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Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 27.01.2018

The land of silent lambs!

[Translate to english:] Südkorea, November-Dezember 2017

Es war Boarding time für die Überfahrt nach Südkorea. Leander durfte Akela nicht selber auf das Schiff fahren. Im Schnelldurchgang erklärte er einem Angestellten von DBS wie unser Oldie funktionierte und konnte dann nur noch mit einem weinenden Auge beobachten, wie der Truck verladen wurde. Es war das erste Mal, seit der Große in unserem Besitz war, dass er einen Fremden hinters Steuer lassen musste. Selbst bei mir gab es zumeist Gemeckere. Ich ließ die Kupplung schleifen, schaltete zu abrupt, bekam den Rückwärtsgang nie rein... weshalb sich meine Fahrpraxis im Wesentlichen darauf beschränkte, dass ich Akela ein paar Meter vor oder zurück bewegte, wenn es um die Ortung sonderbarer Geräusche ging, oder beim Abschmieren damit jeder Schmiernippel erreicht werden konnte.
Unsere Fähre trug den wohlklingenden Namen „Eastern Dream“, was eigentlich sehr vielversprechend klang. Ein Funken Hoffnung machte sich in uns breit, dass eine dementsprechende Ausstattung des Schiffes, oder ein toller Service an Board den horrenden Ticketpreis rechtfertigen würde. Falsch gedacht! Anstatt eines Luxusliners erwartete uns ein heruntergekommener Dampfer auf dem es zog wie in einem Vogelkäfig.
An Bord teilte uns das Personal mit, dass wir ein Upgrade von der Second Class in eine Family Suite erhielten. Diese Nachricht erweckte wiederum Hoffnung. Doch wer jetzt mit dem Wort „Suite“ die Räumlichkeiten in einem Luxushotel assoziiert, liegt falsch. Wir betraten einen Raum der mit vier dünnen Yogamatten ausgelegt war. Auf jeder Unterlage befand sich eine noch dünnere Decke und ein Kopfkissen, that`s all. Es geht hier nicht um Luxus, doch für 2.500 € hätten wir eine einwöchige Kreuzfahrt buchen können die bestimmt lustiger gewesen wäre.
Die Überfahrt verlief äußerst rumpelig. Die hohen Wellen auf offener See lösten eine kleine Rebellion in unseren Mägen aus. Insofern gut, dass in dem Ticketpreis keine Mahlzeiten inkludiert waren, wär schade drum gewesen.

Nach knapp 24 Stunden Überfahrt schlugen wir am späten Vormittag im Hafen von Donghae auf. An der Ostküste am japanischen Meer gelegen unterhält der Hafen das Hauptquartier der südkoreanischen Marine, und genau so sah er aus. Ein Militärschiff neben dem anderen, in Reihe und Glied. Mit wackeligen Beinen staksten wir durch die Personenkontrolle, die erstaunlicherweise zackig über die Bühne ging. Während Akela von einem Angestellten der Reederei auf sicheren Boden kutschiert wurde, erledigten wir mit Mr. Kim von DBS, der bereits auf uns wartete, den Papierkram für den Truck und das Motorrad.
Wir hofften vor Ort mit unseren Argumenten einer Doppelbesteuerung, wie bereits im letzten Bericht erwähnt, zu entkommen. Ohne Erfolg! Uns wurde für beide Gefährte eine Kfz Haftpflicht-versicherung aufgebrummt.
Auch für die Cross, obwohl wir die nicht benutzen wollten. Zusätzlich sah das koreanische Gesetz vor, dass für beide Vehikel eine Gebühr an eine Firma entrichtet werden musste, die im Schadensfall für uns bürgte. Im Klartext mussten wir für ein koreanisches Carnet de Passage blechen (ATA Carnet), da unser internationales hier nicht anerkannt wurde. Korea schien mit international nicht viel am Hut zu haben. Jeder Ansatz einer Diskussion verlief im Sand. „This is corean law“, war das Einzige was wir immer wieder zu Hören bekamen. Mehr hatten uns die Beamten an Erklärungsbedarf nicht entgegen zu bringen. Viel Aufwand, Zeit und Geld ohne ersichtliche Logik. We like! Wir kamen nicht drum rum und bezahlten umgerechnet 500 €. Damit sollten wir zumindest für die nächsten drei Monate keine Schwierigkeiten mit der koreanischen Korrektheit haben.
Akela erwartete uns bereits auf dem Hafengelände und schien die Überfahrt gut überstanden zu haben. Wir schmissen unsere Rucksäcke rein, sprangen ins Führerhaus und sputeten uns, dass Hafengelände so schnell wie möglich zu verlassen.
Wow, wir waren in Südkorea gestrandet, wohl eines der exotischsten Länder die wir je bereist hatten. Während sich seit der Teilung Koreas nach dem Zweiten Weltkrieg im Norden ein stalinistisches Regime etabliert hatte, gehörte Südkorea aufgrund seiner Wirtschaftskraft zu den sogenannten Tigerstaaten, mit Weltmarken wie Samsung, Hyundai oder LG.
Kimchi, fermentiertes und sehr stark gewürztes Kraut, koreanische Popmusik alla „Gangnam Style“ des Sängers Psy, und statistisch die häufigsten Schönheitsoperationen an Frauen weltweit. Dafür stand Korea.
Unseren ersten Kilometern auf koreanischem Asphalt blickten wir mit Spannung entgegen. Raus aus der Hafenstadt fuhren wir entlang der Küste, wo das Meer mit heftigen Wellen an den Strand donnerte. Die Großstadt ging fließend über in beschaulich wirkende Ortschaften. Bäume und Grünflächen suchte man jedoch vergeblich. Vermutlich waren sie der dichten Besiedelung des Landes zum Opfer gefallen. Wir wurden mit den ersten Verkehrs- und Straßenschildern auf koreanisch konfrontiert. Das Hangeul Alphabet besteht aus 24 Buchstaben, von dem wir null Tau hatten. Die nächsten Wochen würden kommunikationstechnisch spannend werden?! Doch zu unserem Glück waren die Tafeln mit „englischen Untertiteln“ ausgestattet.
Nach der russischen Kälte spekulierten wir zwar nicht mit Badewetter, jedoch hofften wir eine der beiden Winterjacken die in Russland obligat war, ablegen zu können. Pustekuchen! Die Sonne lachte zwar in voller Pracht vom Himmel, doch die rauhe Brise die vom Meer an Land getragen wurde, ließ unsere Glieder bibbern vor Kälte.

