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Indonesien

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 28.06.2018

Alam Dita, mit der Natur - das ist Sumbawa!

Sumbawa, Juni 2018

Die Fährverbindung zwischen Lombok und Sumbawa dauerte zwei Stunden. Unsere Abneigung gegenüber Schiffsfahrten ist kein Geheimnis, aber die alten, verrosteten und in die Jahre gekommenen Dampfer, die auch gerne einmal den Meeresgrund küssten, mochte ich eigentlich ganz gerne, denn man konnte darauf tun und lassen was man wollte. Ob im Auto bleiben oder sich an Deck von drittklassigen Kurzfilmen berieseln zu lassen, völlig egal!

Olle, vom Surfcamp Lombok organisierte uns bei seinem Schweizer Freund, der im Westen der Insel ein kleines Resort betrieb, einen Stellplatz. Die Strecke vom Hafen nach Scar Reef, wo Thomas wohnte, betrug nur knapp 20 Kilometer, eigentlich ein Klacks. Doch mit der Zeit lernten wir die Straßengegebenheiten in Indonesien richtig einschätzen und wussten, dass eine orange gekennzeichnete Straße im Navi, normalerweise eine Hauptstraße, hier nichts zu bedeuten hatte.

Es dämmerte bereits. Wir rumpelten bergab, quälten uns bergauf und quetschten uns durch zahllose Kurven auf abenteuerlichen Pisten. Die angezeigten Kilometer auf dem Display wurden langsam weniger, bis wir in einem Ort an eine Straßengabelung kamen, die nicht eindeutig war. Ich sprang aus dem Truck und fragte den Einheimischen, der mir lächelnd entgegen kam: „Alam Dita?“.

In lupenreinem Englisch beschrieb er den Weg und klopfte mir dabei kumpelhaft auf die Schulter. Dann schwang er sich auf einen Scooter und fuhr voraus. Nach wenigen Minuten hielt er, Dan, vor einem Zaun, an dem wir bereits erwartet wurden. Thomas begrüßte uns neugierig und freute sich noch mehr über die Mandeln, die uns Olle als Geschenk für ihn mitgegeben hatte. Die schmale Einfahrt in sein Resort verschoben wir auf morgen. Es war mittlerweile stockfinstere Nacht geworden und wir hundemüde.

Die Sonne kitzelte uns früh am nächsten Morgen aus den Betten, zumindest Leander und mich. Mit einer Tasse heißen Kaffee schlenderten wir die wenigen Meter zum Strand und blickten uns um, wo wir eigentlich gelandet waren, denn gestern hatten wir nicht mehr viel mitbekommen. Es war schön hier und so ruhig und sauber! Eine Seltenheit in Indonesien. Weit draußen entdeckten wir ein paar wenige Surfer, die mit den Wellen tanzten, während die auslaufende Brandung mit tosender Gewalt an den Palmen gesäumten Strand donnerte. Die herabfallenden Sonnenstrahlen spiegelten sich im Meer, welches das Licht reflektierte, als ob hunderte von Diamanten darin verstreut wären.

Unsere Blicke schweiften verträumt in die Ferne, als uns der „Campingplatz“ Besitzer Memeth mit einem freundlichen „pagi“ aus den Gedanken riss, was auf indonesisch soviel heißt wie guten Morgen. Er lud uns zu sich auf ein Glas Sumbawa Kaffee ein, wann immer wir wollten. Wir waren herzlich willkommen. Ein schönes Gefühl!

„Alam Dita“ übersetzt „mit der Natur!“ Einen besseren Namen hätte Thomas für sein grünes Eiland nicht finden können. Drei kleine Bungalows lagen eingebettet in einem wild angeordneten Paradies aus blühenden Blumen, Pflanzen und Palmen, und Akela mittendrin. Die kühle Meeresbrise drang leider nicht bis zu uns durch, dafür war das Buschwerk viel zu verworren, aber das war ok. Uns fand man sowieso vorwiegend am Meer oder bei Memeth.

