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Indonesien

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 09.06.2018

Hey little Heelclicker!

Lombok, Mai – Juni 2018

Bali meinte es gut mit uns, und bereichert unsere Erinnerungen mit vielen schönen Erlebnissen. Eine einzige Sache blieb allerdings komplett auf der Strecke. Wir wollten surfen lernen, brachten es aber irgendwie nicht auf die Reihe. Auf der Nachbarinsel Lombok sollte es dafür noch einmal reichlich Gelegenheit geben, wir mussten sie nur nutzen.

Lombok liegt östlich von Bali und ist mit der Fähre in etwa fünf Stunden erreichbar. Island Hopping funktioniert in Indonesien relativ unkompliziert, auch mit einem Truck wie dem unseren. Verbindungen werden meist stündlich angeboten, und das zu moderaten Preisen.

Touristisch ist Lombok mit Bali nicht zu vergleichen, es spricht ein völlig anderes Publikum an. Die vorwiegend jungen Gäste strömen in den Süden der Insel, wo sie dem Spirit des Surfens nachjagen. Von Anfänger- bis Profiwellen bietet Lombok alles was ein Surferherz begehrt. Wer mit Surfen nichts am Hut hat, der erforscht die Tiefen des Ozeans. Die nordwestlich vorgelagerten Gili Islands, drei kleine Inseln, verfügen über ein intaktes Korallenriff und locken alljährlich viele Taucher an. Doch wie überall im indischen Ozean ist Vorsicht geboten. Die vorherrschenden, starken Strömungen haben schon den ein oder anderen Taucher verschluckt und nicht mehr frei gegeben.

Uns zog es auch in den Süden. Die Hauptstraßen waren gut in Schuss, bogen wir allerdings in Nebenstraßen ein, tauchte das altbekannte Bild wieder auf. Staub- und Dreckpisten verschluckten uns, gepaart mit hohem Verkehrsaufkommen und riesigen Schlaglöchern.

Die Südküste wurde von zahlreichen Sandstränden durchzogen, an denen sich die Wellen austobten und mit tosendem Lärm an das Ufer drängten. Leider gelang es uns auch auf Lombok nicht, mit Akela direkt an die Strände zu fahren. Die Buchten waren meist durch Warungs, Surfschulen oder Souvenirshops verbaut. Daher blieb uns nichts anderes übrig, als auf verschmutzten Flächen oder Parkplätzen zu campen. Aber daran hatten wir uns mittlerweile schon gewöhnt. Wir klapperten zwei, drei Strände ab, fühlten uns aber an keinem richtig wohl. Am ersten Strand nutzten Kinder Akela als Klettergerüst und durchstöberten unseren Müll, den wir hinten am Heckträger hängen hatten, kaum dass wir uns von ihm entfernt hatten. Am zweiten Strand kamen wir gerade noch rechtzeitig um zu verhindern wie ein kleiner Junge, kaum älter als unser Sohn, einen kleinen Welpen mit bloßen Händen versuchte zu erschlagen, weil dieser ihm sein Hühnchen vom Teller gestohlen hatte.

Überall wo wir hielten, waren wir im Nu von sogenannten Parkwächtern umringt, die eine übertriebene Parkgebühr, mit dem Argument unserer Sicherheit rechtfertigten, da in den vergangenen Jahren wohl ein paar Autos am Strand leer geräumt wurden. Alles recht und nett, doch wir konnten selber sehr gut auf uns aufpassen. Wir hatten die letzten zwei Jahre nichts anderes gemacht und waren damit sehr gut gefahren.

Zu guter Letzt blieben wir im Ort Kuta hängen, nicht zu verwechseln mit dem Touristenhotspot Kuta auf Bali, wo wir auf einer großen Grünfläche am Ortsrand fündig wurden. Nicht unbedingt das gelbe vom Ei, doch wir konnten uns damit arrangieren. Die umliegenden Anrainer beobachteten uns zwar neugierig wie wir uns durch die kleine Straße zum Strand quälten, waren aber nicht weiter aufdringlich, was in Indonesien Seltenheitswert hatte, denn das Wort Privatsphäre existiert im indonesischen Wortschatz nicht.

