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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 16.04.2017

Hozgeldiniz – herzlich willkommen – wie die Türken zu sagen pflegen!! Und genauso fühlten wir uns auch

 

März 2017

 

Die Grenze zur Türkei passierten wir am Kontrollpunkt von Kapisi. Während Leander mit sämtlichen Dokumenten in die Wachstube gewunken wurde, konnten wir beobachten, wie eine Beamtin einen Drogenhund um die wartenden Autos schnüffeln ließ. Die Überprüfung der Papiere verlief ohne Komplikationen und dauerte knapp eine Stunde, ehe uns die Pforten der Türkei geöffnet wurden.

Jedes Land brachte neue Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche mit sich. Doch hey, bis dato bewegten wir uns auf europäischem Boden, wo uns im Grunde vieles vertraut war. Mit der Türkei setzte das Projekt Akela erstmals einen Fuß auf asiatischen Boden. Fremde Religionen, orientalische Gepflogenheiten, für uns ungewöhnliche Verhaltensregeln – viel Neues würde auf uns warten, worauf wir schon sehr gespannt waren. Doch bevor wir uns ins Getümmel stürzen konnten, mussten die knapp 220 km von der Grenze bis nach Istanbul, unserem ersten Stop, zurückgelegt werden.

Die Sonne neigte sich schon dem Horizont entgegen als wir Istanbuls Vororte erreichten. Lust auf eine Stellplatzsuche direkt in der Metropole hatte nach sechs Stunden Fahrt niemand mehr. Weshalb wir unsere Zelte auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz aufschlugen, den wir durch Zufall fanden.

Nur wenige Stunden Schlaf waren uns vergönnt, denn der Wecker war auf fünf Uhr morgens gestellt. Müde warfen wir den Motor an und hofften, in den frühen Morgenstunden der gröbsten Rush Hour zu entfliehen. Wir peilten einen Stellplatz an, den wir via Internet Recherchen gefunden hatten. Er lag zentral in Istanbul Old Town. Sehenswürdigkeiten und Botschaften für Visa Erledigungen sollten zu Fuß erreichbar sein. Allerdings benötigten wir in der Praxis für die Distanz von 38 km, die die beiden Stellplätze auseinander lagen, geschlagene zwei Stunden. Es war ein absoluter Horror. Oftmals kreuzten sich sechs und mehr Straßen an einem Knotenpunkt, das Navi spielte verrückt und unsere Nerven lagen blank. Erschöpft und etwas gereizt erreichten wir den Stellplatz, an welchem unser Truck das einzige Fahrzeug zu sein schien.

Mit rund 15 Millionen Einwohnern ist Istanbul, früher unter dem Namen Konstantinopel bekannt, die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei, und ein Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Die Stadt liegt im Westen des Landes und umschließt den Bosporus. Das Goldene Horn, eine nach Westen verlaufende Bucht, trennt den europäischen Teil der Stadt in eine West und eine Südhälfte, auf dem südlichen Teil befindet sich der historische Kern der Stadt, und unser Stellplatz. Die immense Zuwanderung der letzten Jahre führte dazu, dass an Istanbuls Peripherie illegale Siedlungen (Gecekondus) entstanden. Knapp ein Viertel der Istanbuler lebt in den Wohngebäuden solcher Siedlungen. Über 50 Prozent ihrer Bewohner sind arbeitslos oder unversichert beschäftigt. Sozial an den Rand gedrängte Bevölkerungsgruppen und eine geringe Präsenz staatlicher Organisation kennzeichnen darüber hinaus diese Quartiere. Der Stadtteil Fatih, wo wir loungierten, zählte zu den größten Gecekondus in Istanbul.

Nach einer kurzen Verschnaufpause spazierten wir ins Zentrum. Das Geschäftstreiben war trotz Wochenende hektisch und quirlig. Jeder versuchte seine angebotene Ware lautstark an den Mann zu bringen. So fand man in einer Strasse nur Gewürzhändler, in der anderen Süßigkeitenverkäufer, Kleidung, Schuhe, Kosmetika, Souvenirs, Lebensmittel, alles fand seinen Platz. Verschiedenste Gerüche, die durch unsere Nasen strömten, und der immense Lärmpegel lösten eine Reizüberflutung in unseren Gehirnen aus. Nicht zu vergessen die unzähligen Moscheen, von deren Minaretten die Muezzins aus den Lautsprechern lauthals zum Gebet aufriefen.