Wir waren nicht leicht um den Finger zu wickeln, super beeindruckt oder gar sprachlos, doch Sumbawa, oder besser gesagt West Sumbawa, hatte etwas Besonderes an sich. Es war die Kombination aus Mensch und Natur, was seltsam war, denn in letzter Zeit versuchten wir Zweibeinern aus dem Weg zu gehen um etwas Ruhe zu finden.

Sumbawa wird von den meisten Touristen als Trittbrett benutzt, um auf die Komodo Inseln zu gelangen, wo die berühmten Komodo Warane beheimatet sind, oder sie ziehen weiter auf die nächste Insel Flores. Große oder bekannte Sehenswürdigkeiten suchte man auf der Insel vergeblich. Es waren die kleinen und versteckten Schönheiten, die es zu entdecken gab. Doch gerade das machte es aus, was uns in ihren Bann zog. Freundliche und liebenswerte Menschen, authentische Dörfer, unberührte Landstriche, viel Natur und wunderschöne Strände mit legendären Wellen, die denen an der Südküste Balis in nichts nach standen.

Für uns gab es immer etwas zu tun. Entweder tobten wir uns im Wasser aus, wobei es keinen Unterschied machte, ob gerade Ebbe oder Flut herrschte, oder wir hingen bei Memeth ab, wo ein gutes Gespräch nie lange auf sich warten ließ. Memeth betrieb einen kleinen Campingplatz, wo sich Weltenbummler wohl und verstanden fühlten. Doch bitte vergesst das Klischeebild, dass euch euer Hirn einspielt, wenn ihr an einen „Campingplatz“ denkt. Bei Memeth war jeder gerne gesehen und immer herzlich willkommen. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen, fachgesimpelt, Erfahrungen ausgetauscht oder einfach nur beisammen gesessen.

Einer, der uns immer in Erinnerung bleiben wird und den wir auch dort kennengelernt haben, war Jimmy, ein Kalifornier, der seit über 30 Jahren durch Asien tingelte und in Scar Reef in einem einfachen Bamboo Shack ohne Dusche, WC und Strom zur Ruhe gekommen war. Sein Lebenselixier waren die Wellen und das Wasser. Er strahlte eine enorme Ruhe aus und es war eine echte Bereicherung seinen Lebensgeschichten und Erfahrungen zu lauschen, die nicht nur ganze Abende, sondern auch mehrere Bücher hätten füllen können. Für Lennox war er schlicht und einfach Uncle Jimmy, auch er spürte die positive Aura die diesen Mann umgab und genoss die gemeinsame Zeit.

Was woanders nur über Agenturen und mit überteuerten Ausflügen möglich war, ergab sich auf Sumbawa praktisch von selbst. Denn durch das Reden kommen Leute zusammen, wie man so schön sagt. So geschah es, dass Leander gemeinsam mit Dan, dem hilfsbereiten Einheimischen der uns mitten in der Nacht den Weg zu Thomas zeigte, mit dem Boot hinausfuhr, und seine ersten Erfahrungen mit Speerfischen machte. Lennox und ich waren ebenfalls mitgekommen. Während die beiden mit der Harpune auf Fischfang gingen, setzten wir uns die Tauchermasken auf und schnorchelten etwas abseits, um keinen Pfeil in den Popsch zu bekommen, über ein intaktes Riff und bestaunten die Unterwasserwelt.

Stolz präsentierte uns Leander die erlegten Fische, die später bei Memeth über dem Feuer gegrillt und kombiniert mit anderen Köstlichkeiten Abends unter allen aufgeteilt wurden. Alles war so selbstverständlich hier und unkompliziert. Wer etwas beisteuern konnte, tat dies, wer nicht brachte einfach etwas, wenn er konnte. Alles wurde geteilt ohne lange darüber nachzudenken. Auf Sumbawa schien dieser Gedanke so natürlich und allgegenwärtig zu sein und es tat gut mitten drin zu sein.

