Skip navigation

Blog

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 28.04.2018

This is indonesian law!

Borneo - Sarawak, Brunei und Westkalimantan, März, April 2018

Von nun an ging es südlich durch das kleine Sultanat Brunei. Wir wussten nicht viel über das Land, nur soviel, dass es zu einem der reichsten der Welt gehörte. Große Ölvorkommen in Verbindung mit einer kleinen Bevölkerungsdichte erzeugten diesen hohen Status.
Auf den ersten Blick sah man dem Land seinen Reichtum nicht an, eventuell ließ ein leicht europäischer Touch Geld vermuten. Kein Müll auf den Strassen oder im Hinterland, und anstatt Holzpfahlbauten standen gemauerte Reihenhäuser neben den Strassen.

Für Brunei hatten wir keinen Plan. Als wir allerdings eine palmengesäumte Grünfläche direkt am Strand entdeckten, konnten wir nicht widerstehen. Wir parkten Akela, stiegen aus und vertraten uns die Beine. Auf den ersten Blick wirkte alles sehr schön.
Es gab einen Spielplatz, saubere Duschen und das Meer lud zum Planschen ein. Über den Müll am Strand musste man wie sooft hinweg schauen. Lennox war sofort Feuer und Flamme, wir dagegen etwas skeptisch, denn der Spot lag direkt an der Straße.
Wir beschlossen abzuwarten ob sich die momentane Ruhe halten würde. Denn auf Lärm und „Hey mister, where are you from“ Floskeln hatten wir keinen Bock. Doch der Frieden hielt und somit blieben wir einige Tage.

Einem Einheimischen haben wir es zu verdanken, dass wir auch noch ein wenig Kultur abbekommen haben. Er klopfte unbefangen an unsere Tür und machte das Angebot uns mit seinem PKW in die Hauptstadt Bandar Sergi Begawan zu fahren. Wir ließen uns nicht lange überreden und stiegen ein. Wir wären wahrscheinlich zu faul gewesen um in die Stadt zu fahren. Dank Harith konnten wir einen kurzen Blick auf den Sultan`s Palast, der mit 1.800 Zimmern als der Größte der Welt gilt, werfen. Nach einem weiteren kurzen Stop an der Omar-Ali-Saifuddin-Moschee kutschierte er uns wieder zu Akela.
Für ausgiebiges Sightseeing war es viel zu heiß, außerdem brannten unsere Körper wie Feuer und juckten erbarmungslos. Lennox und ich hatten die letzten Tage zu viel Sonne abbekommen und wir waren so dumm, muss man schon sagen, und haben bei Sonnenuntergang im Sand herumgetollt. Wir haben uns quasi den Sandflöhen auf dem Silbertablett präsentiert, wieder einmal.

Nach wenigen Tagen waren unsere Wehwehchen soweit abgeheilt, dass wir wieder vernünftig sitzen konnten, also machten wir uns auf Achse. Das Sultanat Brunei teilt den malayischen Part in Ost und West. Von der natürlichen Schönheit Sabah`s immer noch überwältigt, waren wir nun auf den Westen gespannt. Konnte man Emi Glauben schenken, dann sollte dies der unattraktivere Teil Malaysias sein.

Der erste Stop führte uns zu den Niah Caves, eines der bekanntesten Naturwunder Borneo`s. Beim Zustieg zur Höhle wurde uns wie schon so oft vor Augen geführt, wie einzigartig die Insel war. Nicht nur Pflanzen und Bäume wucherten hier über ihre natürliche Größe hinaus, auch die Tiere wirkten wie hinter einem Vergrößerungsglas. Ameisen waren fingerlang und Schmetterlinge mehr als handtellergroß. Wir sahen Nasenaffen und Makaken, die im Geäst der Bäume herumtollten.
Doch neben all der Vielfalt und Schönheit darf man auf Borneo nie vergessen, dass man sich in der Wildnis befindet. Jeder Schritt muss vorsichtig gewählt werden und es gilt Finger weg von Handläufen. Hochgiftige Schlangen, Spinnen oder Tausendfüssler tummeln sich überall und vor allem dort, wo man sie am wenigsten vermutete.

Bei den Niah Caves angelangt fanden wir ein Höhlensystem mit unterirdischen Kammern vor, die groß genug waren um mehrere Kathedralen übereinander zu stapeln. Wandert man durch die Gänge wird einem schlagartig bewusst, wie klein und winzig wir Menschen sind.
In den Höhlen entdeckten Wissenschaftler einige der frühesten menschlichen Überreste die jemals in Malaysia gefunden wurden. Die uralten Höhlenmalereien der darin lebenden Homo Sapiens kann man heute noch bestaunen.