Ganz Istanbul schien auf den Beinen zu sein, die Parkanlagen rund um die Hagia Sophia und die blaue Moschee waren gänzlich überfüllt. Wir fanden eine freie Parkbank und schmausten gegrillte Maiskolben, die neben Maroni, Simits, Kebap und Döner an jeder Straßenecke als schneller Snack zwischendurch angeboten wurden. Nachdem wir die blaue Mosche besichtigt hatten und ein Gratisexemplar des islamischen Korans ergattert hatten, machten wir uns wieder auf den Heimweg. Das Abendessen ließen wir an diesem Tag getrost ausfallen, da unsere Bäuche mit sämtlichen Köstlichkeiten die es auf der Straße zu kaufen gab, gefüllt waren.

Nach einer ruhigen Nacht im pulsierenden Istanbul startete der nächste Tag mit Bürokratie. Verschiedene Visa für unsere Weiterreise mussten organisiert werden, zuallererst das Iranische. Um an ein Iran Visa zu gelangen benötigt man eine Agency der Gruppe A, welche die Berechtigung hat, eine Touristeneinladung auszustellen. Diese wird vom Tourismusministerium auf seine Richtigkeit überprüft, und im besten Fall genehmigt. Bei einem positiven Beschluss erteilt die Behörde eine Referenznummer, welche an die Botschaft weitergeleitet wird. Sobald die Nummer dort aufscheint, kann das Visa ausgestellt werden. Wie schnell die Beamten arbeiten, hängt davon ab, wieviel man bereit ist hinzublättern, bzw. wie eilig man es hat. Normale Bearbeitungsdauer 3-4 Tage, Kostenpunkt € 50 pro Person, Expressausstellung am gleichen Tag € 75 pro Person.

Die Telefonnummern der iranischen Botschaften in Istanbul und Ankara hatten wir bereits in unsere Handys eingespeichert. Pünktlich um 08:30 begann der Telefonmarathon. Auf der Botschaft in Istanbul gelang es mir auch nach über 20 Anrufen nicht, jemanden ans Ohr zu bekommen der dem englischen mächtig war. Also versuchte ich es in Ankara. Nach 3-4 Anläufen hatte ich einen Angestellten am Apparat, der mir mit Informationen weiterhelfen konnte. Er gab mir die Telefonnummer eines Reisebüros in Ankara, die berechtigt waren Einladungen für Touristen auszustellen. Guter Dinge tippte ich die erhaltene Nummer sofort in mein Handy und ließ es durchklingeln. Mein Anliegen war schnell erklärt und die Angestellte versprach mir ein Mail zu schicken, in dem alle relevanten Details für die Beantragung der Referenznummer aufgelistet wären.

Am nächsten Tag erhielten wir die Informationen. Umgehend füllten wir die erforderlichen Antragsformulare aus, und mailten sie zurück an Ulubay Travel. Zur Sicherheit telefonierten wir hinterher, um Gewissheit zu haben, dass alles in Ordnung war. Alles passte, bis auf eines. Die Gebühr von $30 pro Antrag wollte die Agentur natürlich im Vorhinein überwiesen haben.

Da wir keine andere Möglichkeit hatten, und der weiblichen Stimme am Telefon vertrauen mussten, ihr Name war übrigens Ebrim, sprinteten wir zur nächsten Bank und tätigten die Überweisung. Den Einzahlungsbeleg mailten wir erneut an das Reisebüro, und ließen uns den Eingang erneut telefonisch bestätigen. Everything ok, meinte Ebrim. Sie war zuversichtlich und machte uns Hoffnung, dass die Referenznummer eventuell schon am nächsten Tag verfügbar wäre. Voller Erwartungen verbrachten wir den folgenden Tag mit Warten, doch der erlösende Anruf des Reisebüros blieb aus. Also griff ich zum Telefon und versuchte Ebrim zu erreichen, was mir nicht gelang, ich solle tags darauf erneut anrufen. Hm, vertröstet auf den nächsten Tag, nun denn hilft nicht. Pünktlich um 09:00 würde ich morgen erneut mein Glück versuchen. Ebrim war auch am Folgetag nicht erreichbar für mich. Aydan, eine Kollegin, nahm sich meiner an und erklärte mir, dass unsere Referenznummern bereits existieren würden, diese aber per neuem Gesetz dem Antragsteller nicht mehr übermittelt werden dürfen. Wir wurden etwas stutzig, denn in Ebrim`s Infomail stand, dass der Kunde die Nummer nach Erhalt sofort zugeschickt bekommen würde. Auch die Botschaft in Ankara wußte nichts von einem neuen Gesetz dieser Art! Sollten wir etwa aufgelaufen sein und Leergeld bezahlt haben? Im Grunde hatten wir $90 an eine Kontonummer überwiesen, die ebensogut eine Postkastenfirma sein hätte können.