Wir wurden nie mit dem Gefühl stehengelassen lästige Touristen zu sein, wo einzig und alleine das gefüllte Portemonnaie zählte. Wir fühlten uns als Freunde und wurden auch so behandelt.

Somit war es auch nicht der Rede wert, dass wir uns von Memeth Surfboards ausleihen konnten, wann immer wir wollten, ohne Kohle. Schon klar, es waren keine aktuellen Boards aus der brandneuen Kelly Slater Kollektion. Trotzdem! Auf Bali oder Lombok hätte jeder die Hand aufgehalten und eine Leihgebühr verlangt. Als ich Memeth fragte, ob er uns nicht eines davon verkaufen würde stimmte er sofort zu, hatte aber keinen blassen Schimmer was er dafür verlangen sollte und bat mich, ihm einen Preis zu nennen. Wir mussten nicht lange verhandeln und waren schnell stolze Besitzer eines eigenen Surfboards. Yihaaa! Allerdings war die Größe eher für Lennox zugeschnitten als für Leander und mich. Es ist wohl so ein „Eltern Ding“, dass man bei vielen Entscheidungen unbewusst zum Vorteil der Kinder handelt.

Ich will gar nicht lange drum herum schreiben, denn es war unausweichlich. Der Abschied stand vor der Türe. Nach einer fantastischen Woche in Scar Reef drückten wir jeden fest an unser Herz und stiegen mit hängenden Mundwinkeln in das Führerhaus. Wir fuhren und fuhren, Kilometer um Kilometer, doch nichts was unsere Augen streifte, konnte es mit Westsumbawa aufnehmen. Es schien, als hätten wir uns in den Küstenabschnitt verliebt und konnten deshalb die Schönheit rings um uns gar nicht richtig war nehmen. Deshalb taten wir das einzig richtige für uns in diesem Moment. An einer geeigneten Stelle wendete Leander den Truck und es ging wieder zurück, 250km!! Was auf indonesischen Straßen kein Honiglecken war, doch das war es uns wert.

Den Weg mitten in der Nacht zu Thomas`Alam Dita kannten wir mittlerweile und der war gar nicht weiter erstaunt, als wir wieder vor seiner Türe standen. Ihm mussten wir das Gefühl nicht beschreiben warum wir wieder zurück kamen.

Auch Memeth schien am nächsten Morgen nicht weiter überrascht zu sein und brachte ganz selbstverständlich einen Kaffee an den Strand, als er uns dabei ertappte, wie wir den Sonnenaufgang genossen. Zeitiges Aufstehen in der Früh war auch ein ganz eigenes Kapitel in Scar Reef. Ich bin definitiv kein Langschläfer, aber 06:00 Uhr morgens war auch für mich unchristlich. Hier weckte uns die innere Uhr und ließ uns mit den ersten Sonnenstrahlen aus den Federn hüpfen. Ungewaschen und ungekämmt spazierten wir die wenigen Meter zum Strand, setzten uns in den warmen Sand, analysierten die Wellen und sogen die Ruhe ein, zumindest solange bis Lennox an gestampft kam und nach einem Frühstück fragte.

Die Tage verliefen entspannt und verstrichen mit Motorradtouren zu gigantisch schönen Wasserfällen, Speerfischen, schnorcheln, paddeln, surfen, slacklinen und etwas Unterricht mit Lennox leider viel zu schnell. Wir feierten auch Leander`s Geburtstag in Scar Reef und es schien, als ob er bei der Auswahl seiner Orte einen Freibrief hatte. Letztes Jahr auf dem Pamir Highway mitten in Tadjikistan, sein absolutes Lieblingsland, und heuer hier auf Sumbawa. Den Morgen läuteten er und Jimmy mit einer gemeinsamen Surfsession ein, am Nachmittag gab es selbstgebackenen Kuchen und kleine Geschenke, und am Abend schmausten wir alle selbst gespeerten Fisch. Happy Birthday my dear, da gab es nichts zu meckern!

