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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 26.01.2017

Montenegro - Albanien - Kosovo - Mazedonien

 

Dezember 2016, Jänner 2017


Die karge und trostlos wirkende Landschaft des südlichsten Zipfels Dalmatiens zog sich in weitem Bogen in Montenegro fort. Wir steuerten gen Süden und erreichten Abends Perast. 

Die am Ufer der Bucht von Kotor liegende Stadt ist, bedingt durch ihre geographische Lage, für die meisten Sonnenstunden im Jahr bekannt. Allerdings blies bei unserer Ankunft der Wind so kräftig, dass mich zuweilen ein Gefühl von Seekrankheit im Lastwagen begleitete. An der Ortseinfahrt fand sich ein geeignetes Plätzchen für Akela. Wir kletterten aus dem Führerhaus und schlenderten in das bereits dämmernde Perast. 

Es sah sehr verträumt und romantisch aus mit seinen kleinen Torbögen und Villen. In einem kleinen Restaurant ließen wir den Abend mit Fisch und Muscheln ausklingen. Lennox aß zum ersten mal in seinem Leben Muscheln... he likes!!

Nach einem schnellen Frühstück stiegen wir um 09:00 gut gelaunt in ein kleines Fährboot, dass uns auf  die vorgelagerten Inseln schipperte. Während sich auf der einen Insel ein Friedhof befindet, stand auf der anderen ein Kloster mit Museum. 

 

Mittags kehrten wir auf den Asphalt zurück und fuhren geraume Zeit an der Küste entlang. Wir bogen in mehrere kleine Örtchen ein bis wir schließlich in Petrovac einen richtig tollen Platz am Meer erspähten.

Wenn uns nur nicht der Wind so um die Ohren gepfiffen hätte. Rein in die dicken Winterjacken und raus an den Strand. Wir erspähten eine Wasserrutsche, verriegelte Verkaufsstände und geschlossene Restaurants,... im Sommer herrscht hier sicher reger Badebetrieb! Nach einer böig durchtriebenen Nacht lockte die Männer der Ruf des Abenteuers ins Freie.

Einige Zeit später gallopierte Lennox völlig aufgelöst zum Truck. Ich mußte mich auf der Stelle anziehen und mitkommen. Als ich sah, was sie erkundet hatten, fiel mir beinahe das Herz in die Hose! Eine steile Kletterwand, die in eine kleine Bucht führte. Wenn man nicht aufpasste, ging es gleich mal 3-4 Meter in die Tiefe. But, they did it!!

Der Plan wäre gewesen einige Tage an diesem bezaubernden Plätzchen zu verweilen. Lennox hatte einen traumhaften Naturspielplatz vor der Türe, und rundherum war genügend Platz um an Akela zu basteln, was laufend nötig war. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Nachdem uns der Wind förmlich aus den Schuhen gefegt hatte, entschieden wir kurzer Hand weiterzufahren. Das Ziel war Skopje, über Albanien und den Kosovo, wo wir keine Stops einplanten. 

 

Die Strassen waren relativ gut ausgebaut. Der Truck rollte gemächlich Kilometer für Kilometer ohne gröbere Probleme. 

Die Grenze zu Albanien konnten wir relativ unkompliziert passieren. Über das Land an sich wussten wir beide traurigerweise nicht viel. Wir hatten verschwommene Medienberichte in den Köpfen, die Schlagwörter wie Krieg, Armut, Korruption.. in unseren grauen Zellen verankert hatten. Und genauso wirkte das Land irgendwie auf uns. Farblose Ebenen, geprägt von einstürzenden Häuser, aus denen fahl Rauchwolken aufstiegen. Nur die Albaner selber nicht waren nicht so. Jeder von ihnen fährt Mercedes, egal ob alt oder neu. Wenn wir das vorher gewusst hätten ;-) Allerdings soll Albanien anscheinend eine wunderschöne Küstenlandschaft bieten. 

Gegen Abend erreichten wir die Stadt Shkodra. Skutari, wie sie in der Landessprache heißt, ist die fünft größte Stadt Albaniens und dient seit je her als Verwaltungszentrum. Wir finden an der Stadteinfahrt einen günstig gelegenen Stellplatz in einem Park. Die Nacht verlief ruhig! Zeitig am Morgen weckte uns das Gebet eines Muezzins, was uns nicht ungelegen kam. So kamen wir zeitig auf die Straße und nahmen den Weg weiter durch Albaniens Landschaft. 

Irgendwo, in the middle of nowhere, bemerkte Leander, dass die Pferdchen unter der Motorhaube schwächelten. Auf einer Geraden ohne Gegenwind mühte er sich mit 50 Sachen ab. Da war was nicht in Ordnung! Und gleichzeitig meldete sich in unserer Magengegend ein bis dato gut unterdrücktes Unwohlsein, was sich auf unsere Treibstoffbehälter bezieht.

