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Indonesien

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 05.08.2018

Back on Bali!

Bali

Während wir auf Lombok waren, suchten über 300 Erdbeben unerbittlich die Insel heim, darunter drei der Stärke 7 auf der internationalen Richterskala. Die permanenten Erschütterungen der letzten Wochen gingen nicht spurlos an uns vorüber. Ich rede nicht von körperlichen Gebrechen. Wir waren gesund und alle Knochen blieben heil. Mental sah es weniger rosig aus. Die Angst vor dem nächsten großen Knall hielt uns in ständiger Alarmbereitschaft. Es gab keine Vorwarnungen wann und wo es das nächste Mal passieren würde. Das Wissen, dass der Norden zu 80% ausgelöscht war und Hilfsmaßnahmen nur schleppend bis gar keine Wirkung zeigten, drückte zusätzlich auf das Gemüt und versetzte uns in eine Art depressiven Zustand.

Für uns Mitteleuropäer liegt es außerhalb der Vorstellungskraft, was es für die Menschen hier bedeutet, auf einem brodelnden Feuerring zu leben.

Mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen, die wir trotz der prekären Situation nicht missen möchten, schifften wir zurück nach Bali, das uns bestens vertraut war.

Frisch im Hafen eingelaufen, nahmen wir schnurstracks Kurs auf Nicks Anwesen, wo wir uns erneut auf dem Brachland hinter den Villen breit machen durften. Nur noch wenige Meter trennten uns vom Ziel, wo uns Nicks Hunde bereits schwanzwedelnd empfingen. Welch ein Hallo! Lennox sprang mit den Vierbeinern um die Wette, während Nick keinen großen Hehl aus unserer Ankunft machte. Der Hausbrauch war bekannt und bedurfte keinerlei Erklärung. Bevor mir jemand zuvor kam, schnappte ich Duschgel und Shampoo und blockierte als Erste das Bad. Nach sporadischen „Kübel Duschen“ der letzten Wochen und Toilettengängen im Freien, bekamen ein warmer Wasserstrahl von oben und eine Porzellanschüssel mit Wasserspülung wahrlich luxuriösen Charakter. Für viele selbstverständlich, für uns unbeschreiblich!

Die verbleibende Zeit bis zum Heimflug ließen wir gemütlich anlaufen. Gelegentlich schlenderten wir zum Strand, erledigten Einkäufe im nahe gelegenen Dorf oder brachten unsere Kleidung in eine der zahlreichen Wäschereien. Bali schien ein Paradies für Overlander mit Schmutzwäsche zu sein. Beinahe an jedem Haus baumelte ein Schild mit dem Hinweis Laundry.

Das Thema „frische Kleidung“ auf Reisen praktiziert jeder anders. Bei uns wird prinzipiell die Oberbekleidung, ich rede von Hose und T-Shirt, so lange getragen, bis sie sprichwörtlich vor Dreck steht. Das dehnt sich locker mal auf zwei Wochen aus. Lennox ist ein Kapitel für sich. Es wäre ein Leichtes, ihn zwei- dreimal am Tag in neue Klamotten zu stecken, was natürlich nicht funktioniert. Es bleibt mir ein Rätsel, wie schnell sich Kinder immer wieder schmutzig machen. Schmutz und Kinder passen zusammen wie Deckel und Topf. Lennox`s Leitspruch: “Kinder müssen sich dreckig machen!“ Wo ich ihm recht gebe, aber muss es immer in einem Schlammbad enden? Es gibt Tage, da benötige ich einen Schlachtplan, um ihn halbwegs sauber ins Bett zu kriegen. Zu Hause überlegst du nicht lange und steckst dein Kind Abends in die Badewanne und die Klamotten landen in der Waschmaschine. Doch unterwegs?

Ist eine Wäscherei in der Nähe, wunderbar! Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird abgezogen. So geschieht es schnell, dass wir mit 15 kg und mehr in einer Wäscherei antanzen, sehr zum Erstaunen der Damen die dort arbeiten. Für wenig Geld wird die Kleidung gewaschen und kann wenige Tage später wieder abgeholt werden. Von sterilen Salons sind wir weit entfernt, eher handelt es sich um dreckige Hinterhofgaragen mit herumliegenden Wäschebergen, die in Waschtrommeln enden, die bei uns schon längst ausrangiert worden wären. Gewaschen wird mit Kaltwasser, versteht sich von selbst. Selten kommt die Wäsche sauberer zurück, als sie abgegeben wurde. Unsere Lieblingsstücke horten wir deshalb im Schrank, weil sie zum Anziehen zu schade sind.