Leider gehören auf Reisen auch Dinge erledigt die nicht zu unseren Lieblingsaufgaben zählten wie zb. die Beschaffung eines Visa`s. Ja ich weiß, ich hab das schon oft erwähnt. Unsere Einreise auf dem Landweg nach Indonesien stand bevor. Da wir dort einen Aufenthalt von mehreren Monaten geplant hatten, reichte ein Visa on Arrival, das 30 Tage gültig war, nicht aus.
Wir hofften in der indonesischen Botschaft in Kuching, der Hauptstadt Sarawak`s, ein sechs Monate gültiges Visa halbwegs reibungslose beantragen zu können. Bewaffnet mit allen erforderlichen Unterlagen marschierten wir in die Botschaft.
Mit langen Hosen und Ärmeln versteht sich, denn wir wollten nicht schon im Vorfeld eine Absage riskieren. Und siehe da, am späten Nachmittag desselben Tages konnten wir unsere Pässe inklusive Aufenthaltsbewilligung für Indonesien abholen.
Bingo, es geschehen noch Zeichen und Wunder! So schnell und unkompliziert waren wir noch nie zu einem Visa gekommen und das, obwohl Indonesien zu einem der kompliziertesten Länder gehört, was Zettelwirtschaft und Bürokratie anbelangt.

Bei sengender Hitze warteten wir im Truck vor der Botschaft, dass es endlich Nachmittag wurde, um die Pässe abzuholen, als es plötzlich klopfte. Ein älterer Herr stand vor der Tür und stellte sich als Hermann vor. Der Mann sah so ganz anders aus als alle Hermann`s die wir kannten. Er erzählte von deutschem Blut in seinem Stammbaum, das die Herkunft seines Namens rechtfertigte, der für einen Malaiyen schon recht untypisch war.
Vorname hin oder her, Hermann und seine Tochter sprachen ausgezeichnet Englisch und schlugen vor in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum Mittag zu essen. Froh über die Abwechslung spazierten wir kurz darauf durch die klimatisierte Mall und fanden uns wenige Minuten später in einer hitzigen Diskussion über Religionen wieder. Es war nicht zu übersehen, dass er uns bekehren wollte.

Während all unserer Reisen wurden wir mit vielen Glaubensrichtungen konfrontiert. Sei es der Buddhismus, der Hinduismus, das Christentum, oder wie in diesem Fall der Islam. Viele Menschen suchen Antworten auf die wichtigen und großen Lebensfragen in ihrem Glauben. Jede Religion hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Schriften, Festtage, wichtigen Orte und sogar Alltagsregeln. Diese sagen zum Beispiel, was die Menschen essen, was sie anziehen oder wie sie mit ihrem Partner und ihrer Familie leben sollen.
Nicht jedem steht es frei über seine Religion selbst zu entscheiden. Es gibt Staaten, die ihren Bürgern eine bestimmte Religion vorschreiben und andere Religionen verbieten wollen. Schreitet man mit offenen Augen durch die Welt so kann man erkennen, dass Religion nicht immer etwas Positives ist, was eigentlich der Ursprung gewesen wäre.
Kriege, Neid und Gier sind immer wieder Begleiterscheinungen der Religionen, mit nur wenigen Ausnahmen.
Einen Sinn oder eine Aufgabe braucht jeder um glücklich und zufrieden leben zu können. Ob Religion dabei eine Rolle spielt, muss jeder selbst für sich entscheiden. So wie auch wir uns bereits vor Jahren dazu entschieden haben, dass wir ohne glücklicher sind. Was nicht heißt, dass wir nicht an etwas glauben, doch dafür braucht man unserer Meinung nach keine Religion.
Hermann gab sein Bestes, doch die Diskussion führte auf keinen gemeinsamen Nenner. Weshalb es vorherzusehen war, dass wir nach dem Essen bezahlten und jeder seine Wege ging.