Schon bei unserer Abfahrt rechneten wir damit, mit einem unserer beiden Dieseltanks Probleme zu bekommen. 

Noch zu Hause kauften wir einen neuen Tank und ließen ihn von einer Firma sachgemäß montieren, dass allerdings nicht so ganz funktioniert hat wie gewünscht. Ein Anfangs kleines Problem, dass langfristig unangenehme Auswirkungen mit sich brachte. Es gelangt immer wieder Dreck in den Tank, der wiederum die Dieselfilter verstopfte, was nicht fein war.  Leider gelang es uns in  Österreich nicht mehr, dieses Problem für alle beteiligten zufriedenstellend zu lösen. Weshalb wir mit einem „defekten“ Dieseltank losgefahren sind.

An der nächsten Tankstelle hielten wir. Bei strahlendem Sonnenschein, aber gefühlten minus fünf Grad schwang sich Leander in die Arbeitskluft. Es war die erste Reparatur, die er quasi on the road an Akela durchführte. Er wusste ungefähr was zu tun war! Die Vorfilter gehörten gereinigt, ich half ihm so gut es ging. Ein Seufzer der Erleichterung fiel nach getaner Arbeit von ihm, als Akela nach dem Starten schnurrte wie ein Kätzchen. 

Über Lezeh und Lac steuerten wir weiter über die gut ausgebauten Strassen. Mag das Land ärmlich und schmutzig wirken, aber die Menschen mit denen wir Kontakt hatten, traten uns sehr freundlich und hilfsbereit gegenüber.

 

Die Grenze zum Kosovo wirkte auf mich ein wenig furchteinflössend. Viele Männer in Uniformen, laut bellende Hunde verharrten in kleinen Zwingern, Drogenhunde vermutlich. Die Überprüfung der Papiere verlief dann aber reibungslos, und unserem sechsten Land, dem Kosovo stand nichts mehr im Wege.. 

Die Strassenkarte führte uns durch Prizren. Eine kleine, verschnörkelte Stadt mit vielen Baustellen und Straßenverkehr ohne ersichtliche Regeln. So kam es sehr schnell, dass wir mit unseren knapp vier Metern Höhe tief hängende Elektrizitäts-

leitungen ins Wanken brachten. Wir steckten fest! Hinter uns – Sackgasse – nach links oder rechts ausweichen – chancenlos – die Straßen waren viel zu eng. Vor uns hupten mindestens fünf Autos, die an uns vorbei wollten, nur wie? Wir konnten nicht vor und nicht zurück. Dank Akelas lautstarkem Signalhorn wurden alle aus ihren wilden Gestikulationen und Hupereien gerissen. Der sich angestaute Blechsalat an Autos machte Platz, und wir konnten unbeschadet dem Chaos entfliehen. 

Wieder einmal dunkelte es bereits am Himmel und nach einem langen Tag saßen wir immer noch hinterm Steuer. Eigentlich wollten wir auf solchen Straßen Nachts nicht fahren. Wir lernten nicht aus unseren Fehlern. Es galt eine enge, teilweise schlecht ausgebaute Straße über die Berge zu bezwingen. Akelas Scheinwerfer und der beginnende Schneefall trugen nicht unbedingt zur Verbesserung der Fahrbedingungen bei. Lennox begann auch allmählich zu quengeln, er hatte viele Stunden brav im LKW verharrt, aber jetzt hatte er die Schnauze voll. Wir beide bugsierten uns nach hinten und legten uns in den Alkoven, während Leander im Alleingang weiterfuhr. Irgendwann schrie er zu uns hoch, dass er vielleicht Schneeketten anlegen müsste. Mehr bekam ich nicht mehr mit, mir fielen die Augen zu, und Lennox ebenso. Kurz vor der Grenze Mazedoniens weckte uns Leander, wir kletterten frisch und munter durch den Durchstieg zu Leander ins Führerhaus. Der sah allerdings nicht so erholt aus. Die zurückgelegten Kilometer über die verschneiten Berge im Kosovo haben ihm doch ein wenig zugesetzt. 

 

 

Gegen 18:00 erreichten wir Skopje, die Hauptstadt und zugleich größte Stadt Mazedoniens. Durch die Besetzungen verschiedenster Völker (Christen, Osmanen... zuletzt Bulgaren und Albaner) bietet Skopje eine sehr abwechslungsreiche Kulisse. Verschiedenste Baustile reihen sich aneinander, genauso wie die Menschen verschiedenster Abstammung sind. 