Leander hänselt mich oft, warum ich Themen wie „Wäsche“ so viele Zeilen widme, da es offensichtlich uninteressant ist. Ich wiederum halte es für wichtig und möchte festhalten, dass ich nicht schnell die Waschmaschine anwerfen kann, während ich ein entspannendes Bad genieße.

Doch Schluss mit dem Hausfrauengebrabble und zurück zur Tagesordnung.

Vor unserem Heimflug stand noch ein wichtiger Termin an. Ihr erinnert euch, wir, oder besser gesagt Akela, hatten ein Asbestproblem, dem wir noch zu Leibe rücken mussten.

Leander hatte es während des Aufenthaltes in Kencana Beach auf Sumbawa, dem Ort unseres persönlichen Supergaus, tatsächlich zuwege gebracht, einen Asbestgutachter in Australien ausfindig zu machen. Dieser war, ohne Überredungskünste bereit, von Perth, seiner Heimatstadt, nach Bali zu fliegen, den Dicken unter die Lupe zu nehmen, mit den genommenen Proben zurück zu jetten und sie im Labor auf Asbest zu prüfen. Dadurch konnten wir einen Überblick erlangen, wo Asbest überall verbaut war. Außer Flug und Unterkunft wollte Ian keine weiteren Entschädigungen. Wir waren sprachlos, denn diese selbstlose Hilfsbereitschaft waren wir von westlichen Ländern, bzw. westlichen Menschen nicht gewohnt.

Die Stunde der Wahrheit rückte näher, Ian war auf Bali gelandet. Leander holte ihn vom Flughafen ab und setzte ihn beim gebuchten Hotel ab, da es bereits nach Mitternacht war. Gleich am nächsten Morgen ging es los. Ian fackelte nicht lange rum, war sofort in medias res und entnahm fünf oder sechs verdächtige Proben. Leander ließ ihn nicht aus den Augen und folgte ihm neugierig auf Schritt und Tritt. Zeit war ein kostbares Gut und Ian hatte wenig davon. Nach getaner Arbeit packte er seine Arbeitsutensilien fein säuberlich weg und ließ sich zurück zum Flughafen bringen. Für uns hieß es jetzt Daumen drücken. In wenigen Tagen sollten wir schlauer sein.

Die Wartezeit auf das Ergebnis und auf den Heimflug verkürzte uns eine unerwartete Begegnung. Coen, von landcruising adventure, schickte uns den Kontakt von Adam und Emily und ihren beiden Töchtern. Sie waren reiselustig wie wir und gönnten sich nach einer längeren Reise, auf Bali eine Auszeit. Es bedurfte nicht vieler Worte, die Leidenschaft auf Achse zu sein zog einen roten Faden durch unser beider Leben.

So trudelte irgendwann zwischen ausgelassenen Beachtagen Ians Testbericht ein. Voller Erwartung stürzten wir uns über das Mail, welches uns Minuten später mit hängenden Mundwinkeln in die Sessel zurückfallen ließ. Wir hatten aus allen vollen geschöpft. Asbest wurde in fast jeder eingereichten Proben festgestellt. Verdammte Sch.....! Mit einem derartig schlechten Ergebnis hatten wir nicht gerechnet. Wäre aber untypisch für uns gewesen, wenn hier alles glattgelaufen wäre. Zumindest wussten wir jetzt, welche Teile wir tauschen mussten, um es den australischen Behörden recht zu machen. Eine Lösung stand noch nicht im Raum. Wir durften uns jetzt nicht verrückt machen. Kommt Zeit, kommt Rat! Put it to the universe. Darauf hofften.

