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Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 30.03.2018

Urlaub vom Urlaub!

Thailand, Februar, März 2018

 

Und genau deswegen gibts in dem Bericht auch keine aufregenden Fotos, sondern hauptsächlich Handy Snapshots. Leander hat es tatsächlich geschafft, seine Kamera für die 2 Wochen fast immer im Rucksack zu lassen. Endlich stand der lange herbeiersehnte Moment vor der Türe. Sonne, Strand und Meer, wir sind bereit! Endlich weg mit den Winterstiefeln und rein in Flip Flops.

Immer wenn wir erzählten, dass wir uns nach Thailand aufmachten während wir Akela alleine auf den Weg nach Borneo schickten kam prompt die Frage „macht ihr jetzt Urlaub vom Urlaub?“ Diese Aussage bewirkte meist ein müdes Lächeln auf unseren Lippen, und entlockte ein knappes „Ja“ als Antwort! Nur jemand der sich überhaupt nicht mit uns oder unserer Reise auseinandersetzte konnte so eine unüberlegte Frage in den Raum stellen.

Nach langem Hin und Her haben wir uns für die Insel Koh Samui entschieden. Im Grunde überhaupt nicht unsere Urlaubsdestination, aber die Tatsache, dass Chrisi und Hannes, zwei liebe Freunde aus Österreich dort mit Eltern und Geschwister ihren Urlaub verbrachten, war das tragende Argument für unseren Entschluss. Ob es schlau war wussten wir nicht, doch wir hatten vor, ihren Urlaub zu crashen und hofften inständig, uns mit dieser Aktion nicht ins Fettnäpfchen zu setzen. Jedesmal wenn wir telefonierten, gaukelten wir ihnen vor unseren Urlaub auf der Nachbarinsel Koh Phangan zu verbringen. Während wir in Wirklichkeit bereits auf Koh Samui saßen und auf sie warteten. Allerdings waren wir nicht so dreist und checkten im selben Hotel ein wie sie, ein bisschen Privatsphäre gönnten wir den Beiden schon. 

In über 14 gemeinsamen Reisejahren hatte sich bei Leander und mir eine zielsichere Hand für ungünstige Reisedaten heraus kristallisiert. Sonkran, das Wasserfest in Thailand, Diwali das Farbenfest in Indien oder Noruz, das Persische Neujahr. Diese Feierlichkeiten waren einzigartige und aussergewöhnliche Erlebnisse während unserer Reisen. Doch abseits der üblichen Touristenpfade konnten sich diese wochenlang anhaltenden Festlichkeiten auch als mühsam erweisen. Ein ganzes Land schien zuweilen in eine Art Ausnahmezustand zu verfallen, in dem kaum etwas seinen normalen Gang hatte. Eine Flut an einheimischen und ausländischen Touristen brachte Hotels und Restaurants zum Überquellen, was zur Folge hatte, dass Preise ins Unermessliche schnellten. Ämter und Geschäfte waren nur bedingt geöffnet und Sehenswürdigkeiten erstickten im Besucherstrom. Diesmal machte uns das chinesische Neujahr einen Strich durch die Rechnung. Wir bekamen es zunächst bei der Online Hotelsuche zu spüren. Für einfache Unterkünfte wurde ein Vermögen verlangt. Und nein, nicht weil wir uns für die als teuer verschrieene Insel Koh Samui entschieden hatten. Über Wochen hinweg durchforsteten wir das Internet nach Angeboten. Doch ganz Südostasien schien zu diesem Zeitpunkt ausgebucht zu sein. Vor Ort hatte es dann noch einmal Boom gemacht. Wo immer man hinblickte wuselten Chinesen umher, die sich unter riesigen Sonnenhüten versteckten und mit ihren Selfiesticks die Strände unsicher machten. 500000 Chinesen waren auf Urlaub. Im Grunde gleicht es einer Völkerwanderung.

