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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 06.07.2017

Das Großraumtaxi auf den Spuren Dschingis Khan´s!

 

Usbekistan Mai - Juni 2017


Die Ausreise aus Kasachstan am Grenzübergang Tazeh verlief überraschenderweise angenehm und reibungslos. Touristen wurden bevorzugt behandelt und durften ohne lange Wartezeit passieren. Den Ausreisestempel bekamen wir in null Komma nichts in den Pass gedrückt, was uns den Weg zu den usbekischen Kollegen ebnete. Wenn man all den Reiseblogs, die wir über Usbekistan gelesen hatten, Glauben schenken durfte, dann schienen die Einreiseformalitäten eine wahre Tortour zu sein. Berichtet wurde über den Einsatz von Großröntgengeräten, durchstöbern von Handys und Kameras, durchwühlen des gesamten Mobiliars ... nichts davon hatte sich bei uns bestätigt. Lediglich mitgeführte Medikamente waren von Interesse. Da wir aber schlauerweise eine kleine „Kostprobe“ unserer Arzneimittel vorbereitet hatten, gaben sich die Beamten damit zufrieden, und ließen uns nach knapp zwei Stunden passieren.
Trotz des unerwartet positiv verlaufenden Grenzübertritts war es bereits sehr spät geworden. Endlich konnte ich Lennox, der beinahe im Stehen einschlief, zu Bett bringen. Ich selbst kletterte zurück ins Führerhaus und wartete auf Leander, der sich mit den Spaniern auf den Weg machte um eine Autoversicherung zu organisieren. Es muss wohl sehr lange gedauert haben, denn ich bin in der Fahrerkabine eingeschlafen und wurde erst durch das Zuknallen der Fahrertür geweckt, als Leander zurückkam. Für € 15 schloss er eine zweiwöchige Versicherung ab, was uns fair erschien, allerdings hörten wir von anderen Reisenden, dass es auch günstiger gegangen wäre.


Ein wenig abseits des Grenztrubels stellten wir unsere Fahrzeuge ab und krochen ohne Abendessen, ohne Waschen und Zähne putzen einfach nur noch erschöpft ins Bett.
Nun waren wir in Usbekistan angelangt auf den Spuren der historischen Seidenstraße. Mythen, Geschichte und Kunst verbinden sich mit dem Namen der alten Handelsroute. Glanzvolles Golddekor, türkisblaue Ornamente, Medesen (Koranschulen), Minarette und prachtvolle Plätze faszinieren in Städten wie Khiwa, Buchara und Samarkand.
Mögen die Städte eine wahre Pracht sein, die Straßen des Landes glichen schlichtweg einer Katastrophe. Es werden zwar gerade neue Autobahnen gebaut, welche jedoch immer nur abschnittweise nutzbar sind. Im Grunde holperten wir Kilometer für Kilometer auf unsagbar schlechten Pisten entlang. Eine Slalomabfahrt am berühmten Ganslernhang/Hahnenkamm wäre für Leander und Akela im Vergleich dazu ein Kinderspiel gewesen. Wir vielen im Führerhaus von einer Ecke in die andere und auch in der Wohnkabine herrschte Tohuwabohu. Trennwände aus Kästen brachen heraus, Schubläden fielen trotz Sperrvorrichtung aus den Schienen und hinterließen durch den Aufprall unschöne Schrammen auf unserem tollen Parkettboden, Schranktüren schlossen nicht mehr ordentlich...! Es herrschte Chaos.