Genau genommen war der Platz gar nicht so schlecht. Landestypische, einfache Restaurants, die sogenannten Warungs, mehrere Wäschereien, der tägliche Markt, alles war in Fußreichweite. Nachdem unser Dicker halbwegs sicher stand, erkundeten wir den Ort. Rund um Kuta befinden sich einige der besten Surfsports der Welt, es sollte also nicht allzu schwierig werden jemanden zu finden, der uns das Surfen beibringen konnte.

Surfschulen aus denen laute Reggae Musik trällerte, und coole Surferdudes die mit einem lässigen „hey Bro“ oder „hey Sister“ um Rookies warben, gab es wie Sand am Meer. Die Stimmung fühlte sich karibisch an, was leicht verwirrte, aber zugleich angenehm war. Wir vergeudeten nicht viel Zeit mit der Suche nach dem perfekten Surflehrer. Die Jungs der Kimen Surfschool wirkten sympathisch und heimsten Extrapunkte mit ihrem köstlichen Cafe Latte ein.

Ich kann mich gar nicht mehr an meinen letzten schmackhaften Röstkaffee erinnern, was eigentlich lustig war, denn in Indonesien gibt es viele Kaffeeplantagen. Doch paradoxerweise trinken die Menschen hier nur grässlichen, viel zu süßen Instantkaffee. Wir waren aber nicht zum Kaffeeverkosten hier. Unsere Rezeptoren waren auf Surfen eingestellt.

Leander ritt als erster die Wellen, Lennox und ich versuchten unser Glück Tags darauf. Nach einem kurzen Trockentraining am Strand ging es auch schon ab in die Fluten. Die Jungs der Surfschule sorgten dafür, dass das Erfolgserlebnis nicht lange auf sich warten ließ. Im richtigen Moment gaben sie das Kommando zum Aufstehen und pushten uns in den Flow der Welle. Man musste schon ein sportliches Nackerbazl sein, um nicht die ein oder andere Welle stehend auf dem Bord zu erwischen, was aber noch lange nicht bedeutete, dass wir surfen konnten. Die größere sportliche Herausforderung bestand darin, wieder hinaus ins Line up zu paddeln, dem Bereich wo die Surfer abhingen um auf die perfekte Welle zu warten. Lennox und ich tümpelten zwar am Anfängerstrand herum, dennoch bekamen wir die Kraft der Wellen gut zu spüren. Unermüdlich paddelten wir nach jedem Versuch zu unserem Instruktor hinaus, ohne eigentlich zu wissen, was wir tun mussten. Immer wieder wurden wir von hereinbrechenden Wellen gefressen und auf den Meeresgrund gedrückt. Wenns ganz blöd zuging bekam man vom herumwirbelnden Surfbrett noch eines oben drauf. Vom vielen Salzwasser, dass wir verschluckten, rede ich gar nicht.

Allerdings ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und der Adrenalinschub von mehreren gestandener Wellen ließ uns alles andere schnell vergessen. Lennox verdiente eine extra Portion Lob. Zwei Stunden kämpfte er um jede Welle ohne Murren und Meckern. Völlig erschöpft und mit brennenden Oberarmen vom vielen Paddeln schleppten wir uns an den Strand und spülten den salzigen Geschmack im Mund mit einem frischen Melonenshake hinunter.

Akela war safe an unserem Parkplatz. Es machte nicht den Eindruck, als ob sich während unserer Abwesenheit jemand an ihm zu schaffen gemacht hätte, oder auf ihm herumgeklettert war. Leander hatte ein Auge dafür und erkannte jede Kleinigkeit die verändert gewesen wäre. Also konnten wir die nächsten Tage getrost mit unserer Cross die umliegenden Strände abklappern und unsere Surfskills auf eigene Faust verbessern, was leichter gesagt als getan war.