Tja die Chinesen. Ich muss gestehen, dass wir keine großen Anhänger dieses Volkes waren. Unsere Reise führte uns quer durch Zentralasien, wodurch wir einen guten Einblick in die wirtschaftlichen und politischen Probleme der einzelnen Staaten erlangt hatten, und leider muss ich sagen, dass in 9 von 10 Beispielen die Chinesen als Mitverursacher oder Mitverschulder involviert waren. Das gefiel uns nicht! Im Urlaub traten sie in Gruppen auf, gaben sich ungeheuer laut, manche rüpelhaft, und ihre Tischmanieren ließen sehr zu wünschen übrig. Wir nahmen ihnen auch immer noch die komplizierte und überteuerte Einreisebürokratie in ihr Land übel, die uns davon abhielt China eine Chance zu geben. 

Mit unserem Hotel in Chaweng Noi hatten wir super Glück. Klein und fein sag ich nur. Dafür bewirkten die Stadt und das Umfeld eher eine Überreizung sämtlicher Sinne in uns. Es war nicht unser erster Besuch in Thailand, somit konnten wir die zunehmende Veränderung der letzten Jahren deutlich erkennen. Die im türkisblauen indischen Ozean verstreuten Inseln übten, und üben immer noch eine magische Anziehungskraft auf viele Menschen aus. Filmklassiker a´la James Bond oder The Beach machten sich die traumhaften Kulissen ebenfalls zunutze, und trugen dadurch noch mehr zur Beliebtheit diverser Spots bei. Mit dramatischen Auswirkungen auf Land und Leute. Laut aktuellem Beispiel ließen die zuständigen Regierungen Maya Bay in Thailand und einige philippinische Inseln vorübergehend vom Touristenstrom abschotten, um sie wieder zu sanieren. Ist das nicht pervers und traurig? Wofür halten wir Menschen uns eigentlich? Lassen uns Geld und Macht wirklich so abgebrüht und egoistisch denken und handeln, dass wir der Natur respektlos den Buckel runter rutschten? Musste erst der gesamte Planet auf die rote Liste gesetzt werden, um ihn vor dem gebildeten Homo Sapiens zu schützen? Es machte den Eindruck, denn bevor es unsere Rasse auf der Erde gab, herrschte ein gesundes Gleichgewicht.

Oft wird Thailand in Reisekatalogen als das Land des ewigen Lächelns beschrieben, doch in Wahrheit ist es ein Paradebeispiel einer falsch praktizierten Touristenpolitik. Die Natur, Einheimische und Touristen stehen in keinem gesunden Verhältnis zueinander. Der Rubel muss rollen, so lautet die Devise. Die jahrzehntelange und fortwährende Beliebtheit des Landes führte dazu, dass große Investoren inmitten kleiner Fischerdörfer riesige Hotelklötze stellten. Den ersten Touristen folgte eine stetig wachsende Infrastruktur. Restaurants, Supermärkte, Tauchschulen, Souvenirläden, Massagesalons... wurden in Windeseile aus dem Boden gestampft und haben lokale Betriebe in den Hintergrund verdrängt. In jedem Ausländer wird das schnelle Geld vermutet. Man braucht ein dickes Fell um den vielen  Händlern oder Verkäufern die ein Schnäppchen machen möchten, nicht ungehalten oder genervt entgegen zu treten. Ein kleines Beispiel. Bezahlte man vor 15 Jahren noch zwischen drei und fünf Euro für einen einfachen Bambusbungalow, so blätterte man heute bis zu 15 Euro hin. Dreck vom Vorbewohner wegmachen inklusive. 