Viele Kilometer hatten wir noch nicht auf dem Buckel, als uns ein riesiger Parkplatz direkt am Strand vor die Nase lief der sich zum Eingewöhnen gut eignete. Wir holten den verabsäumten Schlaf von der Fähre nach und schmiedeten Pläne für die nächsten Tage. Ich war doppelt froh über eine kurze Stehzeit. Endlich die hartnäckige Bronchitis los geworden, hatte ich mir auf der Schiffsfahrt eine Blasenentzündung eingefangen. Während ich eingehüllt in Decken und mit Wärmflasche meine Zeit im Lastwagen absaß, erkundeten Leander und Lennox die Gegend. Zumindest konnte ich vom Fenster aus den Kilometer langen Sandstrand anschmachten.
Nach zwei Tagen fühlte ich mich wieder soweit fit, dass wir Richtung Sokcho aufbrechen konnten. Die Stadt wirkte eher glanzlos und war vor allem bekannt als Ausgangspunkt für den nahegelegenen Seoraksan Nationalpark.
Wir waren erstaunt als wir durch die City rollten, denn am Strand tummelten sich unzählige Surfer im Wasser. Korea als Surfspott, wieder etwas dazu gelernt. Wenn wir bloß nicht so verfroren gewesen wären. Der Tanz mit dem Brett auf den Wellen faszinierte uns schon lange, vor allem Leander. Doch bei den Temperaturen? Ähmmm...no! Der Spaß im Wasser musste noch auf sich warten lassen. Lustig sahen die wilden Kerle allemal aus, wenn sie aus den Fluten stiegen und in ihre wärmenden Mäntel schlüpften, die vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen reichten. Wie Pinguine!
Wir schlenderten weiter entlang der Strandpromenade und spürten allmählich ein Hungergefühl. Essen gehen oder kleiner Snack zwischendurch, wir konnten uns nicht entscheiden. Die Preisschilder der Restaurants waren uns ein Rätsel, und mit Englisch kamen wir nicht weiter. Laut unserem Verständnis fingen die Preise für eine Mahlzeit pro Person bei 20 € an, was eindeutig zu viel war! Wir marschierten weiter und blieben an einem Schnellimbiss hängen. Unser lautes Bauchknurren hatte vermutlich die Gehirnzellen vom Denken abgelenkt. Denn erst nach dem wir einige Taschenkrebse, Shrimps und einen gefüllten Tintenfisch verschlungen hatten realisierten wir, dass wir für ein Magentratzerl soeben 23 € hingelegt hatten. Mit dem Erfolg, dass wir immer noch hungrig waren. Verwirrt trotteten wir zurück zu Akela, warfen den Ofen an und kochten ordentliche Hausmannskost, Wurstnudeln.
Die waren günstig, schmeckten lecker und stellten den Magen rundum zufrieden. Doch die Thematik ließ uns nicht los. Wie konnten Fisch und Meerestiere, die es hier in Hülle und Fülle gab so abgrundtief teuer sein?

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