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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 29.12.2016

Das Jahr 2016

2016 - ein Jahr voller Höhen und Tiefen...

Der Herbst zeigte sich von seiner schönsten Pracht. Ein Meer an Farben wurde unseren Augen geboten wenn wir durch die Wälder streiften. Das Jahr neigte sich seinem Ende zu, und unsere Aufregung stieg von Tag zu Tag.

Die finalen Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, und die Köpfe rauchten. 
Unsere Beiträge hielten wir bis dato chronologisch und informativ, was den Aufbau betraf. Wir haben versucht, euch uns, unser Vorhaben und die Entstehung Akelas näher zu bringen. 

In diesem Beitrag möchten wir versuchen, euch ein wenig hinter die Kulissen der Familie ML2  (Maria, Lennox, Leander) blicken zu lassen. Viele Dinge die niemand mitbekam, uns aber das ein oder andere mal zum Verzweifeln brachten. 

Jedes mal, wenn uns jemand fragte, wie es mit den Umbauarbeiten lief, antworteten wir im Grunde immer den gleichen Bullshit:..“.. Dass es schon voranginge, das gesamte Projekt Unmengen an Zeit verschlang, wir zunehmend mitansahen, wie unsere Geldreserven gegen Null wanderten,... aber das wir guter Dinge wären, und das ganze schon gebacken kriegen....“ Das Ziel, mit Jahresende aufzubrechen, rückte immer mehr und mehr in greifbare Nähe. Denn der Glaube versetzt Berge, die der Zweifel erschaffen hat. Doch so einfach war es dann halt auch wieder nicht...

Ich sag mal von Dezember 2015 bis heute wechselte Akela seine Standorte immer zwischen Schlosserei, Werkstatt, Tischlerei und Unterstellplatz. Je nachdem welche Arbeiten gerade erledigt werden konnten.

Es wurden Stauboxen angefertigt, Dieseltanks montiert und angeschlossen, Wassertanks eingebaut, Möbel gezimmert, Leitungen verlegt,... es wurde geschraubt, geschweißt, gezimmert, gestrichen, lackiert...

Ich könnte diese Aufzählung ewig weiterführen. Das alles hört sich auch nach sehr guten Fortschritten an, und die machten wir auch... allerdings mussten wir immer wieder feststellen, dass wir als Familie sehr unter diesen Gegebenheiten zu leiden hatten.

Monate lang verbrachte Leander seine Tage von früh bis spät bei Akela und arbeitete mit. Es gab unzählige Abende, an denen Lennox seinem Papa abends nicht gute Nacht sagen konnte. Es war keine Seltenheit, dass er erst gegen 22:00 Uhr heimkam. Komplett erschöpft und erschlagen, zu müde zum Essen. 

Er war/ist Akelas Kopf. Jeder der etwas brauchte rief Leander an. Sein Handy war im Dauereinsatz, der Computer wurde nie ausgeschaltet. Er musste all den anstehenden Arbeiten eigentlich immer einen Schritt voraus sein, da er ja Anweisungen und Entscheidungen zu treffen hatte, um den Aufbau voran zu bringen. Sein Hirn war in Dauereinsatz, und oftmals verstand selbst ich seine Chaostheorie nicht mehr.


All die Aufgaben, die Verantwortung, der Stress, keine Zeit für die Familie, keine Zeit für gar nichts mehr... alles zusammen erschlug ihn förmlich. 

Parallel versuchte ich, so gut es ging, Leander zu helfen. An meinen arbeitsfreien Vormittagen half ich bei den Umbauarbeiten mit. Wenn wir für Lennox eine Betreuung hatten, konnten wir auch ganze Tage und Wochenenden gemeinsam arbeiten. 

Die Abende verbrachten wir sowieso zu 90% mit Recherchearbeiten, Gesprächs,- und Meinungsaustausch, und die restlichen 10% fanden wir uns schlafend vor dem Fernseher wieder. Zusätzlich arbeitete ich 16 Stunden in einem Reisebüro. Nach dem Job musste ich oftmals die Zeit mit Lennox und verschiedenen Abhol,- und Bringdiensten koordinieren, damit die Baustelle nicht zum Stehen kam.