Unsere neuen Mitbewohner störte der Giftstoff reichlich wenig. Lennox weckte mich Nachts und klagte über heftigen Juckreiz am Körper. Schlaftrunken wankte ich an sein Bett und erkannte zahlreiche Bisse in Kniekehle und Armbeuge, die er blutig gekratzt hatte. Moskitos oder Ameisen schloss ich aus, das sah anders aus. Ich durchsuchte sein Bett, konnte aber nichts finden. Die juckenden Stellen kühlte ich mit einer Salbe. Doch der Frieden hielt nicht lange. Ich konnte hören, wie er sich in seinem Bett hin und her wälzte, und sich weiterhin wund kratzte. Wieder stapfte ich an sein Bett. Diesmal mit Erfolg. Bevor er in eine Holz Ritze flüchten konnte, ergriff ich einen kleinen, braunen Käfer, kaum größer als 2 mm. Ahnungslos drehte ich den Übeltäter hin und her, konnte ihn aber nicht zuordnen.

Es wurde bereits hell und Nick war bestimmt schon wach, vielleicht hatte er eine Idee. Er rückte seine Brille zurecht, warf einen Blick auf den Krabbler, den ich ihm unter die Nase hielt und antwortete verschmitzt: “ It`s a bedbug!“ Bettwanzen? Zwar schon gehört, aber null Ahnung, was die anstellen. Je mehr ich Google befragte, desto übler wurde mir. Die Viecher waren beinahe resistent gegen alles. Chemiebomben waren zwecklos und auch nicht in unserem Sinn! Einzig und alleine Kältebehandlung ab -18 Grad oder Hitzebestrahlung ab + 48 Grad sollten helfen. Das sagt sich so einfach! Wie sollten wir dies in Indonesien bewerkstelligen? Zwei Tage vor unserem Heimflug? Wir setzten alles auf eine Karte und hofften auf den bitteren Hungertod. Die Sauger ernährten sich ausschließlich von Blut. Der Truck stand die nächsten vier Wochen leer und es gab für die Biester nichts zu Futtern. Wo kein Blut, da keine Käfer!

Gut, dass wir sonst keine Probleme hatten. Eingefangen hatten wir uns die unliebsamen Zeitgenossen vermutlich in der letzten Wäscherei. Deshalb auch mein vorangegangener Exkurs zum Thema Wäsche. Bettwanzen, in Europa kaum mehr anzutreffen, gehören hier in Indonesien zur Tagesordnung.

Mit der ganzen Aufregung ging es dann schneller als uns lieb war. In einem 24 Stunden Marathon, der uns kreuz und quer durch Asien führte, jetteten wir auf den heimischen Kontinent. Eine uns bestens vertraute und zugleich völlig fremd gewordene Welt nahm uns in Empfang.

Die Wohnsituation und ein Auto hatten wir wieder durch Freunde regeln können. Die wenigen Tage bevor Leander zur Arbeit fuhr, verbrachte er am Handy. Erholung oder gesellige Treffen mit alten Freunden wurden hinten angereiht. Wie wild versuchte er die benötigten Ersatzteile für Akela zu organisieren, die aufgrund ihres Asbestgehaltes gewechselt werden mussten. Darunter neue Bremsbeläge.

In den letzten Jahren hatten wir schmerzlich gelernt, dass es jedes Mal einer Challenge glich, für den Dicken neue Teile zu besorgen. Anrufe in verschiedenen Mercedes Ersatzteillagern oder gemütliches Durchstöbern diverser Internetanbieter brachte in unserem Fall wenig Erfolg. Es gab kaum mehr passende Stücke auf dem breiten Markt. Wenn noch Material zu kriegen war, dann eigens angefertigt, oder Billigware aus China. Ich will mich damit gar nicht länger aufhalten, Leander kann ein Lied davon singen.