Surfen bedeutet mehr als nur im richtigen Moment auf das Brett zu springen und das Gleichgewicht zu halten, um nicht runter zu purzeln. Man muss die Wellen lesen können, sie fühlen und mit ihr verschmelzen um sie surfen zu können und vor allem Spaß daran zu haben. Es ist ein hartes Stück Arbeit und mit Abstand der anstrengendste Sport, den ich jemals ausprobiert habe. Ein umfassendes Know How über den Ozean, seine Strömungen, Gezeiten und Meeresbewohner gehört zum Surfen wie ein Deckel auf den Top. Sich gedankenlos in die Fluten zu werfen kann schnell ein tödliches Ende nehmen.

Es war nicht einfach im Alleingang an unsere ersten Erfolgserlebnissen anzuknüpfen. Irgendwie hatten wir uns für unser Geld mehr erwartet als nur im richtigen Moment in die Welle gepusht zu werden, was nett war, aber mit dem Sport an sich wenig zu tun hatte. Hilfestellungen, Tipps oder Tricks kamen nicht so recht rüber, lag vielleicht auch am mangelnden Sprachverständnis. Ausgestattet mit geliehenen Boards verbrachten wir die nächsten Tage am Anfängerstrand von Selong Blanak. Wir hatten zwar viel Spaß, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Irgendwie fehlte eine unterstützende Hand die dich hie und da zur Seite nimmt und dich an einem reichen Erfahrungspool teilhaben lässt. Doch so schnell gaben wir nicht auf.

Nötige Regenerationspausen nach dem anstrengenden Workout legten wir im Truck ein, wo wir die Zeit vorwiegend mit Lesen und Schlafen verbrachten. Wer jetzt denkt, dass uns die körperliche Betätigung niederstreckte, liegt allerdings falsch. Zielsicher poppten wir im muslimischen Lombok zu Beginn des Fastenmonates Ramadan auf. Dass die Gläubigen, und noch mehr die Scheinheiligen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Essen noch Trinken durften war weniger unser Problem. Viel mehr raubte uns die Dauerbeschallung aus den Lautsprechern der Moscheen unseren Schönheitsschlaf.

In Indonesien wird der Bau von Glaubenshäusern subventioniert. Somit war es kein Wunder, dass in jedem Kaff beinahe mehr Gebetsstätten standen, als normale Wohnhäuser. Dadurch wurde gewährleistet, dass selbst in den entlegensten Gassen Allah`s Worte Gehör fanden, was auch noch ok war, wenn man als Nichtmoslem nicht gerade mitten drin sitzt. Pünktlich um 19:30 startete das Spektakel und endete gegen 04:00 Uhr früh. Hohe Stimmen, tiefe Stimmen, krächzende Stimmen wechselten sich ohne Verschnaufpause ab, und täglich grüßte das Murmeltier! Für uns, die mit all dem Schmafu nichts am Hut hatten, war es der blanke Wahnsinn. Schmafu in dem Sinne, dass weder wirklich gebetet noch der Koran verlesen wurde. Es wurde hauptsächlich ins Mikrofon gekrächzt, teils auch von Kindern. Komplett anders als in den anderen muslimischen Ländern, die wir bereits bereist haben. Und das die ganze Nacht! Genervt, angespannt und teilweise aggressiv lagen wir mit Kopfhörern im Bett und hofften, dass mit Hilfe von Musik unsere Augenlider schwer wurden. Der Einzige der unbeeindruckt in einen ruhigen Schlaf fiel war Lennox. Gott wie beneidete ich ihn für diese Gabe.

