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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 30.06.2017

Die kaspische See - der Umweg!

 

Aserbaidschan - Kasachstan Mai 2017


Da uns ein Transitvisum durch Turkmenistan ohne Angabe von Gründen verwehrt wurde, mussten wir uns um eine Alternative umsehen die unsere geplante Route nicht komplett über den Haufen warf. Nach langen Überlegungen entschieden wir uns für die Caspian Sea Ferry, eine Reederei welche von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku eine Fährverbindung nach Aqtau in Kasachstan anbot. Allerdings mussten wir für diese Variante einen Umweg von über 2000 km auf uns nehmen.
Die Einreise in den Aserbaidschan verlief verhältnismäßig unkompliziert, allerdings erforderte es einen gehörigen, bürokratischen Aufwand. Wie an vielen Grenzen, die wir bis dato hinter uns gelassen hatten, mussten sämtliche Stempel und Einreisepapiere in unterschiedlichen Büros organisiert werden. Ein Strichcode, der die letzte Hürde für eine erfolgreiche Einreise war, brachte uns schier zum Verzweifeln. Doch auch dieser war irgendwann unser, und einer erfolgreichen Einreise stand nichts mehr im Wege.

Die ersten Kilometer in dem ungeplanten Land ließen unsere Herzen jedoch schnell höher schlagen. Freundlich lächelnde Menschen mit viel Gold in den Gebissreihen winkten uns enthusiastisch entgegen. Viele landwirtschaftlich bewirtschaftete Felder und saftig grüne Wiesen boten sich unseren Augen dar. Der von uns viel gehasste Straßenmüll, mit dem wir bislang in allen Ländern konfrontiert wurden, blieb zu unserem großen Erstaunen aus. Aber das Beste von allem war, kein Kopftuchzwang! Frauen waren gekleidet wie Frauen eben gekleidet sind wenn die Sonne heiß vom Himmel brannte. In ärmellosen T-Shirts, Röcken oder Hosen. Ein großes Manko gab es allerdings. Die Straßen waren katastrophal, ein Schlagloch jagte das nächste.
An einem Supermarkt mit Bankomat (es war eine Wohltat nach dem Iran endlich wieder unkompliziert an Geld zu gelangen) hielten wir, und wenn ich sage dass wir diesen stürmten, dann ist das nicht übertrieben. Auf unserer Einkaufsliste stand Bier, Bier und nochmals Bier.

Nicht dass wir auf Entzug waren, doch nach sechs Wochen Abstinenz dünkte es uns nach dem Gerstensaft. Lennox war nach dem Trubel der Grenzformalitäten eingeschlafen, weshalb wir ungeniert unsere elterliche Vorbildfunktion über Bord warfen und noch während der Fahrt eine Hülse öffneten und genüßlich leerten. Blitzschnell überkam uns ein Gefühl von Freiheit, ob es nun an dem 13%igen Alkoholgehalt des Getränkes lag, oder einfach nur daran endlich wieder Mensch sein zu dürfen spielte keine Rolle. Es fühlte sich hervorragend an, und alleine das zählte.
Nach einigen Stunden die wir auf mehr als holprigen Strassen zugebracht hatten, hielten wir an einem Restaurant neben der Straße, aßen dort eine Kleinigkeit und fielen durchgerüttelt in die Falle.

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Baku in die Hauptstadt. Baku ist eine relativ junge Stadt und eroberte auf Anhieb einen top ten Platz in unserem persönlichen Städteranking. Der Stadtverwaltung ist es exzellent gelungen alte historische Gebäude mit moderner Architektur harmonisch in Einklang zu bringen.
Auf der Suche nach einem Ticketschalter für die Fähre ist uns dann Johannes über den Weg gelaufen. Ein Österreicher, der mit dem Motorrad unterwegs war, um seiner Freundin in Südkorea einen Heiratsantrag zu machen. Eine schöne Motivation um solch eine Distanz auf sich zu nehmen, wie ich finde. Allerdings wurden wir in Baku nicht fündig. Am hiesigen Hafen verwies man uns auf das 80 km entfernte Alat, von wo auch die Fähe ablegen sollte. Also machten wir uns erneut auf den Weg. Die Straßen waren mittlerweile wieder in einem guten Zustand, und Akela bretterte über den Asphalt. Doch das Vergnügen war nur von kurzer Dauer.
Ganz unerwartet vernahmen wir plötzlich einen metallischen dumpfen Knall. Bei einem Kontrollblick durch den Rückspiegel konnten wir einen Gegenstand davon segeln sehen. Abrupt stoppten wir die Maschine um das Teil von der Straße aufzulesen. Leander ordnete es der Lichtmaschine zu, konnte aber nicht feststellen ob es von großer Bedeutung war. Herrgott noch mal, nahm denn das Dilemma kein Ende?