Lennox knallte mir während solcher Botenfahrten nicht nur einmal vor den Latz, dass er Akela hassen würde, und nicht mit uns auf Weltreise gehen wolle. Ich versuchte ihm dann immer wieder zu erklären, dass sich dieser momentane  Zeitmangel und Stresspegel jetzt noch auf die letzten zwei Monate beschränken würde, aber dann, wenn wir Akelas Türe hinter uns zumachten und endlich los rollten, würde alles anders, wir hätten nur noch uns und - Zeit. 

"Zeit, die für uns so wichtig war,
Zeit für die Familie,
Zeit für den Partner,
Zeit für die Natur... "

All das erhofften wir uns von unserem Trip. Doch dumpf klopfte immer wieder in meinen Gedanken die Befürchtung an, dass wir sehr viel unserer kostbaren Zeit auf Reisen mit unangenehmen Dingen verbringen würden... zum Beispiel mit Reparaturen, Routenplanung, Visabeschaffung, Behördengänge... 

Wie viel Freiheit und Unabhängigkeit, die wir so herbeisehnten, würde uns wirklich bleiben?

Diese Frage beschäftigte nicht nur mich. Auch Leander dachte darüber nach. Wenn es wieder ein besonders großes Loch gab, in das wir hineingerutscht waren, stellten wir uns gegenseitig oftmals die Frage, taten wir hier das Richtige? Konnten wir es schaffen? Muteten wir uns, und vor allem Lennox, zuviel zu?

Steuerten wir womöglich darauf zu, das Hamsterrad, dem wir zu Hause zu entkommen versuchten, durch die Weltreise wieder neu zu erschaffen? 

Kurzfristig warf auch jeder von uns schon das Handtuch. Sätze wie...“du kannst alleine mit der Kiste auf Weltreise gehen, mich interessiert der ganze Dreck nicht mehr...“ vielen da schon mal. 

Doch jedes mal haben wir uns wieder zusammengerauft, auch wenn es gelegentlich länger dauerte. Meinungsverschiedenheiten wurden ausdiskutiert, und der ein oder andere Kompromiss geschlossen.

Ab und an gönnten wir uns abends ein Gläschen Wein, oder zwei. Zu späterer Stunde, wenn die Vernunft vom Traubensaft schon etwas eingenebelt war, waren wir das Thema. Wir legten unsere Ängste und Sorgen auf den Tisch, freuten uns auf das Neue, ließen unseren Gedanken freien Lauf... Natürlich war auch das vorübergehende „Nicht sehen“ von Verwandten und Freunden etwas, woran wir immer wieder denken mussten. Selbst bei Lennox fiel es mir auf... wie würden wir damit umgehen?

Fotografieren ist nicht nur Leanders Beruf oder Hobby. Es ist seine Leidenschaft. Es machte ihn ganz krank, wenn er daran dachte, wie wenig er vergangenes Jahr zum Fotografieren gekommen war. Einige wenige Kundenaufträge nahm er an, mehr war zeitlich wegen Akela nicht drin.
Von privaten Projekten war er meilenweit entfernt. 

Ständig wurde neue Fototechnik auf den Markt geschleudert, doch Leander hatte weder die Zeit sich zu informieren, noch hatten wir das Geld um Equipment zu organisieren  welches aber noch ganz oben auf unserer Einkaufsliste stand. Ich wusste, dass ihm das Fotografieren das letzte Jahr sehr gefehlt hatte. Auch meine große Leidenschaft, das Tanzen kam natürlich auch viel zu kurz. Entweder war ich zu müde, oder hatte keine Zeit. Durch das Tanzen lernte ich einige sehr nette Menschen kennen, die ich mittlerweile zu meinen Freunden zählte. Ich werde euch bestimmt vermissen!!