Unter uns gesagt. Natürlich halten wir die Augen während der Reise offen und „selektieren“ die Möglichkeiten für ein neues zu Hause nach der Reise aus. Wir sehnten uns alle nach einer fixen Base. Wer weiß was passiert wäre, wenn wir das Geld jetzt so locker aus dem Ärmel schütteln hätten können.

Aber für den Moment blieb es nur bei dem möglichen Gedanken irgendwann wieder hierher zurück zukehren. Vorerst mussten wir ein herannahendes Abschieds deja vu meistern. Erneutes umarmen, auf die Schulter klopfen und Tränen verbergen, und weil eh schon alles doof war, stach mich auch noch eine indonesische Wespe in den Daumen, die hier dreimal so groß waren wie unsere Heimischen. Dass das Gift auch viel höher konzentriert war, wollte ich Anfangs nicht glauben, denn ich war ein tapferes Mädchen und ein Wespenstich konnte mich nicht umhauen. Allerdings nahm ich nach kurzer Zeit Thomas` Ratschlag ernst und kletterte nach hinten in den Truck und kramte aus der Reiseapotheke Schmerzkiller hervor. Ich hielt es nicht mehr aus. Es fühlte sich an, als ob tausende Nadelspitzen gleichzeitig versuchten meinen Finger zu durchbohren. Doch man musste auch das Positive daran erkennen. Ich saß halb komatös und geistesabwesend im Führerhaus und hatte keine Gelegenheit, länger über den Abschied traurig zu sein.

So erreichten wir die im Norden gelegene Hauptstadt Sumbawa Besar, die ein zwingendes Übel war, um unser Visum zu verlängern. Doch so schlimm war es gar nicht. Die Visa Verlängerung hatten wir dank Memet`s Kontakte innerhalb weniger Stunden in den Pässen, was sonst mehrere Tage gedauert hätte, und in Kencana Beach, einige Kilometer vor der Stadt, fanden wir einen netten Stellplatz direkt am Meer mit „Duschen“ und ausgezeichnetem Internet Signal, was dringend nötig war, da in Scar Reef kein Empfang war und sich mittlerweile bestimmt ein Berg an Arbeit angestaut hatte. Also beschlossen wir die nächsten Tage hier zu bleiben, um wieder klar Schiff zu machen, wie man so schön sagt.

Lennox und ich erforschten die Umgebung und entdeckten nur wenige Meter vom Strand entfernt ein Korallenriff mit Feuerfischen, Doktor- und Papageienfischen, Clown- und Trompetenfischen, während sich Leander durch unzählige Mails ackerte und dabei eine schreckliche Entdeckung machte. Gut, dass wir die Nachrichten erst hier abrufen konnten, denn in Scar Reef hätten wir ab Erhalt dieser Message keine entspannte Sekunde mehr gehabt. Was in dem Mail stand? Ich werde euch berichten, denn ab dieser Tage änderten sich unsere Pläne und Gemütszustände praktisch im Minutentakt!

Viele von euch wissen, dass wir eine Kooperation mit dem Campingartikel Hersteller Dometic haben, deren Hauptsitz in Schweden ist. Da die Firma auf dem australischen Markt gut etabliert war, hatten sie dort einige gemeinsame Projekte mit uns geplant. Samuel, unser Ansprechpartner, hatte uns ein Mail geschrieben, indem er darauf hinwies, dass ihn seine australischen Kollegen darauf aufmerksam gemacht hatten, dass Fahrzeuge die Asbest verbaut hatten, von einer Einreise ausnahmslos ausgeschlossen waren.