Neben den Ersatzteilen erwartete uns noch ein weiterer Brocken zu Hause. Nach zwei Jahren on the road fanden wir es an der Zeit unseren Freunden, Verwandten und Bekannten einen Blick hinter die Kulissen unseres Lebens zu gewähren. Uns schwebte ein Diavortrag vor. Mit Volleifer stürzten wir uns bereits in Indonesien in die Vorbereitungen, die wir allerdings komplett unterschätzt hatten. Wir hatten keinerlei Erfahrung. Was wollten wir dem Publikum erzählen? Wie konnten wir zwei Jahre in einen überschaubaren und attraktiven Rahmen verpacken, ohne dass die Ersten vor Langeweile nach wenigen Minuten bereits den Saal verließen? Wir schoben das finale Ende vor uns her und kriegten es nicht gebacken die Präsentation auf Bali fertigzustellen, wodurch wir uns selbst ins Bockshorn jagten. Es gab kein Zurück mehr. Die Location war gebucht und die Gäste geladen. Es kam wie es kommen musste, was mich an frühere Schulzeiten erinnerte. Bewaffnet mit ausreichend Red Bull machten wir die letzte Nacht zum Tag und legten erschöpft, aber zufrieden den Bleistift um fünf Uhr früh beiseite. Es war vollbracht.

Wir waren überwältigt vom Besucheransturm und freuten uns doppelt über liebe Freunde, manche sogar aus Deutschland, die eine Autofahrt von fünf Stunden in Kauf genommen hatten, in eine Richtung wohlgemerkt, nur um unseren Worten und Bildern zu frönen.

Knapp zwei Stunden Aufmerksamkeit rangen wir den Gästen ab und ernteten im Anschluss Lob, Respekt und Anerkennung. Die Kernaussage, dass wir nicht seit zwei Jahren auf Dauerurlaub waren, sondern viel Arbeit, Mühen, Bürokratie, Werkstätten und Verzweiflung dazu gehörten, kam bei den meisten an. Mit heiseren Stimmbändern konnten wir nun zum geselligen Beisammen sitzen übergehen, wo uns Sigi und Gitti, ein pensioniertes und reiseambitioniertes Pärchen aus Bayern noch viele Fragen stellten.

Leander klagte Sigi, einem passionierten Schrauber, unser Leid bezüglich Asbest und dass er bislang null Tau habe, wer die nötigen Reparaturen am Truck in Bali zufriedenstellend erledigen konnte. So kam es, dass Sigi ganz wertfrei in den Raum warf, dass er sich schon vorstellen könnte mit uns nach Bali zu fliegen, um auszuhelfen. An so eine Lösung hatten wir auch schon öfter gedacht, allerdings immer wieder verworfen, da wir niemand geeigneten fanden. Sigi konnte der richtige sein. Er war vom Fach, hatte Ahnung von alten Trucks, traute es sich zu und, er hatte Zeit. Diese Idee mussten wir unbedingt intensivieren, allerdings nicht heute, denn jetzt wurden die Gläser erhoben.

Schlag auf Schlag ging es weiter. Leander fuhr nach München, während Lennox und ich in Salzburg blieben. Wie das Jahr zuvor wurde es nicht langweilig. Täglich brachte der Postbote Lieferungen ins Haus. Ein neuer Reisepass für Lennox, aktuelle Schulbücher, Lesestoff für jeden von uns, neue Dometic Fenster für Akela, Ersatzteile, eine Gitarre. Mir wurde schlecht beim Anblick des Stapels, der größer und größer wurde. Wir waren mittlerweile bei 120 kg angekommen. Wie sollten wir das ganze Zeug nach Bali schleppen? Die noch bessere Frage war, wie konnten wir der Fluggesellschaft verklickern, dass wir soviel Übergepäck hatten? Wer auf einem Linienflug schon einmal Übergepäck bezahlt hat, weiß wovon ich spreche. Unsere Airline wollte für 30 kg, die wir drüber waren, knapp € 800. Irrwitzig, oder? Da geht sich locker ein Flugticket aus und so haben wir letztlich auch kalkuliert. Sigi flog mit uns nach Bali, und wir konnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Akribisch bereitete er sich zu Hause auf die anstehenden Arbeiten vor, so gut es ging. Seine Frau Gitti nahm er natürlich mit. Der Deal war perfekt. Wir hatten einen Mechaniker an Bord und da die beiden sparsam mit Klamotten waren und nur mit einem Koffer reisten, konnten wir ihnen unsere 30 kg aufs Auge drücken. Einen Tag vor Abflug holten sie das Übergepäck ab, wo wir noch grob die nächsten Tage planten und dann ging es ab nach Bali.

Treffpunkt war die Ankunftshalle des Flughafens, denn wir saßen in unterschiedlichen Maschinen.

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