Nach diesem kurzen Exkurs in die Religionen fuhren wir weiter in das nahe gelegene Sarawak Cultural Village. Man findet dort Nachbildungen von Häusern, die jede größere ethnische Gruppe in Sarawak repräsentiert. In den Gebäuden zeigten Stammesmitglieder alte Traditionen oder traditionelle Aktivitäten wie zum Beispiel Tanzaufführungen. Lennox strengte sich mächtig an, den Tanz mit den Bambusstäben zu erlernen, leider haperte es noch am Taktgefühl, wodurch er mehrmals den Schmerz der zusammen stossenden Holzstäbe zu spüren bekam. Das Village glich mehr einem lebenden Museum und diente eher dazu, den Besuchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Man findet immer noch traditionell lebende Stämme wie die Bidayuh, die Iban, die Dayaks oder die Orang Ulu auf der Insel, aber dazu muss man weit in den tiefen, dunklen Dschungel vordringen, denn soweit wurden diese Minderheiten bereits verdrängt. Von Kuching war es nur noch ein Katzensprung bis zur indonesischen Grenze. Nervosität stieg in uns auf denn wir wussten, dass eine Einreise auf dem Seeweg sehr kompliziert verlief und gelegentlich auch mit einem Einreiseverbot endete. Daher haben wir auch beschlossen, es auf dem Landweg zu versuchen und konnten nur hoffen, dass es sich auch wirklich einfacher verhielt. Tat es auch. Eigentlich war es sogar unkompliziert, wenn da nicht dieser eine Beamte gewesen wäre, der wohl mit dem falschen Fuß aufgestanden war. Wir durften bei der Kontrolle keine Zwischenfragen stellen, mussten uns genau dorthin stellen wo er es für richtig hielt und, und, und. Wir waren uns keiner Schuld bewusst, aber irgendwann knallte er uns vor die Füße, dass wir unhöflich seien und er uns auf der Stelle das Visa und somit die Einreise nach Indonesien verweigern konnte, wenn wir seinen Regeln nicht Folge leisten würden. „This is indonesian law“. Ein Satz den wir noch oft zu hören bekommen werden. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass Leander bereits tief Luft holte und sich für eine Diskussion bereit machte. Beamte dieser Art mochte er gar nicht, aber fleißige Leser wissen das schon von vorherigen Berichten. Ich griff nach seiner Hand und flehte ihn mit den Augen an einfach nur den Mund zu halten. Ich hatte keine Lust mitten in der Pampa am Grenzposten fest zu sitzen, mit Lennox im Schlepptau. Manchmal, auch wenn es schwer fällt, muss man sich zurücknehmen und auf Durchzug schalten, um nicht unschuldig zum Handkuss zu kommen. Zu guter Letzt bekamen wir einen Einreisestempel in unsere Pässe und rollten somit in unser 23. Land.