Zuerst verstand ich den Zusammenhang nicht. Was hatte der Giftstoff Asbest mit unserem Auto zu tun? Leander löste meine Fragezeichen auf. Bis in die 80er Jahre wurde bei bestimmten Autoteilen Asbest verbaut. Akela war Baujahr 77, man konnte davon ausgehen, dass zu 99,9 Prozent Asbest in unserem Truck verbaut war. Nur wo? Mit viel Internetrecherche und langen Telefonaten bzw.

E-Mails fand er heraus, dass zum Beispiel Bremsen, die Kupplung und einige Dichtungen heiße Verdächtige waren. Waren all diese Teile noch original? Woher zum Teufel konnten wir all die Informationen beziehen die wir jetzt benötigten? War die australische Behörde wirklich so streng? Der mögliche Asbestgehalt unseres Autos würde in Australien keinen Supergau hervorrufen! Gab es eventuell Ausnahmeregelungen, unter die wir uns mogeln könnten?

Wer Leander kennt der weiß, dass für ihn ein „geht nicht“ nicht existiert, im Gegenteil, es spornt ihn zu Höchstleistungen an. Sein Gehirn ratterte 24 Stunden, das Handy piepste ununterbrochen und der Laptop musste zwischendurch immer wieder in den Kühlschrank, um nicht zu überhitzen. Das Einzige womit ich ihm am meisten helfen konnte war, ihm Lennox vom Hals zu halten so gut es ging. Das klingt jetzt böse, war aber so, denn er brauchte Ruhe um nachdenken zu können.

Als ich mit dem Kleinen wieder einmal vom Strand zurückkam, hörte ich ihn schon aus der Entfernung toben und schreien. „Die Spinnen, jetzt sans komplett wahnsinnig worden, … die hoben ja keine Ahnung was de mit der Entscheidung überhaupt o`richten...!“

Wer spinnt und wer war wahnsinnig? Ich wusste nicht, wovon er sprach. „Jetzt nemmans uns nimma mit...!“ Wer nimmt uns, wohin nicht mehr mit, ich verstand nur Bahnhof.

Er öffnete eine WhatsApp Nachricht auf seinem Handy und legte sie mir unter die Nase. Ich überflog sie und sank kurz danach auf die Bank. Die Agentur, Sea Bridge Tours, mit der wir seit über einem Jahr die Überfahrt nach Australien planten, leider ohne schriftliche Zusage, sagte ohne Angaben von Gründen den Deal ab. Auf Telefonanrufe reagierten sie nicht mehr und aus der WhatsApp Gruppe waren sie ausgetreten. Was war los? Was hatten wir verbrochen, dass sie uns so vor den Kopf stießen? Zwei Inseln oder fünf Wochen vor der geplanten Verschiffung! Wir hatten seit Vladiwostok darauf hingearbeitet, geplant, recherchiert und dementsprechend verschifft, um planmäßig Ende Juli in Ost Timor zu sein um mit der Gruppe von Dili nach Darwin zu verschiffen.

Unser Hauptgrund warum wir diesen Deal eingegangen waren, war die Preis Okassion! Denn in der Gruppe hätte uns die Verschiffung nur ein Drittel von dem gekostet, was es uns als Einzelfahrzeug gekostet hätte.

Durch Eigenrecherche wussten wir mit welchen Preisen wir bei einer Einzelverschiffung für diese Strecke rechnen mussten und das wollten und konnten wir uns nicht leisten. Es war nie unser Plan nach Australien zu reisen, unser Ursprungsziel war immer Neuseeland. Doch mit dieser Option in der Tasche wären wir dumm gewesen. Australien lag zum Greifen nahe und sooft würden wir nicht mehr in diese Ecke kommen.