Doch inmitten des unerträglichen Lärmpegels, den grellen Leuchtreklamen, dem horrenden Verkehr, den vielen Geschäften und Hotels gibt es sie immer noch. Die Handwerker und Fischer mit ihren Familien, die nichts vom großen Geldkuchen abbekommen haben und durch den Rost fielen. Denen ist das Lächeln längst vergangen, und ein gelegentlicher Groll gegen Ausländer ist verständlich. Der Bauboom war allgegenwärtig, auch wenn zwischendurch das Geld ausging. Halbfertige Hotels und Baustellen prägten das Straßenbild. Etwas versteckt im Hinterland stieß man auf riesige Müllhalden, die immer wieder in Brand gesteckt wurden, um Platz für neuen zu schaffen. Die Müllproblematik hatte ein verheerendes Ausmaß in Thailand angenommen. Was nicht zu bedeuten hatte, dass sich Einheimische oder Touristen schlimmer verhielten als woanders. Nein! Die Anzahl der Menschen machte das Maß so übervoll. Mistkübel quollen über, Kanäle waren verstopft und private Müllberge häuften sich hinter Häusern oder Shops. Darin scharrten Kühe, Ziegen und Hühner nach Essbarem, und landen früher oder später selbst auf einem Teller. Mahlzeit!  

Teilweise erstickten ganze Regionen im Abfall. Das fehlende Verständnis für ein gut funktionierenden Ökosystems und die Geldgier diverser Drahtzieher verzögerten den Prozess des Umdenkens natürlich enorm. Was aber dringend nötig wäre. Doch nicht nur auf festem Boden machte sich der Ausverkauf des Landes bemerkbar, auch an den Badebuchten und im Meer konnte man die Spuren deutlich erkennen. Plastikflaschen gesäumte Strandabschnitte nach durchzechten Partynächten und anderer Unrat, der von Meeresströmungen tagtäglich angeschwemmt wurde. Fischer die sich noch die Mühe machten und Nachts mit den Booten rausfuhren, kamen meist mit leeren Netzen zurück. Die wenigen Fische die der globalen Überfischung der Meere entkommen waren hatten das Weite gesucht, was kein Wunder war bei dem Verkehr der auf dem Wasser herrschte. Tagtäglich wurden Touristen im Minutentakt mit Longtail Booten, Fähren oder Speed Booten von einer Insel auf die nächste transportiert. Oder sie wurden zu schönen Schnorchelspots geschippert, wo sie in Scharen ins Meer sprangen um ein Foto von Nemo & Co zu ergattern. Und weil es so schön war, nahm man vielleicht auch noch ein Stück einer Koralle mit. Als Andenken für zu Hause. Wo sollte das alles noch hinführen? 

Glücklicherweise hatte uns die Ankunft von Chrisi und Hannes schnell wieder in Urlaubsmodus versetzt. Ausgestattet mit einem Welcome Banner standen wir am Flughafen und warteten auf die Bande. Ungeduldig traten wir von einem Fuß auf den anderen. Nur, wo waren sie? Das Flugzeug war schon längst gelandet. Hatten wir sie verpasst? Nach einer Stunde vergeblichen Wartens fuhren wir enttäuscht mit dem Scooter in unser Hotel zurück. Dort angelangt schickten wir ihnen ein Foto von uns Dreien am Flughafen, dass wir zuvor als Beweis gemacht hatten. Jetzt sollte es bei den beiden eigentlich Klick machen. Doch nichts dergleichen geschah. Chrisi bedankte sich für die süsse Idee ihnen ein Welcome Foto zu senden. Weiters schrieb sie, dass sie bereits im Hotel wären und nach dem langen Flug nur noch am Strand relaxen wollten. Selbst als ihr Leander textete, dass sie sich am Strand rechts halten sollten, klingelte es nicht. Zumindest kam nichts dergleichen auf WhatsApp zurück. 

In Windeseile sprinteten wir von unserem Hotel zu deren Strandabschnitt, setzten uns dort auf eine quer wachsende Palme, hielten uns die selbst gebastelten Plakate vors Gesicht und warteten. Nach einer gefühlten Ewigkeit erblickten wir sie. Als sie uns erspähten schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen und konnten es kaum fassen. Was für eine Überraschung! Chrisi war immer noch ganz aus dem Häuschen, während Hannes zielsicher in den nächsten Seven Eleven Store stapfte und Getränke zum Anstoßen organisierte. Da standen wir nun, am Strand von Koh Samui. Mit einer Bottle Bier in der Hand und einem fetten Grinser im Gesicht. Life could be worse! Den restlichen Nachmittag verbrachten wir gemeinsam am Strand, und rollten nach und nach die Geschichte unserer kleinen Notlüge auf. 