Obwohl Malaysia genauso wie Indonesien zu den Schwellenländern gezählt wird, sah man bereits auf den ersten Metern die wir durch das Land fuhren einen deutlichen Unterschied. Viele Menschen hausten in verfallenen, winzigen Holzbaracken. Der Müll wurde entsorgt wo er gerade anfiel, egal ob vor dem eigenen Haus oder an der Straße. Sammelte sich zu viel davon an, wurde er einfach angezündet. Die Menschen saßen vor ihren Hütten oder an der Straße, sinnierten vor sich hin und lebten in den Tag hinein. Wenn man das Land nüchtern betrachtet, eigentlich ein Widerspruch in sich. Denn der Inselstaat ist reich. Reich an Bodenschätzen und seine Häfen liegen an den wichtigsten Seewegen der Welt. Dennoch leben knapp die Hälfte der Einwohner Indonesiens unter der Armutsgrenze. Die Gründe für dieses Elend sind vielfältiger Natur, es sind nicht nur die gestiegenen Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel. Es fängt an auf dem Land, wo die Bevölkerung durch Ungezieferbefall, Schlammlawinen und Überschwemmungen vielfach ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Die geringen Hilfen der Regierung kommen jedoch korruptionsbedingt kaum oder überhaupt nicht bei der Landbevölkerung an. Für viele ist die Stadtflucht der letzte Rettungsstrohhalm, jedoch mit meist schlimmen Ausgang. Denn durch die dramatische Überbevölkerung in den Städten ist auch hier die Armut rasant gestiegen. Indonesien ist der wichtigste Palmöl Produzent weltweit. Während unserer Fahrt durch das indonesische Westkalimantan, war es nicht mehr zu übersehen. Die riesig angereihten Monokulturen reichten bis an den Straßenrand heran und waren in sämtlichen Stadien zu sehen. Brandgerodete Felder, um den Boden wieder fruchtbar zu machen für die nächste Generation, Felder mit frisch gepflanzten Setzlingen, Felder mit Jungpalmen und Felder mit Palmen die unzählige Früchte trugen die darauf warteten geerntet zu werden. Alles drehte sich nur um das grüne Gold, denn die weltweite Nachfrage steigt ins Unermessliche. Fluch oder Segen?! Eine berechtigte Frage, die nicht durch wenige Zeilen zufriedenstellend beantwortet werden kann. Fassungslos über den Raubbau der hier unverhüllt an der Natur betrieben wurde setzten wir unsere Reise fort. Wir fuhren hunderte von Kilometern, mit der Erkenntnis, dass das Landschaftsbild unverändert blieb. Wir durchkreuzten die Region um das Städtchen Pontianak, durch die der Äquator verläuft. Ein Beweisfoto am Äquator Monument hielten wir für unnötig, wir spürten auch so, dass es super heiß war. Die viel gestellte Frage, ob auf der Südhalbkugel das Wasser der Toilettenspülung wirklich nach links abläuft können wir leider nicht zufriedenstellend beantworten. Das hat aber nichts mit unserer physikalischen Unwissenheit zu tun, denn der Grund des Wasserablaufes auf der Nord- und Südhalbkugel kann ganz einfach gegoogelt werden, sondern eher damit, dass es in Indonesien Stehklo`s gibt, wo mit einem Plastikbehälter nachgegossen wird. Um beim Stichwort Wasser zu bleiben. Dieses kostbare Gut bekam in Indonesien noch einmal einen ganz anderen Stellenwert als es bislang schon hatte. Wir waren in den Tropen, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte. Beim Umbau von Akela haben wir bewusst auf den Luxus einer Klimaanlage verzichtet. Ergo wälzten wir uns wegen der hohen Temperaturen in der Wohnkabine in einen unruhigen Schlaf und standen in der Früh oft schweißgebadet und gerädert auf. Es war auch nicht lustig, Morgens in nasse Kleider zu schlüpfen, da diese über Nacht die Feuchtigkeit angesogen hatten. Das Fahren im Führerhaus bei geöffnetem Fenstern war erträglich, hatte aber seine Tücken. Abgesehen von einem steifen Nacken durch den permanenten Luftzug, waren Schmutz und Staub unsere ständigen Begleiter. Wir waren von Morgens bis Abends schweiß- und dreckverschmiert. Fuhr man mit den Fingern über das Gesicht, blieben Schmutzschlieren zurück. Sobald wir einen Stellplatz hatten, streiften wir in alle Himmelsrichtungen aus, um eine Duschgelegenheit ausfindig zu machen. Ja stimmt, wir haben eine Dusche in Akela. Allerdings würde tägliches Duschen bedeuten, dass wir jeden zweiten Tag unsere Wassertanks auffüllen müssten, und dazu hatten wir keinen Bock. Zumal bei jeder Betankung auch die Gefahr bestand, unseren Wassertank mit Algen oder Dreck zu verunreinigen. Wir nutzten jede Gelegenheit um uns den Dreck vom Körper zu waschen. Egal ob Duschen am Strand wo uns die Leute dabei zusahen, Toilettenanlagen an Tankstellen, verlassene Gebäude mit Wasseranschluss, Wasserkontainer auf Baustellen oder öffentliche Duschanlagen, es spielte keine Rolle. Manch Waschgelegenheit war so dreckig und zugemüllt, dass es sprichwörtlich einer Sau gegraust hätte. Doch da standen wir mittlerweile drüber. Hauptsache Wasser!

Die Stadt Kumai war unsere letzte Station auf Borneo. Von dort ging es mit der Fähre weiter auf die Insel Java. Wir rumpelten die Straße entlang Richtung Hafen, vertieft in ein Gespräch, als plötzlich zwei Polizisten am Straßenrand auftauchten und uns anhalten wollten.
Diese beiden Exemplare waren nicht die Ersten die uns kontrollieren wollten seit wir auf Indonesiens Straßen unterwegs waren. Genau wie ihre Vorgänger stellten auch sie sich äußerst ungeschickt dabei an. Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen starrten sie uns an bis wir auf gleicher Höhe waren um uns dann, wenn es für uns zu spät war zum Bremsen, an den Strassenrand zu ordern. Leander hätte eine Vollbremsung hinlegen müssen um rechtzeitig zum Stehen zu kommen, was wir nicht taten, es handelte sich schließlich um keinen Notfall.
Also fuhren wir unbekümmert weiter, denn den meisten war es sowieso schnurz egal ob wir hielten oder nicht. Diese Methode funktionierte schon seit Zentralasien.