Ebenso ersatzlos von der Karte gestrichen wurden Dinge wie, Essen gehen, Kino gehen, Urlaube, Friseur, Klamotten kaufen, … großteils war uns unser Geld dafür einfach zu schade. Einzig und alleine bei Lennox machten wir gelegentlich eine Ausnahme. 

Unsere Kohle ging zusätzlich zu den ganzen Material und Arbeitsstunden, die wir laufend hatten, für Reifen, Backofen, Polsterbezüge, Matratzen, Rauchmelder... soll ich weiterschreiben? Wir gehörten sicher zu Amazons Top Kunden. 

Was mich gleich weiter erzählen lässt. Im letzten Jahr bin ich mir teilweise vorgekommen als hätten wir zu Hause ein kleines Logistikzentrum. Regelmässig kamen Lieferungen bei uns an die wir für den Lastwagen online einkauften. Wir bestellten Autositze genauso wie Handbücher. Große Pakete, kleine Pakete, alles war dabei. Teilweise kam Ware kaputt oder beschädigt an, was wiederum langwierige Korrespondenz mit dem Händler bzw. dem Transportunternehmen mit sich brachte. 

Da wir Mitte des Jahres dann auch schon leicht Panik wegen unseres gesamten Hausrates bekamen, fingen wir an unsere Habseligkeiten auf Online Plattformen zum Verkauf anzubieten. Leander war relativ erfolgreich mit seinen Verkäufen, bei mir lief es eher schleppend, bis gar nicht. 

Doch damit ist es ja noch lange nicht abgetan. Eine Weltreise, oder zumindest unsere, bringt einen Rattenschwanz an weiteren Erledigungen mit sich. Wir wollten so gut als möglich vorbereitet sein, deshalb gehörte eine ordentliche Absicherung was Unfall und Krankheit während unserer Reise anbelangte, natürlich zu einem wichtigen Punkt, der uns viel Zeit raubte. 

Immer wieder spielten wir die absurdesten Ideen durch, auf welche Art und Weise wir uns am effizientesten und kostengünstigsten versichern konnten. 

Über Wege und Mittel einer Autoversicherung mussten wir uns auch klar werden. Wie sah die Haftung ausserhalb der EU aus, habe ich Versicherungsschutz oder kann ich die Kennzeichen abmelden? Frei nach dem Motto, in der Mongolei interessiert es doch eh kein Sch.... ob und was wir da vorne drauf haben. 

Wir nahmen eine alte Enduro mit, mussten wir sie anmelden? Großteils würde sie nur hinten auf dem Heckträger befestigt sein, und eher selten zum Einsatz kommen. Wir benötigen ein Carnes de Passage, nein, wir benötigen zwei, denn das Motorrad benötigt auch eines.

What the hell is CDP???

Pflichtkindergarten Jahr und Schulbeginn bei Lennox waren Themen um die sich gekümmert werden musste. Unzählige Telefonate und E-mails waren nötig um Antworten für unsere vielen, vielen Fragen zu bekommen. Wir redeten uns manchmal den Mund fusselig, um dem Gegenüber am anderen Ende der Leitung unser Anliegen verständlich zu erklären. 

Viele konnten mit der Vorstellung einer Weltreise nichts anfangen, und so waren oft mehrere Anläufe nötig um ans Ziel zu kommen. Das „immer wieder vertröstet werden“, und gezwungen werden zu warten um Informationen zu erhalten, zermürbte und stahl uns vor allem zwei Dinge – viel Zeit und Nerven.

Gegen Ende des Jahres drängten auch schon ein klein wenig unsere Partner, die wir im Laufe des Jahres mit unserem Konzept überzeugen konnten an Bord zu kommen. Sie warteten auf das von uns   versprochene Material. Fotos, Blogeinträge, Testberichte.... Wir waren in Zugzwang, da wir die erhaltenen Materialien und Geräte bereits niet,- und nagelfest in Akela verbaut hatten.