Wir konnten uns daran erinnern, beim Einfahren in die Stadt an einer großen MAN Werkstatt vorbeigefahren zu sein, weshalb wir kurzerhand umdrehten und trotz Sonntag unser Glück versuchten. Doch leider ohne Erfolg, das Security Personal vertröstete uns auf Montag morgen.
Kurzerhand entschieden wir uns, unseren ohnehin schon mächtig strapazierten Geldbeutel noch weiter zu belasten und mieteten uns für eine Nacht in einem der vielen Hotels an der Küste ein. Denn auch die Seele und das Gemüt gehörten ab und an Bauch gepinselt, und nach all den Strapazen der voran gegangen Wochen war dies dringend einmal nötig. Endlich war es uns vergönnt ein wenig loszulassen und abzuschalten. Lennox powerte sich am Pool aus und Abends wurden wir mit einem Buffett verwöhnt, welches uns feiner und köstlicher kaum irgendwo anders kredenzt wurde.
Johannes ließen wir eine Nachricht zukommen, dass wir eine Panne hatten und mit Verzögerung in Alat eintreffen würden. Er versprach uns fährtechnisch auf dem Laufenden zu halten, da es keinen geregelten Abfahrtsplan gab.
Nach einer erholsamen Nacht standen wir tags darauf pünktlich um neun Uhr vor den Pforten der Werkstatt, wie schon so oft! Gott sei Dank stellte sich heraus, dass das verlorene Teil zur Abdeckung der Lichtmaschine gehörte, und nicht von großer Relevanz war. Da sich die Gelegenheit in einer großen, namhaften Werkstatt anbot, ließ Leander Akela durchchecken. Die Mechaniker fanden keine gröberen Mängel, lediglich die Bremsen wurden neu eingestellt, das wars.


Allerdings bereitete uns etwas anderes Kopfzerbrechen. Ein kleiner Streuner auf vier Pfoten schlich sich in unsere Herzen. Schmutzig, verdreckt und mit knopfrunden Kulleraugen tapste er Lennox auf Schritt und Tritt hinterher, als ob sie schon ewig vereint wären. Es war Liebe auf den ersten Blick. Beim Anblick den Beiden beim Spielen und Herumtollen zuzusehen wurde mir warm ums Herz. Lange grübelten Leander und ich hin und her, ob wir ihn einfach einpacken und mitnehmen sollten. Als ihn die Angestellten der Werkstatt bei unserer Abfahrt dann auch noch ins Führerhaus bugsierten und sich Baku (so hatten wir ihn bereits getauft) ganz selbstverständlich um Lennox`s Füße schmiegte, so als ob er es nicht anders gewohnt war, mussten auch wir schlucken. Doch die Vernunft siegte. Der Vierbeiner würde unsere Reise noch mehr verkomplizieren. Dass er keine Papiere besaß, war noch die geringste unserer Sorgen. Wir hatten Schiffspassagen geplant und im September wollten wir für ein Monat nach Hause fliegen. Wohin mit dem Hund, der noch unerzogen und frech war, und das Reisen im LKW nicht gewohnt war? Er wäre eine erhebliche Zusatzbelastung gewesen und würde uns noch mehr der nicht vorhandenen Zeit stehlen, und.... wir hatten bereits mit Lennox zu kämpfen, dem das Reisen nicht ganz so leicht viel, wie wir es uns erhofft oder erwünscht hatten.


Er vermisste seine Freunde, und das massiv. Kinder die wir während der Reise trafen waren zwar eine nette Abwechslung, konnten aber seine Spielgefährten zuhause nicht kompensieren. Der Iran ist ein riesiges Land und wir legten tausende von Kilometern zurück. Wenn wir nicht hinterm Steuer saßen, dann standen wir zumeist in Werkstätten. Hitze, Wüste, Sand und Staub bereiteten ihm, und auch uns, auf Dauer erhebliche Probleme. Hinzu kam, dass überall wo Lennox auftauchte, ihn die Menschen berühren wollten und ihn für Fotos zu positionieren versuchte. Was dazu führte, dass der Kleine nicht mehr aus dem Truck zu kriegen war. Er war unausgelastet und oftmals machte sich Langeweile und Missmut breit. Dies wiederum äußerte sich dahingehend, dass er uns gegenüber aggressiv und trotzig reagierte.
Nicht nur einmal bekamen wir bereits vor dem Frühstück an den Kopf geknallt, dass wir doofe Eltern seien, er uns nicht mehr lieb hätte und die Weltreise total langweilig wäre. Was wir auch verstanden, denn die letzten Wochen waren alles andere als kindgerecht. Spaß und Action wurden von Werkstätten und Stress verdrängt. Manchmal brachte er uns an den Rand der Verzweiflung. Egal für welche Taktik wir uns entschieden, sie war zum Scheitern verurteilt. Es gab Tage, da erkannten wir unseren eigenen Sohn nicht wieder, dann wiederum gab es welche, da schien die Welt für ihn völlig in Ordnung zu sein.