Wir wurden etwas nervös, weder Ebrim noch Aydan waren in der Folge ans Telefon zu kriegen, ständig wurden wir auf den nächsten Tag vertröstet. Zahlreichen Anrufe auf der iranischen Botschaft zeigten auch keinen Erfolg, unsere Namen waren bis dato nicht gelistet. So verstrich ein Tag nach dem anderen mit warten, telefonieren und ungeduldig Zeit totschlagen. Lennox konnte mit dieser Situation natürlich gar nichts anfangen, was kümmerten ihn Visaerledigungen. Ihm war langweilig, verständlicherweise! Um ihn und auch uns ein wenig auf andere Gedanken zu bringen, beschlossen wir das Sea Life Aquarium in Istanbul zu besuchen. Da wir auf keinen Fall mit dem Truck unnötig durch die Stadt tuckern wollten, entschieden wir uns für die Metro. Wenn man das System herausgefunden hat, dann ist die U-Bahn eine relativ kostengünstige und schnelle Variante, um in Istanbul von A nach B zu gelangen. Benutzt man den Untergrundzug öfter, dann rentiert sich der Kauf einer Istanbul Card. Die Plastikkarte kann an jeder Haltestelle zum Preis von 6 türkischen Lira ( 4 Lira entsprechen ungefähr 1 Euro) an Automaten erworben werden. Mit 10 Lira Scheinen kann die Karte dann aufgeladen werden, was ebenfalls am gleichen Schalter möglich ist. Eine Einzelfahrt kostet dann statt 4 Lira nur 2,30.

Das Aquarium befand sich in einem Shopping Center, dass unmittelbar neben einer U-Bahnstation gelegen war. Als Kontrast zur hektischen und überfüllten Stadt wirkte der Unterwasserzoo wie eine Ruheoase auf uns. Die Zeit verging wie im Flug und im Nu waren mehrere Stunden vergangen. Wir schlenderten noch gemütlich durch die Shopping Mal und stärkten uns mit Dürüm und Kebap, ehe wir in den Untergrund abtauchten und zu Akela zurückfuhren.

Die Vormittage der Folgetage verliefen ähnlich wie die vergangenen, telefonieren – telefonieren – telefonieren, doch die Quintessenz war, keine Referenznummer – kein Visa, das Warten zermürbte zusehends.

Wer einen Städtetrip nach Istanbul macht, sollte auf jeden Fall dem Big Bazar einen Besuch abstatten. Auf einer Fläche von über 31.000 m² beherbergt er rund 4000 Geschäfte mit verschiedensten Angeboten. Als Touristen leicht erkennbar, wurden wir überall mit Cay und Tagesangeboten in die Shops eingeladen. Dankend lehnten wir meist ab und schlenderten lächelnd weiter. Lennox hatte ein schwereres Schicksal zu ertragen. Mit seinen blonden Haaren war er in der Welt der Dunkelhaarigen ein Blickfang. Vorwiegend Männer wollten ihn am Kopf berühren, da es offensichtlich Glück versprach. Andere kniffen ihn in die Backe oder wollten ihn gar abknutschen. Wir versuchten ihn so gut es ging abzuschirmen, was nicht immer gelang, weshalb er es sich zur Gewohnheit machte, nur noch mit Kapuze oder Haube vor den LKW zu treten. Wer in Istanbul ein Schnäppchen ergattern möchte sollte dies allerdings nicht im Bazar suchen, sondern außerhalb der Markthallen, wo die Preise günstiger, und leichter verhandelbar sind.


Nach sechs Tagen bangen und zittern trudelte das erlösende Mail mit unserer Visa Grant Notice ein. Im Glauben, dass wir nun endlich das Iran Visa in der Tasche hatten, packten wir erleichtert unseren Kram zusammen und brachen Richtung Ankara auf, der Hauptstadt der Türkei, wo wir unser Iranvisa von der Botschaft abholen wollten.