Jedoch schienen alle Ampeln auf rot geschaltet zu haben. Zuerst die Asbest Meldung, jetzt die Absage der Gruppe. Irgendetwas oder Irgendjemand wollte mit aller Gewalt verhindern, dass wir einen Fuß auf den roten Kontinent setzten. Wir saßen in der Falle! Unsere Alternativen von Indonesien aus waren sehr beschränkt. Alaska oder Südamerika kamen nicht infrage, denn bis wir eine Agentur gefunden hätten und die Verschiffungszeit mit eingerechnet, wären wir dort im Winter eingetrudelt. Nein Danke! Afrika wollten wir uns bis zum bitteren Ende aufheben, wir waren noch nicht bereit für den schwarzen Kontinent. Wir konnten die gesamte Strecke natürlich auch wieder zurückfahren oder den Truck gleich nach Deutschland verschiffen und noch etwas „Urlaub“ in Europa machen.

Echt jetzt? Ein Jahr Planung durch eine einzige Nachricht dem Erdboden gleich gemacht. Ein Traum zerplatzt wie eine Seifenblase und stehen gelassen wie bestellt und nicht abgeholt! Wenn wir nicht aufgeben wollten, dann blieb uns realistisch gesehen nichts anderes übrig, als nach Australien zu verschiffen, allerdings nicht von Ost Timor, denn dort hatte eine Reederei das Monopol und konnte mit den Preisen jonglieren. Wir mussten eine andere Fährstrecke finden.

Ich alleine hätte mich mit einer Verschiffung nach Deutschland und somit dem Ende unserer Reise abfinden können. Ich hatte die Schnauze voll! Wir hatten die letzten Monate umsonst gearbeitet und dafür einen hohen Preis bezahlt. Ich war mit meiner Kraft am Ende. Woher Leander immer noch den Willen und die Power zum Weitermachen hatte, keine Ahnung! Für ihn war aufgeben keine Alternative. Er hasste es, wenn ein Plan nicht funktionierte, also musste ein neuer her. Gut Ding braucht Weile und Zeit hatten wir nun offensichtlich genug, denn das Schiff würde ohne uns den Hafen verlassen, soviel war klar. Wobei wir im Grunde auch keine Zeit hatten, da unser Indonesien Visa exakt auf den Verschiffungstermin ausgelegt war und dieses bald auslief.

Ganz nebenbei tauchten noch mehr nette Mails auf, die uns die Suppe zusätzlich versalzten, wobei, mehr ging gar nicht mehr. Die abgeschlossene Auslandskrankenversicherung kickte uns aus dem bestehenden Vertrag mit der Begründung, dass Österreicher durch eine Klauseländerung nun leider durch den Rost fielen. Da fühlt man sich doch gleich richtig gut abgesichert in der europäischen Gemeinschaft und heimische Behörden meinten ebenfalls mit sinnlosem Bürokratie Kram einen auf wichtig zu machen. Doch im Vergleich zu den „Bombenmeldungen“ waren dies Kinkerlitzchen und kosteten uns nur ein müdes Lächeln.

Mit rauchenden Köpfen puzzelten wir die letzten Tage einen Plan B zusammen der, wenn er aufging, attraktiver klang als der Ursprüngliche. Jetzt hieß es warten. Warten auf neue Angebote, warten auf Antworten von gestellten Fragen, warten, warten, warten... nicht gerade Leander`s Stärke ;-)

Und weil all das immer noch nicht genug war gesellte sich noch ein emotionales Problem hinzu, welches in Kencana Beach nach Monaten den Höhepunkt erreichte.

Spätestens in Indonesien wurde uns allen drei so richtig bewusst, wie schlimm es um die „Gesundheit“ unseres Planeten stand. Wir haben viel „Unschönes“ und „Unnötiges“ gesehen die letzten Monate und Jahre, was einen inneren Aggressionsstau verursacht hatte, den wir ad hoc nicht fähig waren zu bewältigen.