Diese Staatsdiener fielen aus der Rolle und nahmen ihre Pflicht etwas ernster.
Nur wenige Augenblicke später tauchten Blaulichter im Seitenspiegel auf. Mit lautem Sirenengeheul überholten sie Akela und zwangen uns mit ihrer Fahrweise an den Straßenrand. Als beide Fahrzeuge zum Stillstand gekommen waren stiegen sie aus und kamen uns entgegen. Während der eine zu Leander an die Fahrertür kam, umrundete der andere skeptisch den Truck.
Die Konversation war schwierig, denn die Beamten sprachen kaum Englisch, und wir stellten uns natürlich dümmer als wir waren.
Mit den Fahrzeugpapieren gaben sie sich nicht zufrieden, abgesehen davon hatten sie keinen Tau davon, was darin geschrieben stand. „Passport, Passport“ wiederholte der eine ständig. Wir ließen uns Zeit, denn die Pässe gaben wir nur ungern aus der Hand. Der Polizist wurde ungeduldig, hielt sich am Türgriff fest und zog sich zu Leander hoch. Das mag dieser allerdings gar nicht, wenn jemand seinen Truck berührt. Also zog er ihm die Hände weg und schubste ihn leicht vom Trittbrett, was dem wiederum nicht sonderlich gefiel.

Um nicht unhöflich zu wirken krallte sich Leander unsere Pässe und stieg aus. Damit war der Polizist erstmal beruhigt und eine Weile mit unseren Dokumenten beschäftigt. Er konnte aber nichts finden, das Visa war gültig, so what! Zurückgeben wollte er sie uns aber auch nicht. Mit den Papieren in der einen und dem Walkie Talkie in der anderen Hand schritt er um Akela. Beim Heckträger blieb er stehen und betatschte das Motorrad. Leander wurde ungeduldig! Er klatschte in die Hände und wiederholte immer wieder „time, time, ferry to Java“.

Der Kapperlträger machte keine Anstalten uns die Pässe zurück zu geben. Konnte uns aber auch nicht verständlich machen was er noch von uns wollte. Ja, wir haben es verstanden, „this is indonesian law!“ Immer wieder funkten Kollegen auf dem Walkie Talkie durch. Wir hatten keine Ahnung worum es ging. Nachdem wir schon eine Zeit lang am Straßenrand verbracht hatten und nicht schlauer wurden, erklärten uns die Beamten, dass wir ihnen aufs Revier folgen müssten. Leander wurde es zu bunt.
Er ging zu dem Polizisten, entnahm ihm unsere Pässe und erklärte ihm nochmals ganz höflich: „No time for this bullshit, need to catch the ferry!“

Nun, es gibt definitiv geeignetere Fluchtautos als unseren Brummi, trotzdem stieg Leander einfach mal ein und fuhr los. Mit der Vorahnung, dass das Katz und Maus Spiel noch nicht beendet war, schickten wir Lennox nach hinten, schlossen den Durchgang und fuhren weiter. Nervös blickten wir immer wieder in die Rückspiegel und checkten die Lage. Fuck! Ein Schwall an Blaulichtern und Sirenengeheul war uns dicht auf den Fersen. Doch zu unserem Erstaunen überholten uns die beiden Fahrzeug nur und verschwanden in einer dicken Staubwolke hinter der nächsten Kurve. Sollte es das gewesen sein?
Es war die einzige Straße weit und breit, also keine Chance um die Richtung zu ändern. Gefasst und vorbereitet lenkte Leander in die Kurve ein. Kaum aus der Biegung raus war das Geschwader auch schon zu erkennen, dass sich mit Verstärkung an der Weggabelung positioniert hatte und die rechte Straßenseite mit ihren Fahrzeugen blockierte.
Vor den Einsatzwägen standen vier Polizisten mit MG`s die auf uns gerichtet waren. Leander fing wegen dem ganzen Aufwand zum Schmunzeln an und ich bekam es mit der Angst zu tun. Den Gedanken die Absperrung zu durchbrechen verwarfen wir schnell wieder.
Es war unmissverständlich dass sie uns auf die linke Seite führen wollten um ihnen zu folgen. Leander drosselte die Geschwindigkeit, rollte langsam auf sie zu und konnte es sich aber nicht verkneifen, einen kleinen Schwenk nach rechts zu machen und anzudeuten, als würde er auf die Straßensperre zufahren.
Die Jungs mit ihren MG´s draußen wurden etwas nervös, aber Leander lenkte sofort wieder mit einem Lächeln auf die linke Seite.
Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht und Leander, der Depp, hat wohl zuviele Bruce Willis Filme geschaut.