Leander kannte Skopje bereits aus seinem letztjährigen Trip mit Fabian Lentsch – www.snowmads.world. Deshalb steuerte er den Truck zielsicher in Skopjes Altstadt auf einen Parkplatz. Mit Sicht auf die historischen Mauern der Stadt, das kann schon was!!. 

Dort angekommen, waren wir mit Ivan und Goce verabredet, die Leander ebenfalls vom letzten Jahr her kannte. Da wir alle hungrig waren, führten sie uns in ein traditionell mazedonisches Restaurant. Es wurden herrliche Salate, spicy gefüllte Paprika, super mega geiles Brot, Wein und noch andere Köstlichkeiten kredenzt. Im Laufe des Abends kamen noch mehrere Freunde hinzu und es wurde ein lustiger und geselliger Abend. Gastfreundschaft wird in Mazedonien groß geschrieben, und im Nu hatten wir eine Einladung für den morgigen Silvesterabend in der Tasche, ganz selbstverständlich. Wir schmunzelten und überlegten, ob dies wohl in unseren Kulturkreisen auch so unkompliziert möglich wäre? Die Antwort ließen wir offen und freuten uns auf den kommenden Tag.  

Den Jahreswechsel feierten wir in Gorno Sonje, etwas ausserhalb von Skopje. In einem wunderhübschen alten Steinhaus haben wir mit wirklich sehr lieben und aussergewöhnlichen Menschen Silvester feiern dürfen. Es wurde geredet und Erfahrungen ausgetauscht und um Mitternacht umarmt und das Beste für 2017 gewünscht. Wie zu Hause auch. Ungewöhnlich für uns war die mazedonische Tradition, die ganze Nacht im Freien zu grillen, einfach nur des Grillens wegen, vor allem bei horrend kalten Temperaturen. Und natürlich wurde Rakia getrunken, viel Rakia, so wie es sich gehört. Wenn ich mich daran erinnere, wie kalt mir an diesem Abend war, fühle ich Gänsehaut in mir aufsteigen.

 

Nach einer herzhaften Verabschiedung von Ivan & Co ging es für uns am nächsten Morgen weiter Richtung Osten, in die Stadt Veles, die 60 km von Skopje entfernt liegt. Dort wurden wir bereits von Dejan und seiner Familie erwartet. Dejan und Leander waren beide Stocksy Fotografen und kannten sich von einer Convention in Berlin – www.stocksy.com/melkin. Dejan sprach diese Einladung schon vor knapp 3 Jahren aus, sollte uns unsere Reise durch Mazedonien führen, der wir jetzt gerne nachkamen.

In den fünf Tagen die wir in der Casa Ristovski verbringen durften wurden wir nach Strich und Faden verwöhnt. Cvetanka, die Hausherrin – bekochte uns mehrfach täglich mit feinsten mazedonischen Köstlichkeiten, Dejan servierte dazu den besten Cafe Late, und Lennox fand endlich zwei Spielgefährten. Nicola und Melanija, die beiden Kinder der Familie. Nicht genug, dass wir ihr Haus nutzen durften, als wäre es unser eigenes. Sie halfen uns beim organisieren eines Zahnarztbesuches, der leider nötig wurde, begleiteten uns zum Friseur, der von mir sehnlichst herbeigesehnt wurde, organisierten einen Elektriker der Akelas Führerhaus wieder in Schuss brachte, wir hatten gratis Internet, und und und.... 

Vielen Dank euch Vieren, ihr seit großartig und wunderbar! Es ist toll, euch kennengelernt zu haben. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! 

Nach einem letzten gemeinsamen Cafe Late starteten wir den Truck und freuten uns auf Griechenland.

 

Weil es uns ein Anliegen ist möchten wir noch kurz erwähnen, dass die bisherigen vier Wochen nicht immer nur schön und lustig waren. Viele vermuten hinter dem Projekt Akela einen Langzeiturlaub. Was natürlich fantastisch wäre... nur, dem ist leider nicht so. 

Seit unserer Abfahrt bereitet uns die Dieselstandheizung, die von Anfang an von der Firma *piep* falsch eingebaut wurde, immer wieder Probleme. An dieser Stelle nochmals Danke an Eberspächer für die nachträgliche Hilfe und den Top Support! Danke Richard ;-) Es hat minus Temperaturen und ein reibungsloses Funktionieren würde schon etwas Erleichterung bringen. Bisher waren alle Versuche das Ding ordentlich zum Laufen zu bringen gescheitert! Von unserer Misere mit dem Tank habe ich bereits berichtet.