Nach einem unspektakulären Fahrtag und einer Übernachtung neben der Straße steuerten wir Kungrad an, ein kleines Dorf etwa 300 km südöstlich der Grenze. Von dort nahmen wir die Abzweigung in den Ort Muynak, welcher am Aralsee liegt und für seinen „Shipgraveyard“ bekannt ist. Die seit 1960 zunehmende Austrocknung des Sees stellt weltweit eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen dar. Mit ursprünglich 68.000 km² ließen ihn Klimaerwärmung und die Umlenkung großer Wassermengen für künstliche Bewässerung riesiger Baumwollfelder auf eine Fläche von 8.300 km² schrumpfen. Wo früher der Strand war liegen heute alte, verrostete Fischerboote. Das Wasser des Sees ist inzwischen weit entfernt, dennoch kann man die Spuren in Form von Muscheln noch überall wahrnehmen.
Carlos und Sergio erkundeten die umliegende Umgebung, während wir unsere Honda vom Heckträger kurbelten, die Badesachen einpackten und uns Richtung Aralsee aufmachten. Wir hofften auf ein wenig Badespass und Abkühlung bei tropischen Temperaturen.
Nach längerem Suchen fanden wir eine geeignete Stelle und versuchten unser Glück. Da wir aber nicht wussten, was alles im Wasser fleuchte (das Ufer schien für Schlangen prädestiniert zu sein) hielten wir uns zurück, unbefangen ins Wasser zu springen, und beschränkten die herbeigesehnte Abkühlung auf planschen, was auch schon fein war. Auf unserem Rückweg deckten wir uns in einem kleinen Supermarkt noch mit Bier ein und freuten uns auf einen gemütlichen Abend draußen bei lauen Temperaturen. Eine Horde heimtückischer Moskitos hatte allerdings andere Pläne mit uns, weshalb wir nach dem Abendessen völlig zerstochen in unsere Autos flüchteten.
Mit verquollenen Augen und juckenden Körpern öffneten wir am nächsten Tag die Türe, als jemand daran klopfte. Wir staunten nicht schlecht, als zwei Schweizer Mädels, die wir von der Fähre her kannten, gemeinsam mit zwei Jungs, ebenfalls aus der Schweiz, vor uns standen. Sie waren allesamt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, und um jede kostenlose Mitfahrgelegenheit froh, weshalb wir sie ins 130 km entfernte Nukus mitnahmen.

Lennox hatte viel Spaß während der nächsten zwei Stunden, denn Full House während der Fahrt, hatten wir noch nie. Als uns on the road auch noch Sueli, eine Belgierin mit ihrem Bike unterkam, ebenfalls eine Bekanntschaft von der Caspian Sea Ferry, packten wir auch sie samt Fahrrad in die Fahrerkabine und weiter ging die lustige Fahrt. Im Nu war Nukus erreicht, und es ging ans Abschied nehmen, allerdings mit der Gewissheit, den ein oder anderen definitiv unterwegs wieder zu treffen. Hätten wir das Turkmenistan Visa erhalten, wäre Nukus unser geplanter Grenzübertritt gewesen. Aktuell waren wir wieder auf Kurs, jedoch hinkten wir unserem Zeitplan gut zwei Wochen hinterher.
Carlos und Sergio blieben uns erhalten und erwiesen sich als angenehme und unkomplizierte Reisegenossen! Erledigungen wie Sim-Karten organisieren um online zu sein, oder Diesel auskundschaften, der in Usbekistan sehr rar zu bekommen war (meist nur in privaten Hinterhöfen), da die Autos in Usbekistan mit Gas betrieben wurden, funktionierten schneller und effektiver.

Unseren nächsten Stop planten wir 190 km weiter südlich in Khiva. Die Spanier mieteten sich in einem kleinen Guesthouse ein. Es wirkte sehr orientalisch und hatte einen schönen schattigen Innenhof. Angesichts der vorherrschenden Temperaturen von 40 Grad, ausserhalb und innerhalb von Akela, konnten Lennox und ich Leander überreden, ebenfalls ein Zimmer zu checken. Die Klimaanlage im Zimmer war das ausschlaggebende Argument. Eine solche wäre auch generell eine Optimierung in Akela, der ich sofort zustimmen würde. Die Lage des Hostels hätte nicht besser sein können, nur wenige Schritte trennten uns von den Stadtmauern des historischen Zentrums. Khiva`s „Herz“ ist sehr klein und übersichtlich, und bietet mit seinen zahlreichen Restaurants und Teehäusern hervorragend Gelegenheit um der prallen Mittagssonne zu entfliehen. Im Grunde ist Khiva`s Altstadt ein einziger Bazar. Viele kleine Läden mit landestypischen Souvenirs reihen sich aneinander. Auch wir wurden schwach, und ergatterten das ein oder andere Mitbringsel. Trotz geschichtsträchtiger Kultur ließen wir in Khiva Sightseeing aus, es war schlichtweg zu heiß. Außerdem mussten wir voran kommen, denn durch den Umweg über die kaspische See lief unser Usbekistan Visa bei der Einreise bereits seit geraumer Zeit, und den bürokratischen Aufwand einer Verlängerung wollten wir uns nicht aufhalsen.