Anstatt uns für einen Tagesausflug entweder auf Koh Samui oder Koh Pangan zu treffen, wie es offiziell ausgemacht war, wurden nun drei erholsame Tage mit viel Spaß auf Koh Samui. Einen Großteil der Zeit verbrachten wir relaxed am Strand. Lennox genoss es sichtlich von Chrisi umschwärmt, und von ihrem Bruder Thomas im Pool animiert zu werden. Eis, Shakes & Co gingen in diesen Tagen sehr locker über den Tresen. Doch man gönnte sich ja sonst nichts, oder nur sehr wenig. Wie sooft im Leben blieb die Zeit nicht stehen wenn es am schönsten war. Meine lieben Freunde, euch zu treffen war der Hammer! Es tat gut euch in die Arme zu schließen und fest zu drücken. Wir hoffen, dass es euch ähnlich ergangen ist, und wir euch nicht überrumpelt haben! Es war toll mit Neuigkeiten aus der Heimat versorgt zu werden, und euch gleichzeitig einen tieferen Eindruck in unser Leben zu geben. Ohne zusammenbrechende Internetverbindung, wie es sonst oft beim Telefonieren der Fall war. 

Danke für die tolle gemeinsame Zeit und danke, dass ihr vor euerer Abreise unsere lange Einkaufsliste abgerackert habt und zehn Kilo Übergepäck in Kauf genommen habt. Wir vermissen euch und freuen uns auf das nächste Mal! Nach insgesamt fünf Tagen Koh Samui hieß es für uns Abschied nehmen. Wir packten unsere wenigen Habseligkeiten in den Rucksack und fuhren mit einem Taxi zum Hafen, von wo wir eine Fähre nach Koh Pangan gebucht hatten. Die verbleibende Zeit würden wir dort in einem abgelegenen Resort am Strand verbringen.

Als wir bei brütender Hitze am Pier saßen und auf unsere Fähre warteten, traute ich plötzlich meinen Augen nicht. Kamen da nicht Chrisi, Hannes, ihr Bruder Thomas und dessen Freundin auf uns zu? Gut getarnt hinter Sonnenbrillen, dennoch unverkennbar. Nach einer letzten Umarmung und einigen Tränen im Gesicht hieß es für uns aber endgültig einsteigen und lebe wohl zu sagen. 

Unser Hotel lagt gut versteckt mit wenigen anderen Unterkünften am Haad Khuat Strand im Norden der Insel. Aus der Internetbeschreibung ging leider nicht eindeutig hervor WIE gut versteckt es war.  Nachdem wir am Thong Sala Pier angelegt hatten, wurden wir in einen Sammeltransfer gesetzt, der uns einmal quer über die Insel kutschierte und uns zuletzt an einer kleinen Bootsanlegestelle absetzte. Von dort ging es dann erneut mit einem Boot weiter in unsere Bucht. Das Bottle Beach Resort I machte auf den ersten Blick einen netten Eindruck. Es war zwar um einiges größer als unser Hotel auf Koh Samui, dafür konnte es mit direkter Strandlage aufwarten. Die Unterkunft hatte drei Sterne und war nicht günstig, deshalb waren wir etwas verwundert als uns die Rezeptionistin die Gepflogenheiten der Anlage erklärte. Zimmerservice gab es jeden dritten Tag, und um Klopapier und inkludiertes Trinkwasser musste man sich ebenfalls selber kümmern. Ähnliches kannte ich von Hostel`s oder Homestay`s, aber nicht von Sterne Unterkünften. Doch nicht weiter schlimm. Im Truck wären wir froh, könnten wir unsere Handtücher und Bettlacken alle drei Tage wechseln. Aber Empfehlung fürs Resort gibts bestimmt keine!