Es steckt viel Arbeit dahinter, um überhaupt von A nach B zu gelangen. Dieselvorfilter gehören regelmässig gereinigt, Druckluftkessel ausgelassen, Ölstand kontrolliert, Reifendruck kontrolliert, wir haben mit Feuchtigkeit in der Wohnkabine zu kämpfen, Wasser,- Stromverbrauch müssen im Auge behalten werden. Wir müssen Supermärkte, Bäcker, Ärzte, Tankstellen, Strassen, Routen ausfindig machen.... Erledigungen die zu Hause ohne langes Nachdenken funktionierten, benötigen auf Reisen eine geraume Zeit, weil alles neu und unbekannt ist. All die schönen Fotos die Leander während unserer Reise schießt, wecken ein Gefühl von Urlaub und Freiheit in vielen von uns. Und das sollen sie auch, Emotionen wecken!! Aber zu guter letzt bedeuten diese Fotos unzählige Arbeitsstunden, die aber nötig sind – um unseren Trip zu finanzieren. Um Fotos zum Verkauf im Netz hochzuladen bedeutet einen ordentlichen Hotspot zu finden. Viel Spaß bei der Suche... ;-)  


Das erhoffte Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit blitzt dann und wann ein wenig durch, ist aber für unseren Geschmack noch ausbaufähig. Woran wir nicht ganz unbeteiligt waren. Nicht jeder Tag kann ein Highlight sein, und die Ereignisse kommen meist anders als geplant. Was gut ist, denn es öffnet Möglichkeiten, Neues zu entdecken. Wir bleiben positiv gestimmt, und halten es wie die alten Römer, carpe diem!! 


PS: Wer viel mehr von den Fotos sehen möchte, oder kaufen möchte, oder verschenken möchte,... ;-))

Hier der Link: www.stocksy.com/Nox/gallery/worldtrip 

Kommentare (5)

  1. Philomena und Familie
    Philomena und Familie am 06.02.2017
    Hey ihr 3!

    Wir hoffen, dass es euch allen gut
    geht und ihr trotz den Turbulenzen,
    die ihr hoffentlich gut meistert, ein wenig
    Spaß habt und viel von der Welt sehen könnt!

    Alles Gute und schickts ma amoi a Koatn ;D
    Philomena und Familie!
  2. gaby
    gaby am 07.02.2017
    Wünsch Euch weiter alles Gute und vor allem schönes, warmes Wetter! Das habt ihr Euch inzwischen mehr als verdient... Und vielleicht sollte ich Euer Auto in meine Abendgebete mit einschließen :-) Bussi!!
    1. Maria Zehentner
      Maria Zehentner am 08.02.2017
      Hallo Gaby,
      vielen Dank für deine liebe Nachricht.
      Ja, das mit dem Wetter ist so eine Sache. Wir sind immer noch auf Kreta, bereits seit 3 Wochen! Auch hier schlägt der Winter gut an.
      Unter tags herrschen zwar sonnige Temperaturen, 15-20 Grad, aber es weht ein eisiger Wind, was uns aber nicht davon abhält, ins Meer zu springen.
      Werden vermutlich morgen auf das Festland zurückfahren, dann gehts weiter in die Türkei, und da herrschen eisige Temperaturen. Es kann aufjedenfall nicht schaden, unseren Akela in deine Abendgebete einzuschließen...;-)
      Es freut mich, dass du unsere Blogbeiträge verfolgst, ich hoffe, du hast Spaß beim Lesen
      Viele liebe Grüße
      ML2
  3. Maria Zehentner
    Maria Zehentner am 08.02.2017
    Hallo Ihr Lieben,
    eure Nachricht hat uns total gefreut, vielen Dank.
    Uns geht es allen gut, Lennox hat sich die linke Hand gebrochen vor 2 Wochen, und heute waren wir noch einmal zur Nachkontrolle im Krankenhaus. Mittlerweile kennt er schon sämtliche Krankenhäuser in Griechenland ;-)
    Der Spaß läßt noch ein bisschen auf sich warten, aber wir bemühen uns. Es ist für uns alle 3 eine große Umstellung.....
    Derzeit sind wir auf Kreta, werden aber höchst wahrsch. morgen mit der Fähre zurück nach Piräus fahren, dann gehts quer zurück durch Griechenland in die Türkei. Da fängts dann vermutlich an, ein wenig ungemütlich zu werden, eisige Temperaturen.
    Philomena, eine Karte schicken wir dir auf jeden Fall, versprochen...;-)
    Alles liebe an dich und deine Familie, ich hoffe ihr lest alle fleissig mit
    Liebe Grüße und dickes Bussi an alle
    ML2
  4. Peter
    Peter am 15.02.2017
    Eine Standheizung wird nur im Winter kaputt! Bei mir ist die Motorvorwärmung(Wasserstandheizung)abgraucht....Habe in Mittersill bei minusgraden eine neue reinzangelt... Im Frühjahr gehts immer bessser..
    Jeden Tag eine Sache erledigen reicht auf Reisen..
    Liebe Grüße aus dem August, Peter

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