Nach zwei weiteren Tagen Zickzackkurs auf usbekischen Straßen erreichten wir Buchara. Die Oasenstadt ist/war eine der bedeutendsten Städte Usbekistans und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Das historische Zentrum ist reich gespickt mit wunderschönen Moscheen und Medesen. In Städten eine akzeptable Parkmöglichkeit zu finden gleicht oft einer großen Herausforderung, weshalb wir den Spaniern in deren reserviertes Guesthouse folgten, in der Hoffnung auf eine Campmöglichkeit und vielleicht Duschen. Mit „Bek“, dem Besitzer des Hostel Rumi fanden wir einen außerordentlich charmanten Gastgeber vor. Er ist 28 Jahre und beherrschte sechs Sprachen fließend. Der gemütliche Innenhof der Unterkunft lud zum Entspannen ein, und ein interessantes Gespräch mit anderen Reisenden ergab sich oft von selbst. Gegen eine geringe Gebühr konnten wir dort duschen, frühstücken, Internet nutzen, Wäsche waschen... und alte Bekannte wieder treffen. Wir staunten nicht schlecht als uns dort erneut die beiden Schweizer Jungs, Remo und Stefan über den Weg liefen, denen wir kurz zuvor einen „Lift“ nach Nukus gaben.


Bek war uns dabei behilflich einen Mechaniker zu organisieren, da unser vorderer rechter Stoßdämpfer kurz vor dem w.o. stand. Obwohl Feiertag war kam der Russe vorbei und machte einen Lokalaugenschein. Seiner Meinung nach sollte es keine große Hexerei sein, ein geeignetes Ersatzteil aufzutreiben. Besiegelt wurde das Ganze trotz Ramadan mit ein paar Gläsern Wodka, die bei dem Russen die Wirkung des uns bekannten „Reparaturseiterl“ hatten, da er am Vortag einen über den Durst getrunken hatte, wie er berichtete. Leander bescherten sie bei den vorherrschenden Temperaturen eher weiche Knie und einen flauen Magen. Doch froh, einen vermeintlich geeigneten Schrauber gefunden zu haben nahm er dies gerne in Kauf. Hoffentlich konnten sich beide noch an den vereinbarten Termin am nächsten Morgen in der Werkstatt erinnern.
Nach einem ausgiebigen und vorzüglichen Frühstück im Rumis, welches Bek`s Mutter für die Gäste bereitete, machten sich Leander und Bek, der als Übersetzer fungierte, mit unserem Oldie auf in die Garage. Lennox und ich hatten an diesem Tag ebenfalls ein schweres Schicksal zu bewältigen. Wir kramten unsere Badesachen zusammen, setzte uns in ein Taxi und ließen uns zum Atlantic Pool kutschieren, einem Freibad in Buchara. Das Tragen eines Bikinis stellte laut Angaben von Bek kein Problem dar. Einem vergnüglichen Tag stand nichts im Weg.
Die vorherrschende Religion in Usbekistan ist zwar der Islam, doch die Menschen bewegen sich sehr frei und ungezwungen. Frauen lieben kräftige Farben, Strass und Glitzer. Sie tragen keinen Schleier, höchstens ein lose gebundenes Kopftuch. Überall dort wo wir mit Akela auftauchten, strahlte uns ein freundliches Lächeln entgegen. Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft wird in Usbekistan groß geschrieben. Wo auch immer wir Unterstützung benötigten wurde geholfen, ohne dabei aufdringlich zu wirken.