Altes Eisen benötigt viel Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit um es jung, adrett und aktiv zu halten, Leander konnte ein Lied davon singen. Und ich spreche diesmal nicht von mir ;-) Daher war es wieder einmal an der Zeit Akela`s Schmiernippel mit ausreichend Fett zu versorgen, um die Gelenke schön geschmeidig zu halten. Leander kramte das Werkzeug hervor und schlüpfte anschließend in seinen Blaumann. Er streifte das Oberteil gerade über den Rücken, als er plötzlich einen lauten Schrei von sich gab. Er konnte nichts Spitzes entdecken und zog die Arbeitskluft weiter hoch, bis er erneut aufjaulte. Ich eilte zu ihm und riss den Kragen vom Körper weg, im Glauben einige Dornen zu entdecken die sich im Stoff verheddert hatten. Was ich allerdings entdeckte, entlockte auch mir einen schrillen Aufschrei. Ein circa fünf Zentimeter großer Skorpion kam zum Vorschein. Verdammte Sch....!

Irgendetwas geisterte in unseren Köpfen herum, dass die Kleinen giftig waren. Leander zog so schnell es ging den Overall aus und warf ihn aus dem Truck. Geistesgegenwärtig viel uns ein, dass wir im Ort an einer Krankenstation vorbei spaziert waren. Während Leander bereits los startete, krallte ich mein Handy und suchte draußen den Boden nach dem Biest ab. Als ich ihn endlich entdeckte, machte ich mit zittrigen Händen ein Foto und rannte ebenfalls los. Auf halben Weg kam er mir bereits wieder entgegen und gab Entwarnung. Um auf Nummer sicher zu gehen lief ich trotzdem noch zur Krankenstation und zeigte dem Sanitäter das Foto. Nachdem er auch mir versichert hatte, dass Leander die Stiche überleben würde, bezahlte ich die Schmerzmittel, und wir gingen beide zum Truck zurück. Die Stiche gaben ordentlich Gas. Leander musste einige Pillen einwerfen, um halbwegs schmerzfrei zu sein. Doch wie der Volksmund so schön sagt, Unkraut vergeht nicht ;-)

Wir überlegten hin und her wo wir den Kerl wohl aufgelesen haben konnten, denn eines war klar, von alleine konnte er nicht in den Truck geklettert sein. Bis uns die zündende Idee kam. Es konnte eigentlich nur auf Nick`s Grundstück passiert sein. Ihr erinnert euch bestimmt, wir haben Akela dort komplett ausgeräumt und alles nach draußen gestellt, um mit einer Grundreinigung für Australien zu beginnen. Diese Gelegenheit musste der Gauner beim Schopf gepackt haben um einen gratis Lift nach Lombok zu bekommen. Um Nick zu warnen schickten wir ihm das Foto des Skorpions. Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Retour kam ein Schnappschuss seiner geschwollenen Hand, wo deutlich eine Einstichstelle zu erkennen war. Tja, geteiltes Leid ist halbes Leid, sag ich da nur!

In Kuta lernten wir den Hawaiianer Keoni, seine indonesische Frau Muna und deren gemeinsamen Sohn Semudra kennen. John Kelly, wie sein Taufname lautete, war leidenschaftlicher Surfer, wie konnte es auch anders sein. Vermuten wir das nicht in jedem Hawaiianer? Schließlich erblicken wir Österreicher auch mit Skiern an den Füssen das Licht der Welt und rocken die schneebedeckten Alpen. Blöd war, dass sich Keoni bei einem schweren Arbeitsunfall ziemlich heftig in den Arm geschnitten hatte und aktuell die tosenden Wellen nur gedanklich vom sicheren Strand aus reiten konnte. Geduldig beantwortete er all unsere unzähligen Fragen und ermunterte uns einen Schritt weiter zu gehen. Er hatte recht, wenn wir Fortschritte machen wollten, dann mussten wir aus dem sicheren Kinderpool raus. Eine hervorragende Gelegenheit um uns gleich mal auf die Probe zu stellen war die Bucht von Gerupuk. Wir hatten schon einmal mit dem Truck versucht an die Bucht des Ortes zu gelangen, mussten aber mitten drin wenden, da gerade Strassenarbeiten in Gang waren und ein Durchkommen für uns unmöglich war.