Die Tage auf Koh Phangan verbrachten wir zumeist am Strand. Wir bauten Sandburgen, sammelten Muscheln, buddelten uns im Sand ein und tollten im Ozean umher. Lennox hat in diesen Tagen alle neuen Bücher der Serie `Der kleine Drache Kokosnuss` ausgelesen, die ihm Chrisi aus Österreich mitgebracht hatte. Eigentlich wäre die Lektüre für lange Fahrtage geplant gewesen, doch Lennox`s Leseeifer kam uns zuvor. Auch lernten wir nette Leute im Bottle Beach kennen. Darunter die Wiener Familie Pia, Bertl und ihr Sohn Julian, der etwas älter als Lennox war. Während die beiden Jungs miteinander spielten, fanden auch wir Eltern Zeit für Gespräche. Es war immer interessant für uns zu erleben wie Leute reagierten, wenn wir ihnen über unser momentanes Leben erzählten. Manche waren sehr interessiert, andere beneideten uns, manche hielten uns für verrückt und wiederum andere schüttelten den Kopf und nannten uns verantwortungslos. Who cares? ;-) Tendenziell hielt sich das Feedback aber großteils im positiven Bereich. 

Am Pool lernten wir noch weitere Familien mit Kindern kennen, mit denen wir etwas Zeit verbrachten. Ich war so glücklich darüber unseren Sohn mit anderen Kids spielen zu sehen. Endlich lachte er wieder aus vollem Herzen. Völlig unerwartet habe ich in Haad Khuad Gundi, eine langjährige Bekannte wieder getroffen. Unglaublich oder? Die Welt schien manchmal so klein zu sein. Es war nett mit ihr zu plaudern. Wir mussten beide nach Thailand fliegen um einen Kaffee miteinander zu trinken. Zu Hause in Österreich, wo wir keine 15 Minuten voneinander entfernt lebten, gelang uns das die letzten Jahre nicht. Ansonsten sahen unsere Unternehmungen auf der Insel eher bescheiden aus. Bei einem Ausflug mit dem Boot in die nächst größere Stadt verschlug es uns in einen Friseurladen, wo wir uns alle drei umgerechnet für € 15 unsere Haarpracht verschönern ließen. Das Geld hätten wir allerdings besser investieren können, denn bei der Heimfahrt stürmte und regnete es wie wild, was für den neuen Look tödlich war. 

Ein bisschen Sport war auch dabei. Wir wanderten einen kleinen Dschungeltrail entlang, der uns auf den Gipfel einer Aussichtsplattform führte, die einen gigantischen Blick über die Bucht und das Meer bot. Im Schneidersitz setzten wir uns auf einen Felsen und genossen andächtig den Ausblick. Genau das waren die Momente, die uns immer wieder darin bekräftigten das Richtige zu tun. Manchmal half es richtig durchzuatmen, um wieder einen Blick für das Wesentliche zu erlangen. Eines haben wir bei diesem Ausflug allerdings komplett verbockt. Wie dumme Touristen starteten wir los. Ohne Sonnenschutz, in Badeklamotten und Flip Flops. Mann, was sind wir rot und von Mücken zerstochen zurückgekehrt. Zumindest Lennox und ich. Leander hatte weiter gedacht und zumindest ein T-Shirt übergestreift. 

Abends, wenn Lennox schlief ging es zuweilen wieder um Altbekanntes. Um weitere Routenplanung, Visa, Budget, alles erquickende Themen die eine richtig ausgelassene Urlaubsstimmung heraufbeschwören. Doch unablässig. Wir hatten leider vergessen eine Urlaubsvertretung zu engagieren, die uns für diese Zeit die Arbeit abnahm. Dann und wann plagten uns natürlich auch Sorgen und Ängste darüber, ob und wie unser Dicker die Überfahrt nach Borneo überstehen würde. Auf einem Schiff konnte viel passieren. Es bestand die Möglichkeit, dass es sank. Allerdings verwarfen wir diese Gedanken sehr schnell wieder, da es am unrealistischsten klang. Der Truck könnte aufgebrochen und ausgeräumt werden. Was unseren belgischen Freunden einige Wochen zuvor widerfahren war. Gott sei dank wurde nur das Führerhaus geknackt, somit hielt sich der Schaden in Grenzen. Akela könnte natürlich auch beschädigt werden. Alles keine feinen und wünschenswerte Dinge. Dazu kam noch, dass wir keinen Tau davon hatten, was uns wirklich bei der Einreise und am Zoll von Malaysia erwarten würde. Im Grunde gab es von unserer Route kaum Erfahrungsberichte, da die meisten Überland durch China und Thailand fuhren. Um ehrlich zu sein war es dumm von uns, soviel Zeit in sinnlose Gedanken zu investieren, denn es kam wie es kam, und wir konnten es nicht ändern. Also versuchten wir positiv zu bleiben. 