Gegen Abend trafen Leander und wir (Lennox und ich) uns wieder im Hostel Rumi. Unserem Truck wurde ein neuer Stoßdämpfer verpaßt, die Ventildeckeldichtung wurde erneuert und die Servo Pumpe gereinigt. Leander stand uns ölverschmiert und erschöpft gegenüber, während wir beide frisch geduscht und wohlriechend aus dem Schwimmbad kamen. Ich weiß, das war nicht fair, und wenns gelegentlich mal krachte, bekam ich nicht nur einmal vor den Latz geknallt, dass er sich wünschen würde diesen Part zu tauschen. Was ich durchaus verstehen konnte, doch dann würden wir vermutlich immer noch in Usbekistan bzw. im Iran sitzen. Doch nach einer erfrischenden Dusche fühlte auch er sich wieder fit und wir schlenderten gemeinsam mit Carlos und Sergio ins Zentrum. Buchara ist im Grunde die größere Schwester von Khiva. Sehenswürdigkeiten, der Bazar, Restaurants... alles konzentrierte sich im historischen Zentrum. Nur eben eine Spur größer. Als wir ankamen wurden wir beinahe vom Gewimmel und Treiben, das in der Altstadt herrschte, erschlagen. Es viel mir schwer unter so vielen Menschen richtig durchzuatmen, viele verschiedene Gerüche strömten mir in die Nase und ständig hatte ich Angst, Lennox in dem Gewusel rund herum zu verlieren. An ein genüssliches Durchbummeln und Schmökern an den Ständen war nicht zu denken. Augen zu und durch! Erst in einem gemütlichen Dachterrassenrestaurant konnten wir bei einem Bier einen Gang zurückschalten und etwas entspannen.

Nach 17 gemeinsamen Tagen mit den Spaniern war es an der Zeit Abschied zu nehmen. Sie verfolgten einen noch strafferen Zeitplan als wir, weshalb sie ihre Zelte schon vor uns abbrachen. Doch alleine mussten wir die Weiterfahrt auch nicht antreten. Remo und Stefan - die Schweizer – benötigten, wieder einmal, einen „Lift“ nach Sarmakand. Auf Reisen hilft man sich, wo immer man kann, weshalb es für uns selbstverständlich war sie mitzunehmen. Nach einem letzten vorzüglichen Frühstück von Bek`s Mutter ging es für uns am nächsten Tag weiter nach Sarmakand – dem Spiegel der Welt.
Was es bedeutet haben muss, mit schwer beladenen Karawanen durch das sandig-braune, karge Land zu reisen, erschließt sich am Ehesten, wenn man mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist. Erst dann bekommt man ein Gefühl für die Landschaft und die Entfernungen, die das Land mit sich bringt. Der Boden ist reich an Gold,- Erdöl,- Erdgas,- Uran,- und Kupfervorkommen. Beim Volk kommt davon nicht viel an und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Ein Drittel der Menschen in Usbekistan lebt unter der Armutsgrenze. Schuld daran ist eine korrupte Regierung, die ihre Oberhäupter immer reicher und reicher werden lässt, dass Volk hingegen bleibt sich selbst überlassen.


Wir waren schon einige Stunden on the road, als uns plötzlich ein komischer Geruch in die Nase stieg. Es roch ein wenig nach Verbranntem. Wir hielten am Straßenrand und öffneten die Motorhaube, wo der Übeltäter relativ schnell ausfindig gemacht werden konnte. Unser Kühler wurde in Österreich schon relativ knapp am Kühlergrill montiert, wodurch vermutlich durch die unzähligen Bodenwellen und Schlaglöcher auf dem Asphalt die Rotorblätter Löcher in den Kühler rissen und diesen undicht machten. Gott sei Dank hatten wir den Schaden noch frühzeitig bemerkt, denn das hätte böse ausgehen können. An ein Weiterfahren war nicht zu denken, ganz im Gegenteil! Wir mussten eine Werkstatt in the middle of nowhere auftreiben, worin wir aber mittlerweile schon ganz gut aufgestellt waren. Wir fragten uns durch und wurden in einem kleinen Dorf fündig. Nach zwei Stunden Arbeit war das Teil wieder dicht. Wer von den zehn Männern, die permanent um Akela standen, der eigentliche Mechaniker war, konnten wir nicht einwandfrei definieren, was auch nicht von großer Bedeutung war. Der Kühler schien dicht zu sein, und nur das zählte. Mit reichlich Verzögerung traten wir die Weiterfahrt an und trudelten spät Abends in Sarmakand ein. Die Schweizer stiegen an einer zentralen Kreuzung aus, und wir fuhren weiter in ein Hostel, dessen Kontakt wir von deutschen Reisenden hatten.
Wer uns kennt der weiß, dass wir gerne Pfade abseits von Städten nehmen, doch Usbekistan ließ uns nicht wirklich eine andere Wahl. Das Hinterland war karg und lud durch die ewig andauernde wüstenartige Steppenlandschaft und die sengende Hitze nicht wirklich zum Verweilen ein. Deshalb boten Städte oftmals die einzige Gelegenheit dank Internet, um wichtige Recherchearbeiten die anstanden, zu erledigen.