Nach einer kurzen Strecke erreichten wir auch schon das Hauptquartier.
Während uns zwei Beamte mit ihren Gewehren in Schacht hielten, kamen die anderen beiden schnellen Schrittes auf uns zu. Leander sprang aus dem Führerhaus und wies mich an sitzen zu bleiben und auf Lennox Acht zu geben. Das Prozedere von vorhin wiederholte sich. Verbissen blätterten sie in unseren Dokumenten und betatschten Akela. Wir erhielten keine Infos was los war und drängten abermals auf die Zeit die wir hier vergeudeten. Die Exekutive ließ nicht locker.
Endlich stieß jemand hinzu der etwas Englisch sprach.
Also die selbe Geschichte von vorne. Wir waren Reisende die seit zwei Jahren auf Achse waren bla, bla, bla. Leander zeigte ihm unsere gefahrene Route auf dem Handy. Der Polizist war beeindruckt, konnte aber nicht begreifen wie es möglich war mit dem Truck auf eine Insel zu gelangen. Leander fasste sich ans Kinn, blickte in fragwürdig an und schmunzelte „with a boat?!“ „Ahhhh...“ kam retour. Der Ablenkungsversuch mit Small Talk half nichts, sie wollten in die Wohnkabine.
OK, Trick 17, die Einstiegsleiter war natürlich kaputt! Das war für die Jungs kein Hindernis, sie waren sportlich. Next step, Schuhe aus! Auch daran hielten sie sich. Zu zweit öffneten sie jede Schublade und kramten darin herum. Lennox und ich saßen auf der Eckbank, Leander beobachtete sie im Stehen mit Argusaugen. Die Stimmung wurde zunehmens lockerer, und auch irgendwie lustig, und plötzlich klatschte er in die Hände und sagte in unsere Richtung, „So, jetzt hob I wos für eam“. Er öffnete die Badtüre und kam mit einem kleinen Säckchen retour, worin ich einen Bimsstein aufbewahrte.
Er öffnete die Tüte und hielt sie Charly, einem der Polizisten, unter die Nase. Charly langte zu und holte das gute Stück heraus. Er drehte und wendete den kleinen Stinker in seinen Händen und hielt ihn immer wieder unter seine Nase. Wir fingen schallend an zu lachen, Charly inspizierte unbehelligt weiter. War es das wonach er suchte? ;-) Wohl kaum!
So, nun aber Schluss mit lustig, „tell us what you are looking for!“ Nach und nach setzten sich die einzelnen Teile zu einem Puzzle zusammen.
Charly war vom Drogendezernat, die anderen beiden vom indonesischen FBI und Secret Service. Hochkarätige Besetzung mitten im Nirgendwo. Anscheinend befanden wir uns auf der Hauptschmuggelroute zwischen Malaysia und Indonesien. Mit unserem Koloss, der noch dazu ausländische Nummerntafeln trug, konnten die Beamten hier sogar nichts anfangen und automatisch kamen wir so in den Kreis der Verdächtigen. Na endlich, jetzt war es raus. Sie vermuteten einen Drogenkurier in uns.

Wir konnten sie davon überzeugen, dass wir nichts illegales mitführten. Nachdem alle Ungereimtheiten aus dem Weg geschafft waren, entspannten sich die Gesichtszüge aller Beteiligten allmählich und die Situation total freundlich und lustig. Für uns war es zum Weiterfahren allerdings zu spät geworden, denn es dunkelte bereits. Unter dem persönlichen Schutz der hiesigen Polizei suchten sie für uns einen Stellplatz vor einem Restaurant. Um noch einen netten Abschluss zu finden luden wir Charly und seine Kollegen zum Abendessen ein, bevor es am nächsten Tag weiter zur Fähre Richtung Java ging.

Kommentare (1)

  1. Lothar Steiner
    Lothar Steiner am 25.06.2019
    Hallo Maria & Co

    Der "Spiegel" machte mich eben auf euch aufmerksam, aber alles lesend zu genießen, kam ich nicht, aber nach deinem ersten Beitrag bleibe ich dabei.

    Euch Drei das Beste.
    Lothar

Neue Antwort auf Kommentar schreiben