Als sich unser Urlaub dem Ende neigte waren wir darüber nicht ganz unglücklich. Wir freuten uns schon riesig auf Akela, denn zu Hause war es doch am Schönsten. Unseren Retourflug zum Truck, der im Hafen von Kota Kinabalu einlaufen sollte, hatten wir von Koh Samui aus gebucht. Um kein Risiko beim Transfer einzugehen, reisten wir bereits einen Tag früher an, und mieteten uns für die letzte Nacht noch einmal in unserer kleinen Oase inmitten von Chaweng Noi ein. Der Besitzer war Tags darauf dann so nett und brachte uns zum Flughafen. 

Wir waren etwas überladen, doch die freundliche Dame am Check In Schalter drückte ein Auge zu und gab uns die Boarding Pässe. In Bangkok wo wir umsteigen mussten, hatten wir dann weniger Glück. Dort ließ man uns erst gar nicht einchecken. Der Grund war ein fehlendes Ausreiseticket aus Malaysia. Wir redeten uns den Mund fusselig und versuchten den Angestellten zu erklären, dass wir auf dem Landweg ausreisen würden. Doch vergeblich, sie blieben stur und verweigerten uns den Zutritt zum Flieger zu. Grün und blau ärgern half nichts und kostete nur Zeit. Mit der letzten Akkuleistung des Laptop`s buchten wir den günstigsten Flug raus aus Malaysia, den wir auf die Schnelle finden konnten. Schnell mal wieder ein paar hundert Euro in den Wind geschossen. Mit einer Ticketnummer gaben sich die Airline Angestellten zufrieden und ließen uns einchecken. Was höchste Eisenbahn war, denn unser Flug wurde bereits aufgerufen. Erschöpft und außer Atem ließen wir uns in die Sitze des Fliegers fallen und hofften noch eine Mütze voll Schlaf abzubekommen. Unsere Maschine sollte um 23:00 Uhr Ortszeit landen. Nicht die optimalste Zeit, um mit einem kleinen Kind noch unterwegs zu sein. Doch unser Knabe war  diesbezüglich relativ schmerzfrei. Nur noch wenige Stunden und unser Leben würde uns wieder haben mit neuen Erlebnissen auf Borneo. Ich sank tiefer in den Stuhl zurück, schloss meine Augen und fiel relativ schnell in einen ruhigen Schlaf.

Kommentare (1)

  1. Diana
    Diana vor 2 Wochen
    Sawaddee Ka, oder so ähnlich?! Mann ist das schon wieder lange her... Bin gerade durch Zufall auf eure Seite gerutscht und musste erst ein bisschen hin und her klicken, bis ich gespannt habe, um wen es sich bei den Autoren handelt ;) Haben uns diesen Winter tatsächlich dazu entschieden mal "daheim" zu bleiben, um diverse Projekte abzuschließen, sämtliche Reserven wieder aufzufüllen, mal anzuhalten und eine kreative Pause zu machen, um neue Ideen keimen zu lassen... und nicht zuletzt um auch mal rodeln zu gehen. Wunderschöne Bilder und sehr angenehmer Erzählstil laden zum Mitreisen ein! Kompliment für die Seite! Ich hoffe wir treffen uns irgendwann mal wieder, irgendwo da draußen und sehen den Kindern dabei zu wie sie die Freiheit genießen! Ganz liebe Grüße von der Morpheusfamilie

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