Durch die Ablehnung des Turkmenistan Visa haben wir nicht nur eine menge Zeit, sondern auch viel Geld in den Wind gesetzt. In unserer zweiten Passgarnitur, die wir bereits vom Iran aus an eine österreichische Visa Agentur geschickt hatten, glänzte bereits ein gültiges Russland Visa. Allerdings mit einem Einreisedatum, dass wir nie und nimmer schaffen konnten. Guter Rat war teuer. Wie konnten wir die geplante Route fortsetzen ohne non stop hinterm Steuer zu sitzen? Zu zweit wäre es womöglich schaffbar gewesen, doch mit Lennox? Never ever, wir wollten ihm die Welt zeigen, und das nicht im Schnellverfahren von der Windschutzscheibe aus! Wir fühlten uns wie Momo aus der Verfilmung von Michael Ende, die versuchte den Menschen die gestohlene Zeit wieder zu beschaffen.
Unseren ursprünglichen Plan von der Mongolei aus China zu durchqueren hatten wir sowieso schon des längeren ad acta gelegt. Es war schlichtweg zu teuer, verbunden mit vielen Tagesetappen von über 400km. Ein Guide würde uns ins Auto gesetzt werden, und ein Rattenschwanz an bürokratischen Schikanen würde uns erwarten.
Eine Einreise in Thailand war zum aktuellen Zeitpunkt mit dem eigenen Fahrzeug ebenfalls kaum möglich. Der Grund dafür waren in vergangener Zeit viele chinesische Touristen, die mit ihren PKW`s einreisten, dort durch Unfälle erhebliche Sachschäden verursacht hatten und im Anschluss Fahrerflucht begingen. Woraufhin die thailändische Regierung die Notbremse zog und Touristen generell die Einreise mit eigenen Fahrzeugen verweigert. Nun gibt es natürlich immer Schlupflöcher, vielleicht hilft auch dann und wann ein wenig Schmiergeld, doch darauf wollten wir uns nicht verlassen. Schmiergeld wird nicht bezahlt! Es war zu riskant durch China und Laos zu reisen, um dann womöglich vor verschlossenen thailändischen Grenzen zu stehen. Weshalb wir umdisponierten und uns für den Weg durch Tadschikistan, Kirgistan, erneut Kasachstan, weiter nach Russland und durch die Mongolei entschieden. Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei war das Ziel unserer ersten Etappe. Dort wollten wir Akela für einen Monat abstellen und Anfang September nach Hause fliegen. Nach einem Monat würden wir zurückkehren und die restliche Mongolei und Russland bis Vladiwostok - Klima bedingt relativ zügig - bewältigen um von dort auf dem Seeweg über Japan nach Neuseeland zu gelangen.
Ursprünglich wollten wir Akela in Laos abstellen, um im September nach Hause zu fliegen. Durch den Stop in Ulan Bator sparten wir uns eine Menge Kilometer die uns hoffentlich in Zeit gutgeschrieben würde. Allerdings mussten zuvor viele Dinge abgeklärt und recherchiert werden, ehe der neue Plan in die Tag umgesetzt werden konnte. Ein Stellplatz in Ulan Bator musste gefunden werden, ein neues Russland Visa gehörte beantragt, Klimaverhältnisse mussten abgecheckt werden (denn Ende Oktober kann es schon gehörig kalt werden in Russland), Fährverbindungen nach Japan mussten ausfindig gemacht werden, diverse Zollabwicklungen durften nicht vergessen werden, RoRo Verbindungen für Akela Richtung Neuseeland mussten recherchiert werden, und das Budget durften wir natürlich auch nicht aus den Augen verlieren... Ja, so stellen sich die wenigsten eine Weltreise vor. Vor dem Computer sitzen, telefonieren, sich mit anderen Reisenden austauschen die bereits ähnliches gemacht hatten. Deshalb waren Städte eher ein nötiges Übel und selten mit Shoppingtouren oder netten Kaffeepausen auf belebten Plätzen verbunden. Was wir viel lieber gemacht hätten!!