Um 04:00 Uhr früh klingelte der Wecker. Leander und ich starteten die Etappe von über 560 km im Morgengrauen alleine, während Lennox noch tief und fest schlummerte. Akela, der bis dato als einziger die bereits zurückgelegten 5000 Kilometer ohne Meckern bewältigt hatte, nahm auch diese Distanz ohne Murren. Auf halber Streckte legten wir auf einer Autobahnraststätte einen Stop ein, als plötzlich ein türkischer LKW neben uns abbremste. Der Lenker sprang aus dem Führerhaus und sprintete zielstrebig auf uns zu. In beinahe akzentfreiem Deutsch bot er uns seine Hilfe an sollten wir Probleme haben. Er drückte uns seine Handynummer in die Hand und betonte mit Nachhalt, dass die Uhrzeit eines Anrufes kein Problem darstellte, sollten wir in Not geraten. Nach einem kurzen Smalltalk sprang Haluc wieder in seinen Truck und war genauso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war. Wir blieben mit einem Fragezeichen im Gesicht zurück, und lächelten uns an. Spät nachts erreichten wir einen Campingplatz der knapp 20 km außerhalb des Zentrums lag. Mit € 20 pro Nacht zwar nicht günstig, dafür wurde mit gratis Internet, Duschen und Waschmaschinen geworben, Boni – die uns nicht ungelegen kamen! Leider entpuppte sich der Stellplatz als Flop, wir holten uns die bereits bezahlte Gebühr zurück und zogen von Dannen. Es war Sonntag vormittag und für die Botschaft noch einen Tag zu früh. Da unsere Diesel Tanks nach einer Füllung lechzten, steuerten wir die nächst gelegene Tankstelle an. Kaum lenkten wir ein, war der Truck auch schon umringt vom Personal. Oh, Mercedes is good – hieß es immer wieder! Zig mal umrundeten sie Akela, begutachteten ihn und machten Selfies. Einer der Angestellten ließ es sich nicht nehmen, hinters Steuer unseres Brummis zu hüpfen, um ihn in Position fürs Betanken zu bringen. Englisch sprechende Menschen wurden in der Türkei rar, weshalb auf der Tankstelle eine Kommunikation eine lustige Herausforderung war. Doch mit einigen Brocken türkisch, mit Händen und Füßen, und google translate konnten wir ganz gut ausdeutschen was wir voneinander wollten.

Die Griechen empfingen uns schon mit großer Gastfreundschaft, doch Deniz und Serdar, die beiden Tankstellenbesitzer legten nochmal einen drauf. Wir bekamen Wasser für unsere Tanks, durften auf dem Gelände der Tankstelle übernachten, wurden mit vorzüglichen Gerichten wie Bohnensuppe und Menemen bekocht (Paprikaschoten und Tomaten werden ca. 10 Minuten in reichlich Öl angebraten, danach werden zwei Eier eingerührt, das ganze noch 1-2 Minuten auf heißer Flamme ziehen lassen – fertig - und schmeckt super lecker). Cay gab es sowieso zu jeder Tageszeit, wie überall in der Türkei. Lennox war der absolute Star der Tankstelle. Deniz und Serdar alberten mit ihm herum und machten Blödsinn. Allerdings wollten sie den Kleinen auch permanent abknutschen, was er wiederum nicht so lustig fand. Nach einem letzten Tee frühmorgens verließen wir die Tankstelle. Bevor es zurück auf den Asphalt Richtung Ankara ging, wurden wir noch ordentlich umarmt und gedrückt.

Mit 5,2 Millionen Einwohnern ist die Stadt das blanke Gegenstück zu Istanbul. Sie ist modern, sauber, besitzt schöne Parkanlagen, teure Geschäfte, adrett gekleidete Menschen... . Ankara ist das Verwaltungs,- und Wirtschaftszentrum der Türkei.

Entgegen unserer Befürchtungen kamen wir gut durch den Verkehr und fanden das iranische Konsulat, welches sich mitten im Zentrum befand, auf Anhieb. In der blauen Zone direkt vor der Botschaft, stellten wir Akela ab. Der Plan war – schnell reinzulaufen, Visa abholen und weiterfahren. Das sollte nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, weshalb wir einen Strafzettel riskierten.

Im Eingangsbereich der Botschaft mußten wir eine Nummer ziehen ehe wir in den Wartebereich eingelassen wurden. Kaum 10 Minuten später erschien unsere Zahl auf dem Display. Durch einen Schlitz in der Glasscheibe reichten wir dem Mann unsere Visa Grant Notice und warteten ab. Der Beamte erhob sich und schritt in einen Nebenraum, zu dem uns der Einblick verwehrt war. Kurze Zeit später kam er zurück und teilte uns mit, dass keine Referenznummer mit unseren Namen aufliegt. Wir versuchten ihm zu erklären, dass es sich um einen Irrtum handeln müsse, da wir ihm doch gerade zuvor unsere Nummern gegeben hätten. Doch er blieb hart und riet uns, am nächsten Tag wieder zu kommen. Er deutete uns zur Seite und rief die nächste Nummer auf. Hm – damit hatten wir nicht gerechnet. Die Frage war, warum hatte die Botschaft unsere Namen nicht aufliegen? Ein Anruf im Reisebüro erbrachte auch nicht den erwünschten Effekt der Klärung, weshalb uns nichts anderes übrig blieb als zu warten.

