötig war. Als meine zwei Helden gemeinsam mit Xenia und Martin wenige Tage später eintrudelten, war ich zwar noch nicht fit, aber es ging schon besser.

Die Folgetage hatten wir uns actionreicher ausgemalt. Die beiden Schweizer waren kaum aus ihrem Hotelzimmer zu locken, Lennox fing zu kränkeln an und Leander brach sich ein riesiges Stück von seinem Zahn ab. Wir waren Dauerkunden im BIMC Krankenhaus und hatten Rechnungen von knapp € 800 angesammelt. Da freut man sich doch über den bevorstehenden Geburtstag, mein erster in den Tropen. Lennox und ich kurvten mit dem Moped in den Supermarkt, kauften Zutaten für den Kuchen und viele Luftballons, mit denen wir den Pool dekorierten. Emily und Adam besuchten uns mit den Kids, wo wir gemeinsam bis in die späten Abendstunden feierten.

Der Abschied stand bevor. Über acht Monate reisten wir durch Indonesien, mit vielen Höhen und Tiefen. Jetzt wurde eine neue Ära eingeläutet. Unser Flug nach Melbourne tauchte auf der Boarding Liste auf. Doch es schien, als wollte eine unsichtbare Macht verhindern, dass wir den asiatischen Kontinent verließen. Nachdem wir mehr als eine Stunde ohne Informationen dumm in der Maschine starben, hieß es plötzlich: Aussteigen, wegen technischem Gebrechen. Welch Omen!

Der Flug wurde gestrichen. Ein Albtraum generell und mitten in der Nacht sowieso. Heilloses Durcheinander und ellenlanges Anstehen am Schalter wegen Ersatztickets war vorprogrammiert. Es war schon weit nach Mitternacht, als wir eine Alternative in der Hand hatten. Von Bali über Sydney nach Melbourne. Einmal umsteigen war ok und für die verbleibende Nacht wurden wir in ein fünf Sterne Hotel einquartiert. Doch halt, da war noch eine Kleinigkeit. Wir hatten Lennoxs Baum vergessen. Der konnte in Sydney nicht einfach umgeladen werden. Ein echter Baum mit Rinde, zwar gut verpackt, dennoch würden ihn die Zollbeamten abfangen. Mit ziemlicher Sicherheit würde er in der Quarantänestation in Sydney am Flughafen landen, während wir nach Melbourne weiterflogen, und von all dem nichts mitbekommen würden. Die Alarmglocken schalteten auf rot. Zurück zum Schalter. Erneutes Warten. Den Kleinen platzierte ich auf einer Bank, wo er im Nu wegknackte. Es ist ein Geschenk, wenn dein Kind überall schläft, sobald es müde ist.

So, nun erkläre einem indonesischen Airline Angestellten, dass du mit einem österreichischen Baum reist, der in Sydney nicht durch den Zoll kommt. Wobei wir noch Glück hatten. Der Angestellte sprach halbwegs Englisch und zeigte sich kooperativ, auch wenn er keine Ahnung hatte, wovon wir sprachen. Wir redeten uns den Mund fusselig, doch als die Frage kam, wie der Baum hieß, wussten wir nicht, ob uns zum Lachen oder Weinen zumute war. What´s the name of the tree?? Was für eine doofe Frage. Leander sah mich entgeistert an und posaunte wie aus der Pistole geschossen heraus: “ Thomas, unser Baum heißt Thomas!“ Wir fingen beide schallend an zu lachen. War jetzt alles geritzt? Natürlich nicht. Der Angestellte wollte wissen, um welche Art von Baum es sich handelte und drückte sich nur missverständlich aus. Zumindest hatte unser Baum jetzt einen Namen und eine Story, über die wir im Nachhinein noch viel lachten.

Lange Rede kurzer Sinn! Wir managten, dass Thomas auf der nächstmöglichen Direktmaschine von Bali nach Melbourne mitgenommen wurde, während wir bei unserem Flug über Sydney blieben. Die Frage, ob es möglich wäre, Thomas in der ersten Klasse zu transportieren, konnte ich mir nicht verkneifen. Der Angestellte lächelte geduldig, verneinte aber gezielt. Den hatte er jetzt nicht verstanden! Macht nichts, alles gut. Wir bedankten uns für seine Hilfsbereitschaft und konnten endlich in den Bus einsteigen, der uns zur Unterkunft brachte, wo wir genau richtig zur Öffnung des Frühstücksbuffets antanzten. Ja, so spät war es mittlerweile geworden. Mit lange entbehrten Köstlichkeiten wie Bircher Müsli und Schwarzbrot im Magen, rollten wir in unser Zimmer, zogen die Vorhänge zu und fielen kerzengerade in die Betten. Am späten Nachmittag starteten wir den zweiten Versuch. Würde es diesmal klappen, dass wir auf den roten Kontinent gelangten?

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Comments (2)

  1. Christian
    Christian 2 weeks ago
    Hey ihr drei „Verrückten „, habe jetzt drei Tage hintereinander euren kompletten Blog gelesen- seid ihr noch unterwegs?
    Respekt vor eurem Mut
    Viele Grüße aus dem verregneten Nürnberg
    Christian
  2. Maria Zehentner
    Maria Zehentner 2 weeks ago
    Hallo Christian,
    vielen Dank für dein Mail.
    Wir sind vor 10 Tagen in Österreich angekommen. Corona zwang uns indirekt, die Reise zu unterbrechen. Allerdings ist es kein "Aus" der Reise, sondern eine Chance der Neu Orientierung. Wir haben einige Pläne im Kopf, mal schauen, wohin es uns verschlägt.
    Danke für dein Interesse an uns und unserer Reise, es wird zwar noch ein Wenig dauern, aber es wird weiterhin von "Akela" zu lesen geben ;-)
    Viele liebe Grüße
    ML2

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