Nachdem wir uns den Ankunftstag mit lästigen organisatorischen Dingen um die Ohren geschlagen hatten, standen wir am zweiten Tag zeitig auf um noch einige wenige Eindrücke von Sarmakand`s Schönheit zu erhaschen. Die Stadt ist riesig, und ihre Sehenswürdigkeiten weit voneinander entfernt. Wir verabredeten uns mit Remo und Alex, einem Russen den wir in Buchara kennengelernt hatten, und gingen auf Entdeckungstour. Die Moscheen und historischen Gebäude waren beeindruckend und bestachen durch ihre filigranen Mosaike und Farben. Die Strecken zwischen den einzelnen Spots bewältigten wir mit Taxis, sehr zu Lennox`s Freude, dem die Hitze und das viele Herumlaufen schon zu mühsam wurden. Die einzelnen Bazare durch die wir schlenderten lösten nicht wirklich einen Kaufrausch in uns aus.
Sarmakand ist orientalisch, russisch, indisch und chinesisch. Einflüsse vieler Kulturen prägen das Leben in der Stadt. Auf den Bazaren von Sarmakand bekommt die ferne Gegend Gestalt. Allerdings nicht in Form von traditioneller Handwerkskunst! Nein. Die Verkaufsstände waren voll mit billigem Chinaramsch und unsinnigen Touristensouvenirs die niemand benötigt. Alex und Remo spazierten in ihr Hostel, und wir drei freuten uns bereits auf unsere gemütlichen Betten in Akela.
Unter uns gesagt, Sarmakand wird bei vielen Rundreisen als das Highlight gehandelt, uns haben Khiva und Buchara bedeutend besser gefallen. Sie sind kleiner und wirken noch authentischer. Sehr schnell entstand in meinem Gehirn ein Kopfkino der allerschönsten Farben, über das Handeln und Treiben der früheren Handelsmetropolen.
Sooft es ging bemühten wir uns für Lennox immer wieder einen kleinen Leckerbissen einzubauen. Er liebte schwimmen, egal wo und egal wann, weshalb sehr schnell ein Freibad in Sarmakand ausgekundschaftet wurde.