In Indonesien hat sich unsere Cross zum ersten Mal so richtig ausgezahlt. Überall dort wo es für den Dicken zu eng, zu niedrig oder zu verbaut war, und solche Situationen gab es zuhauf, stiegen wir auf das Zweirad um. Vorschriften gab es nicht, ob zu dritt oder zu viert auf dem Sitz, mit oder ohne Helm, komplett egal. Selbst Neugeborene, Großmütter, Schafe, Ziegen, Hühner oder ganze Kleiderschränke wurden transportiert. Solange es eine Möglichkeit gab das Transportgut irgendwo festzuzurren war alles gut.

Bei strahlend blauem Himmel trat Leander zeitig am nächsten Morgen in den Kickstarter, ließ den Motor aufheulen und es ging los. Keoni gab uns noch einen Kontakt mit auf den Weg, wo wir eventuell nach Coaches nachfragen konnten, die uns im neuen Gelände behilflich sein konnten.

Gerupuk war um einiges anspruchsvoller als unser gewohnter Strand in Selong Blanak. Boote brachten die Surfer an den Rand der Wellen und setzten sie quasi im Line up ab. Hier wurde nicht mehr gemütlich zum Strand gesurft bis die Finnen den Sand berührten, soviel war klar. Ich wurde nervös, Lennox nahm es locker und Leander surfte bereits an solchen Spots. Er war kein kompletter Rookie mehr wie Lennox und vor allem ich.

Wir sprangen alle drei ins Wasser, gemeinsam mit zwei Einheimischen. Lennox schwamm mit seinen sechs Jahren zwar besser als viele Erwachsene die ich kannte, dennoch bestanden wir darauf, dass einer der Beiden permanent bei dem Kleinen blieb. Zusätzlich ließ ihn natürlich auch Leander nicht aus den Augen.

Die Wellen waren hoch, zumindest für mich und es wimmelte nur so von anderen Surfern die alle auf dem gleichen Level waren, Anfänger so wie ich. Ein Traum! Ich kam meinem Coach Ranga nicht schnell genug hinterher und wurde gleich mal von einer Welle mitgerissen, die mich 20 Meter weiter entfernt wieder ausspuckte. Mühsam zog ich mich auf das Brett zurück und suchte verzweifelt das Wasser nach Ranga ab. Als ich ihn erspähte versuchte ich seinen Handbewegungen folge zu leisten und schnell zu ihm zu paddeln. Schnell war so eine Sache, denn nach kurzer Zeit wurden meine Oberarme lahm und brannten wie ein australisches Buschfeuer. Als ich bei ihm ankam hob ich den Daumen als Zeichen dafür, dass alles ok war. Dann erkundigte ich mich nach Lennox. Meine Augen schweiften in die Richtung die Ranga andeutete, wo ich nur noch Lennox`s wallende, blonde Mähne auf dem Gipfel einer Welle davon gleiten sah. Sein Lehrer war hin und weg und rief uns zu:“ Look, he is still surfing!“ Unglaublich, der Knabe zeigte keine Angst und stand auf dem Brett als ob er nie etwas anderes in seinem Leben getan hätte.

Nach drei gestandenen Wellen, und davor unzähligen Versuchen, gab ich kraftlos auf und paddelte zum Boot zurück, Lennox folgte mir fast zeitgleich. Leander blieb mit Ranga noch in den Wellen. Allerdings war auch ihm die Puste ausgegangen. Er konnte sich leider nicht einfach so den Wellen hingeben wie wir. Sein Verantwortungsbewusstsein verlangte es, zwischen Lennox und mir hin und her zu schwimmen um zu checken, ob alles in Ordnung war, wobei er selbst sprichwörtlich unterging. Was für eine blöde Idee von uns.