Unseren Plan, im Anschluß gleich nach Kappadokien weiter zu zischen, mußten wir erst einmal hinten anstellen. Abermaliges Visawarten in Ankara stand auf der Tagesordnung. Dazu war eine kurzfristige Stellplatzsuche nötig, denn in der Kurzparkzone würden man uns nicht campieren lassen. Wobei die Lage für uns natürlich erste Sahne war. Die iranische Botschaft befand sich schräg die Straße rüber, direkt gegenüber stand das Hilton Ankara Hotel, Supermärkte, Shops, Cafes, Spielplätze, alles zu Fuß erreichbar.

In schnellen Schritten liefen wir die umliegenden Straßen ab, um dort vielleicht eine Parkmöglichkeit zu finden. Wir erweckten wohl einen etwas hilflosen Eindruck, denn plötzlich kam ein Security Angestellter des Hilton Hotels auf uns zu und bot seine Hilfe an. Im Schnellverfahren schilderten wir ihm unser Parkproblem, als er auch schon zum Handy griff und einen Anruf tätigte. Wenige Augenblicke später trottete der Chefconcierge hinzu und zückte ebenfalls sein Telefon. Nach einem kurzen Telefonat erklärte er uns, dass es kein Problem wäre weiterhin in der blauen Zone zu parken, das Hotel hätte das für uns geregelt. Die nächsten Tage war uns Özkan, der Chefconcierge noch in mancherlei Dinge eine große Stütze. Er half uns sprachliche Barrieren mit diversen Botschaften zu überwinden, fertigte Farbkopien unserer Reisepässe an, die wir benötigten, mit Cay wurden wir von Haus aus regelmäßig versorgt. Unglaublich, man stelle sich das in umgekehrter Situation vor. Würde jemand seinen 10 Tonnen schweren Caravan in Wien vor dem Hilton Hotel in der Kurzparkzone abstellen, wie lange würde es möglich sein dort zu parken, ehe die erste gelangweilte Hausfrau die Polizei alarmieren würde? Fünf Minuten wenns hoch hergeht, dann hast du ein dickes Problem an der Backe. Vielen Dank Özkan für deine Hilfe und die Gastfreundschaft die du und dein Team uns entgegengebracht habt. Und wie es der Zufall will, währe ohne Özkan auch Ümit nicht in unser Leben getreten.

Ümit lernten wir zufällig in einem Tabakladen kennen, welchen uns Özkan empfohlen hatte. Er geleitete uns in akzentfreiem Englisch durch die Welt des türkischen Tabaks und zeigte reges Interesse an uns und unserer Reise. Er studiert an einer der besten Universitäten der Türkei, besuchte zusätzlich Englisch und Deutsch Kurse und hatte nebenbei noch fünf Jobs zu bewerkstelligen. Nach dem Tabakladen spazierte er mit uns zu Akela, wo wir ihm eine Tasse österreichischen Tee kredenzten. Ümit war ein junger, sehr westlich denkender Türke, der offen seine Meinung kund tat. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen plauderte er über vergangene und aktuelle politische Probleme und Geschehnisse, die sein Heimatland zerrütteten und kontinuierlich zerstörten. Er fühlte sich sichtlich wohl in Akela und wir fühlten uns geehrt, als er unsere Einladung zum Abendessen annahm. Es gab Wurstnudeln ;-). Nach dem Schmaus verabschiedete er sich, bot uns allerdings für den nächsten Tag seine Hilfe zwecks Übersetzung auf der Botschaft von Usbekistan an, wo wir unser nächstes Visa beantragen mußten. Ich war sehr froh darüber, denn die vorangegangenen Telefonate mit der Behörde verliefen äußerst mühsam und ich konnte kaum ein Wort verstehen.

Um zehn Uhr am nächsten Morgen fuhren wir gemeinsam mit dem Taxi zur Botschaft. Die Visabeantragung verlief Dank Ümits Dolmetscherdienste relativ reibungslos. In zehn Tagen sollte unser Usbekistan Visa in Teheran auf der Botschaft abholbereit sein, wenns stimmt.