Ich rede vom Roden der Urwälder für den westlichen Luxus. Dadurch bedingt, das Aussterben von alten, traditionellen Stämmen und Tierarten. Dazu gehört die Überschwemmung der dritten Weltländer durch Plastik, was auf das Konto der ersten Welt geht. Wo das Plastik landet? Großteils in den Ozeanen oder im Hinterland wo es verbrannt wird. Wir sind mittlerweile zu „Vegetariern“ geworden! Es ekelt uns vor den Kühen, Hühnern, Ziegen und Fischen. Sie sind krank, weil sie kein natürliches Futter mehr finden, sondern ihr Auskommen im Müll suchen müssen, und es ist eine Milchmädchenrechnung mit dem Ergebnis, dass natürlich auch wir Menschen krank sind/werden, weil wir die Tiere essen.

Jeder trägt an diesem Zustand sein persönliches Schäuflein bei, ob er es wahrhaben will oder nicht. Der ein oder andere wiegt sich vielleicht immer noch in Unschuld, weil der Regenwald, die dritte Welt und der Ozean weit weg sind. „Was hab ich damit zu tun!“ Doch ich sage es noch einmal, ein jeder von uns!

Wir sind auf unserer Reise nicht zu Ökos mutiert. Allerdings haben wir gelernt, viel bewusster und nachhaltiger zu leben. Ein Jeder muss seinen inneren Schweinehund überwinden, um zu ermöglichen, dass unsere Enkel und Urenkel die Schönheit dieses einzigartigen Planeten, der nicht unser Eigentum ist, in Natura erleben und bestaunen können und nicht in Büchern.

Lennox wird von uns unterrichtet. Zwar legen wir viel Wert auf die „Basics“, wie schreiben, lesen und rechnen, unterrichten ansonsten aber nicht nach unserem klassischen „Aus-Bildungssystem“. Bei uns liegt vermehrt der Fokus auf der Natur und den Örtlichkeiten in denen wir uns gerade befinden. Und zur Zeit geht es viel um den Ozean. Meerestiere, Strömungen, aber auch wie wir uns dem gegenüber zu verhalten haben und was passiert, wenn nicht. Unschöne Themen die viele nicht als kinderfreundlich bezeichnen, schlussendlich aber harte Realität sind und unserer Meinung nach extrem wichtig sind unseren Kindern begreiflich zu machen.

Eine Situation möchte ich noch kurz schildern, weil es gerade gut zum Thema passt. Wir schnorchelten alle drei am Riff von Kencana Beach, als plötzlich unser Kleiner abgängig war. Nervös blickte ich um mich und sah ihn, wie er weinend zum Strand zurückschwamm. Panisch paddelte ich ihm hinterher da ich vermutete, dass er von einer Qualle genesselt oder von einem Feuerfisch erwischt worden war. Er saß im Sand, weinte aus vollem Herzen und konnte kaum sprechen, so aufgewühlt war er. Als er wieder zu Atem gekommen war erzählte er, dass ihm unterm Schnorcheln bewusst geworden war, dass er möglicherweise gar nicht mehr die Gelegenheit haben würde, seinen Kindern ein intaktes Riff mit all den bunten Fischen zeigen zu können, wenn wir weiterhin die Ozeane so zumüllen. Dieser Gedanke verursachte ihm soviel Kummer und stimmte ihn traurig, denn er selbst liebte das Meer, mit allem was dazu gehörte, genauso wie wir.

Es tat höllisch weh ihn so aufgelöst zu sehen. Einerseits waren wir super stolz auf den Knaben, weil er die Zusammenhänge schon so gut verstand, andererseits stieg Zorn in uns auf. Lennox war sechs Jahre alt und ich hätte mir gewünscht, dass er einfach nur sorgenfrei das Schnorcheln genießen hätte können.

Nachdem er sich wieder gesammelt hatte, führten wir ein langes Gespräch. Auch Lennox war der Meinung, dass er alleine nichts ausrichten konnte. Wir erklärten ihm anhand von Beispielen, dass viele kleine Wirkungskreise zusammen Grosses bewerkstelligen. Es war noch nicht zu spät!

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