Während der Rückfahrt beobachtete ich Lennox. Völlig entspannt und relaxt saß er im Boot und ließ sich den Wind um die Nase wehen. Komplett unbeeindruckt davon, dass er soeben eine zwei Meter hohe Welle gesurft hatte bis sie auslief. Von vorne gemessen wohlgemerkt. Wir waren so stolz auf ihn und fragten uns gleichzeitig, woher der Junge diese Affinität zum Wasser hatte. Von uns beiden jedenfalls nicht.

Da der Tag noch jung war und wir nichts anderes am Plan hatten, wollten wir in ein Surfcamp am Ortsrand von Gerupuk fahren, von dem wir im Internet gelesen hatten. Allerdings machte uns ein Platten von unserer Cross einen Strich durch die Rechnung. Somit vertagten wir diesen Besuch und fuhren nach der Reparatur zurück zu unserer Base am Strand. Dort angekommen fanden wir einen Paragleiter vor, der ein wenig „ground handling“ übte. Und siehe da, es war Olle, der Besitzer von genau dem Surfcamp das wir besuchen wollten. Am nächsten Tag ging es dann rüber zu ihm.

Es war gemütlich im Camp bei Olle dem Schweden und Diana der Deutschen. Die beiden waren sehr sympathisch und im Nu waren wir in ein interessantes Gespräch vertieft, während Lennox mit deren Sohn Atreyu herum tollte. Die beiden boten längere Surfkurse an, mit dem Ziel aus den Teilnehmern eigenständige und verantwortungsvolle Surfer zu machen. Das machte mal richtig Sinn! Gleichzeitig bissen wir uns in den Hintern, denn die nächsten Kurse waren restlos ausgebucht. Doch wer weiß wofür es gut war. Denn eigentlich hatten wir keine Zeit mehr um weitere zwei Wochen auf Lombok zu verbringen. Die Überfahrt auf den roten Kontinent rückte immer näher und es gab noch soooo viel zu erledigen.

Für die Würste war unser Besuch im Camp aber trotzdem nicht. Erstens haben wir tolle Menschen kennengelernt, die uns zudem noch mit Kontakten auf der nächsten Insel Sumbawa weiterhalfen und Zweitens arrangierte Olle mit seinem südafrikanischen Surflehrer Jordy einen Spezialdeal für uns. Wenn es die Zeit zwischen seinen Kursen erlaubte und er sich fit genug fühlte, konnte Jordy mit uns raus gehen. Jordy zwinkerte Lennox zu und shakerte:“ That`ll be fun little bro“. Mir war in der kurzen Zeit die wir im Camp waren schon aufgefallen, dass Jordy sehr gut mit den drei Käsehochs umgehen konnte.

Ich klinkte mich allerdings aus diesem Deal aus. Jordy hatte schon genug an der Backe, und ich hoffte so den Jungs mehr Zeit einräumen zu können. Mir würde bestimmt nicht langweilig werden, es liefen genug Leute im Camp umher. Für den Fall, dass ich niemanden finden würde der mit mir quatschen wollte hatte ich auch einen Plan B, denn Reiseberichte gab es immer zu schreiben.

Unsere nächsten Tage verbrachten wir in Gerupuk. Früh morgens, kaum aus den Federn und noch den Abdruck des Polsterzipfels im Gesicht, machten wir uns mit dem Bike auf ins Camp.

Allzu viel Freizeit wie anfänglich vermutet oder erhofft blieb mir dann doch nicht, denn ich wurde zum Kameramann befördert. Eine Aufgabe die ich zwar gerne machte, wenn mich nicht dieses dumpfe Bauchgrummeln begleitet hätte. Wer mich kennt weiß, dass ich gelegentlich etwas ungeschickt bin. Ich weiß nicht, ob es die beste Idee war, mich mit einer sündhaft teuren Kamera in einer wackeligen Nussschale hinaus aufs Meer zu schicken, um bei hohem Wellengang Fotos zu schießen. Bevor Leander sein Brett ins Wasser ließ um hinterher zu springen gab es noch einen belehrenden Blick. Ich kannte mich aus, Worte waren nicht nötig! Sollte ein Missgeschick passieren würde es Tote geben. Oder besser, eine Tote!