Nach getaner Arbeit schlenderten wir in ein nahe gelegenes Kaffee und führten unsere Gespräche vom Vortag bei Cappucino und Kakao weiter. Es war erfrischend mit Ümit zu plaudern, seinen Geschichten zu lauschen und nebenbei einen immer tiefer werdenden Einblick in seine Heimat und dessen Politik zu erlangen. Die Bevölkerung war verärgert, enttäuscht und fühlte sich im Stich gelassen. Es schien, als ob der amtierende Präsident keinen großen Zuspruch unter seines Gleichen fand. Hernach trennten sich unsere Wege, Ümit musste auf die Uni und wir kehrten zu unserem Brummi zurück. Wir verabredeten uns zum Abendessen, wo wir auch Ümits Freundin Berna kennenlernen durften. Die beiden gaben sich große Mühe um ein Lokal ausfindig zu machen, indem noch richtig traditionell in einer kleinen Küche gekocht wurde. Das Essen war hervorragend. Es wurde Suppe und türkische Ravioli serviert, die mit den uns bekannten nichts gemeinsam hatten, aber lecker schmeckten. Türkische Nachspeisen sind nicht jedermanns Sache, es gab kalten Milchreis und Honigkuchen. Jedesmal nach dem Verzehr solcher Köstlichkeiten hatte ich das Gefühl, als müsse ich unmittelbar den Zahnarzt konsultieren, so süß waren sie. Selbst unser kleines Schleckermäulchen winkte nach ein paar Löffeln dankend ab, und das will was heißen.

Ümit und Berna luden uns im Anschluß noch in ihre Wohnung ein, wo die Zeit wie im Flug verging. Es wurde diskutiert, politisiert, über Religionen gesprochen, gelacht und Musik gehört, während Lennox die zwei Katzen der beiden auf Trapp hielt. Um ein Uhr morgens verabschiedeten wir uns, und fuhren mit dem Taxi nach Hause.

Vier unvergessliche Tage verweilten wir in Ankara. Zwar war es teilweise ermüdend und zermürbend tagtäglich um 08:30 auf der iranischen Botschaft zu sitzen, oft mehrere Stunden lang, nur um zu erfahren, dass das Visa immer noch nicht vorlag. Doch auf der anderen Seite konnten wir uns vor Einladungen zu Tee oder Kaffe kaum retten. Wir erhielten Nachrichten auf Facebook von Menschen die uns herzlich willkommen hießen, andere klopften einfach an die Türe boten uns ihre Hilfe an, und wieder andere wollten einfach nur ein Foto von uns mache. All die positive Resonanz der Menschen war Balsam für unsere Seelen. Die politische Situation der nächsten Länder erforderte ein großes Ausmaß an Recherche. Die geplante Einreise in China mit dem eigenen Fahrzeug zog einen bürokratischen Aufwand mit sich, der außer lästig gar nichts war, ganz abgesehen von der finanziellen Belastung die auf uns zukommen würde, wenn wir das Reich der Mitte durchqueren wollten. Die Einreise in Thailand hing ebenfalls in der Schwebe, denn seit der amtierende König gestorben war, spielte die Regierung verrückt und Gesetze wurden beinahe täglich geändert. Ob und wie eine Einreise stattfinden kann, steht immer noch in den Sternen. Erkundigungen über Erkundigungen, Internetrecherche, Kontakte zu anderen Reisenden, Telefonate, und mitten in dem ganzen Trubel der kleine Lennox, der mit all dem Kram natürlich nichts am Hut hatte, und uns das auch gut zu spüren gab. Grübelnd tauchte immer wieder die Frage auf, ob wir das Richtige taten. Dass es kein Zuckerschlecken werden würde, war uns von Anfang an bewußt. Doch so mühsam hatten wir es uns doch nicht gewünscht.

Vier Tage standen wir pünktlich um 08:30 vor dem Tor der iranischen Botschaft, bis wir endlich die erlösende Antwort erhielten. Hurra, unsere Visa waren fertig!! Gegen eine Gebühr von € 75 pro Person konnten wir um 17:00 Uhr unsere Reisepässe mit dem besagten Aufkleber (denn mehr ist es im Grunde nicht) abholen.

Wieder zuversichtlich und frei von Zweifeln legten wir uns zeitig schlafen, denn früh morgens sollte uns unsere Reise weiterführen in ein wahres Märchenland, Kappadokien.

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