Fotos fehlten, weil Leander keine Zeit fand, sie zu bearbeiten und weiterzuleiten. Blogeinträge und Testberichte konnten noch nicht online gestellt werden, da unsere Web Site noch nicht User tauglich war. Unsere Web Site, auch so eine Baustelle, die sich über ein Jahr gezogen hat. Gedanklich starteten wir die Seite www.akela.world mit tollen Einfällen. Das Programmieren der Seite, zu Beginn in Eigenregie, endete allerdings eher in einem gröberen Desaster. Zu guter letzt half nur noch professionelles Knowhow. 

 Damit uns nicht langweilig wurde, haben wir zwischendurch einen 16 Stunden Erste Hilfe Intensiv Kurs absolviert. Wir waren jetzt betriebliche Ersthelfer, mit Diplom!!! Um fürs Outback im Notfall  bestmöglich vorbereitet zu sein, konnten wir noch einen Sanitäter des österreichischen Bundesheeres ausforschen, dessen Hobby es war, seinen Urlaub im Dschungel zu verbringen. In diesen Stunden ging es dann nochmal richtig ans Eingemachte. Schlangen,- Spinnenbisse, Infusionen setzen, intubieren...

Zur medizinischen Vorbereitung bzw. Vorbeugung gehörte noch, dass wir uns nach ausführlichen Beratungsgesprächen durch einen sehr renommierten Tropenarzt in Salzburg im Schnellverfahren gegen mehrere Krankheiten, auf die wir unterwegs unweigerlich stossen würden, impfen ließen. Impfen, nur um es zu erwähnen, kostete uns über 1000 Euro. 

Für Reisepässe, die wir in doppelter Ausführung beantragten, um unterwegs auf Nummer sicher zu gehen, mussten wir 450 Euro berappen. Hunderte und Tausende Euros rollten über den Tresen. Es tauchten so viele versteckte Kosten auf, die wir zu Beginn unserer Planung niemals eingerechnet hatten. Weil wir keinen Plan hatten. 

Unser aktueller Wissenstand basierte auf zwei Jahre Vorbereitungszeit. Das letzte davon wirklich intensiv. Dennoch stehen wir heute da, und würden einiges anders machen.Aber das ist vermutlich immer so ;-)

Ihr seht, wir kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Genau wie in meinem Bericht. Ich hoffe, Ihr konntet mir ein wenig folgen. Mir würden immer noch eine ganze Menge einfallen worüber ich schreiben könnte... aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

Ich saß gerade im Wohnzimmer auf unserer Couch und schweifte mit den Augen durch unsere Wohnung. Sie wurde immer leerer und leerer, da wir für einige unserer guten Stücke neue Besitzer finden konnten. Durch die entstandenen Lücken, die das fehlende Mobiliar mit sich brachte, machte sich Aufbruchstimmung breit und mir wurde warm und kribbelig ums Herz.

Trotz all der Mühen und Strapazen, sind wir bereit, mehr denn je!!

 

 

Kommentare (4)

  1. JOhanna Furtlehner
    JOhanna Furtlehner am 08.01.2017
    Bewundernswert wie Ihr das Schafts . Ich wünsche euch weiterhin alles Gute. Ich werde es weiterhin verfolgen.
    Eure damalige Vermieterin in Anthering .
    1. Maria
      Maria am 11.01.2017
      Liebe Johanna, vielen Dank für dein liebes Mail! Es freut uns sehr, dass du uns verfolgst
  2. Michaela Sirbut
    Michaela Sirbut am 11.01.2017
    ML2 :-) ihr habt meinen größten Respekt für so eine große Reise. Aber Ihr macht das schon. Danke für das tolle Fotos hihihi. Alles Gute wo immer Ihr gerade seit. Bussal Michi
  3. Gaby
    Gaby am 12.01.2017
    Liebe Maria, mir ist ganz schwindelig vom lesen - alle Achtung, daß Ihr das durchgezogen habt! Ich dachte Ihr seid schon losgefahren und auf dem Balkan, hab ich mich da irgendwie vertan? Ganz liebe Grüße!!

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