Obwohl es Angesicht der Situation nicht lustig war, haben wir viel an diesem Badenachmittag gelacht. Bereits am Eingang sahen wir mehrere Rutschen, die leider zu unserem Bedauern still gelegt waren. Es gab ein rundes Becken welches riesig war, in der Mitte des Bassins war eine Art Insel angelegt. Um den Pool war eine Grünfläche auf der man sich ausbreiten konnte. Hurtig kleideten wir uns um und eilten zum Wasser. Lennox sprang wie üblich gleich mit Anlauf ins Wasser. Da erst vielen uns die Bademeister auf, die rundum postiert waren. Einer warf sofort sein Handtuch beiseite und sprintete in Lennox`s Richtung. Wir gaben Entwarnung und deuteten ihm, dass der Knabe schwimmen konnte. Etwas ungläubig, blieb er dennoch in Reichweite und behielt unsere Wasserratte im Auge. Nach der ersten Abkühlung setzten wir uns auf die Handtücher und beobachteten die Szenerie.
Mindestens vier Bademeister standen parat und warteten auf ihren Einsatz, der nie lange auf sich warten ließ. Es war unglaublich, die Usbeken konnten nicht schwimmen. Wir konnten keinen einzigen ausfindig machen, der ein vernünftiges Tempo zustande brachte. Dennoch warfen sie sich wagemutig ins Wasser, auch an Stellen wo sie nicht mehr stehen konnten. Ein Großteil schaffte es mit hastigen Bewegungen oder veralteten Schwimmhilfen sich über Wasser zu halten, und wenn nicht? Dann kam der Bademeister zum Einsatz. Unermüdlich warfen sie sich im Minutentakt ins kühle Nass um einen Landsmann nach dem anderen herauszufischen. War einer gerettet, bekam er einen festen Klaps auf den Rücken und weiter ging es. Es kam nicht selten vor, dass der ein oder andere mehrmals aus dem Wasser geholt werden musste. Wir haben die Einsätze der Rettungsschwimmer nicht mitgezählt, allerdings waren wir uns sicher, dass ein österreichischer Bademeister während einer ganzen Saison nicht so viele Rettungsaktionen zu leisten hatte, wie ein Usbekischer in einer Stunde. Nun war uns auch klar, warum die Rutschen außer Betrieb waren, es hätte weiteres Personal benötigt um die Usbeken vor dem Ertrinken zu retten. Nach mehreren Stunden im Freibad packten wir zusammen und brachen auf, doch zuvor verabschiedeten wir uns noch vom Chefbademeister. Irgendwie sahen wir es als unsere Pflicht an, ihm für seinen unermüdlichen Einsatz zu gratulieren. Immer wieder schüttelte er den Kopf und gab zu verstehen, dass er kaum glauben konnte, was er gesehen hatte, nämlich ein fünfjähriges Kind welches schwimmen konnte. Für usbekische Verhältnisse der blanke Wahnsinn.
Müde und erschöpft vielen wir nach dem Abendessen in die Betten. Dieser Badetag wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, und bei dem Gedanken daran ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Ein reiner Fahrtag stand bevor. Unser Usbekistan Visa lief in wenigen Tagen aus, und wir mussten weiter Richtung Tadschikistan. Lennox beeindruckte uns an solchen Tagen immer besonders. Es war keine Seltenheit, dass wir zehn und mehr Stunden hinter dem Steuer saßen. Oftmals legten wir vor dem Abend nicht mal wirklich eine Essenspause ein. Wenn er müde war, verzog er sich in sein Bett, oder blieb von Haus aus in der Wohnkabine um zu spielen. Als Verpflegung dienten Brötchen, die ich während der Fahrt zubereitete, für mehr blieb oft keine Zeit.
In Sorysiya, einem kleinen Flecken etwas abseits der Straße, machten wir Halt um zu übernachten. Kaum näherten wir uns der Grenze änderte sich das Landschaftsbild, wie schon so oft. Die karge braune Landschaft ließ endlich wieder grüne Flächen durchblitzen. Während ich Spaghetti zubereitete kletterten die Jungs auf die umliegenden Hügel und vertraten sich nach dem langen Fahrtag die Beine. Ich war froh, dass Lennox noch ein wenig Bewegung vor dem Bettgehen abbekam, viel zu wenig davon hatten wir in den letzten Monaten, alle drei – das ging uns gehörig auf die Nerven.
Nach dem Frühstück tags darauf rollten wir die letzten Kilometer bis zur Kontrolle. Eine große Herausforderung wartete im nächsten Land auf uns. Wir hatten uns den Pamir Highway vorgenommen – die zweit höchste Strasse der Welt! Wir waren gespannt, was uns erwarten würde.

 

 

Kommentare (2)

  1. Mirjam
    Mirjam am 11.08.2017
    Liebes Akela-Team
    Eure Berichte sind der Wahnsinn! Durch eure lustigen, spannenden und mitreissenden Geschichten verfolge ich eure Reise mit grösstem Interesse. Zusammen mit meinem Freund plane ich ab ca nächstem Sommer eine ganz ähnliche Reise. Deshalb bin ich auch froh, um die Informationen bezüglich Grenzübergängen, Visa, Routeninformationen usw., die ihr in euren Berichten weitergebt. Vielen Dank dafür!

    Geniesst euer Abenteuer weiterhin und lasst euch nicht unterkriegen!
    Herzlichst grüsst Mirjam
  2. maria Zehentner
    maria Zehentner am 22.08.2017
    Hallo Mirjam,
    vielen Dank für deine netten Worte. Es freut uns immer zu hören, wenn wir treue "Mitleser" haben, denn es bedeutet, zusätzlich zu dem gesamten anderen Schmafu wie (Reparaturen, Wasser besorgen, Internet besorgen, Routenplanung, Visaerledigungen....) eine ganze Menge Zeitaufwand für uns.
    Wir geben unsere gesamten Infos was Grenzübergänge, Visaerledigungen, Devisen, Internet usw. immer ganz aktuell an ein befreundetes "Weltreisepärchen" weiter, die die Infos auf ihrer Seite einbauen. Vielleicht bist du beim recherschieren für eure Reise schon mal auf deren Website gestossen. www.abseitsreisen.de
    Es freut uns, wenn ihr an unseren Geschichten dran bleibt. Vielleicht sieht man sich ja mal irgendwann on the road. Bis dahin noch viel Erfolg bei eurer Planung
    Maria

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