Es war aufregend für mich, Leander und Lennox in den Wellen zu sehen. Bislang war ich ja selber immer mit dabei und hatte zum Beobachten kaum Zeit. Die neue Perspektive gefiel mir. Manchmal viel mir mein Herz in die Hose. Nein, nicht wegen der Kamera sondern wegen Lennox. Es sah stellenweise richtig wild aus wenn er in einem Tal zwischen zwei Wellen verschwand, oder von einer Welle richtig gemein gefressen wurde. Doch er rappelte sich immer wieder auf und hatte einen Grinser im Gesicht. Wenn Jordy und er nahe genug waren konnte ich sie trotz des Lärmpegels bis zum Boot lachen hören.

Nach mehreren Wellen brachte Jordy den Kleinen zum Boot und verabschiedete sich mit den Worten:“ See you soon little Heelclicker“! Dann widmete er sich Leander.

Ich half Lennox ins Boot und musste gar nicht weiter nachfragen ob er Spaß gehabt hatte. Er brach in einen Redeschwall aus und war kaum mehr zu bremsen. Und Jordy, und Jordy, Jordy hat gesagt, Jordy, Jordy, „und Jordy....nennt mich jetzt Heelclicker, damit ich nicht vergesse meine Fersen zusammenzuschlagen, um sie in die richtige Position zu bringen!“ Danke Jordy, dass wir künftig an dir gemessen werden, wenn wir unserem Sohn etwas Neues beibringen möchten. Spaß beiseite, du warst der Hammer.

Leander hatte auch Spaß, kam aber mit etwas weniger Begeisterung zum Boot zurück, was nichts mit Jordy zu tun hatte. Es war zu viel los in den Wellen vor Gerupuk und man musste höllisch Acht geben damit es nicht irgendwann krachte.

Wie bereits erwähnt, haben wir die Crew vom Lombok Surfcamp leider viel zu spät kennengelernt, und die Uhr blieb wie sooft nicht stehen. Vor allem wenn die Stimmung ausgelassen ist möchte man einen netten Ort noch weniger verlassen, aber bla, bla, bla..... wie oft habe ich das schon geschrieben, dass uns ein Abschied schwer gefallen ist. Doch bei diesem waren wir uns sicher, dass wir die Meute relativ bald wieder treffen würden. Uns geisterten da so einige Ideen durch den Kopf.

Verabschieden musste ich mich auch vom besten Cafe Latte den ich die letzten Monate getrunken hatte, und von den vielen frischen Smoothies die wir förmlich in uns reinstopften, sie schmeckten aber auch zu lecker.

Ohne Nennenswerte Unterbrechungen ging es tags darauf zum Hafen und von dort mit der Fähre weiter auf die nächste Insel Sumbawa.

Kommentare (1)

  1. Marc
    Marc am 25.09.2019
    Servus,
    tolle Berichte, tolle Schilderungen, einfach schön zu lesen. Vielen Dank dafür!!!!
    Bin vor ein paar Wochen auf die Seite gestossen und hab vom ersten bis zum neuesten Bericht jetzt alle durchgelesen.... schade dass es jetzt nicht weiter geht.
    Ich hab auf Facebook gesehen dass Eure Reise ja weitergegangen ist, aber da ich absolut kein Freund von FB bin und auch die ausführlicheren Berichte gerne lese würde ich mich freuen auch hier wieder von Euch zu lesen (auch wenn ich mir vorstellen kann dass es ein enormer Aufwand ist diesen Blog hier mit Leben zu füllen!!).
    Vielen lieben Dank auf jeden Fall und eine gute Zeit!!

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