Es war ein auf und ab der Gefühle, sowohl bei ihm, als auch bei uns. Ein Gefühlschaos sondergleichen. Wenn wir ihm an schlechten Tagen die Frage stellten, ob er die Reise abbrechen möchte und zurück nach Österreich wolle, brauchten wir nicht lange auf eine Antwort warten. Ein - Ja - kam wie aus der Pistole geschossen. Obwohl er anwesend war und mit eigenen Augen mitbekam, wie ein Möbelstück nach dem anderen verkauft und aus der Wohnung getragen wurde, hielt er immer noch daran fest, dass die gewohnten vier Wände in Anthering auf uns warten würden. Bei dem Versuch ihm zu erklären, dass auch bei einer Rückkehr nach Österreich nichts mehr so sein würde wie er es gewohnt war, flossen oftmals Tränen – auf beiden Seiten. Es brach uns das Herz, unseren Sohn so unglücklich zu sehen. Doch wir durften, konnten und wollten nicht aufgeben. Wir mussten etwas finden, um unseren Sohn wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Große Hoffnung setzten wir in die folgenden Länder. Die Temperaturen sollten milder werden und endlich waren Berge und Seen auf unserer Route. Terrain, auf dem wir uns zu Hause alle drei pudelwohl fühlten. Wenn nun endlich auch der Truck herhielt, dann sollte sich alles zum Positiven wenden. So hofften wir zumindest.
Nachdem wir nach dem Verlassen der Werkstatt noch einmal umdrehen mussten, da unsere Bremsen feststeckten (das Einzige was repariert wurde) konnten wir endlich Alat ins Ziel fassen.

Johannes schrieb uns, dass wir nichts versäumt hätten, und bis dato keine Fähre aus dem Hafen ausgelaufen wäre. Beim Eintreffen im Hafen waren wir nicht die einzigen Overlander, die auf ein Schiff hofften. Weitere Österreicher, Spanier, Italiener, Holländer, Schweizer – alle versuchten ihr Glück. Ob mit umgebauten Autos, Motorrädern, Fahrrädern oder gar zu Fuß, alles war vertreten und im Nu entstand eine lustige Truppe. Für knapp €800 ergatterten wir ein Ticket für Akela und eine Kabine für uns. Entgegen aller Horrorreiseberichte die im Netz kursierten, hatten wir auf der Überfahrt richtig Glück. Um sechs Uhr am nächsten Morgen wurde mit den Einschiffungsformalitäten begonnen, drei Stunden später stachen wir in See. Poseidon war uns hold und bescherte uns eine sanfte Überfahrt. Das Schiff selbst und die Kabinen waren, nun ja, nennen wir es mal „zweckmäßig“. Einfach, schmutzig, verkommen – aber zweckmäßig – und um mehr ging es nicht. Nach knapp 24 Stunden erreichten wir den kasachischen Hafen Aqtau.
Gut gelaunt wurde unser bunt zusammengewürfelter Haufen von Bord gelassen.

Die Ausreise aus dem Aserbaidschan verlief komplett unkompliziert und war in wenigen Augenblicken erledigt. Bei der Einreise nach Kasachstan hatten allesamt weniger Glück. Inklusive Mittagspause der Beamten dauerten die Zollformalitäten beinahe sechs Stunden. Die Kasachen nahmen es mit der Inspektion etwas genauer. Bei den meisten zuvorgehenden Grenzen konnten wir die Zöllner davon abhalten in die Fahrerkabine zu klettern, da wir ihnen weis machten, keine Einstiegstreppe zu haben. Diese war gut unter dem Rahmen des Autos versteckt, und nur bei genauerem Hinsehen erkennbar.
Oftmals waren die Beamten zu faul um in die Kabine zu klettern. Nicht die Kasachen. Mit den Füßen auf alten Geschirrtüchern robbten sie von einem Ende zum anderen, da Schuhe in Akela absolutes Tabu waren. Daran hatten sich auch Grenzzöllner zu halten. Gefunden haben sie nichts interessantes. In Erinnerung blieb mir noch der Drogenhund. Ein kleiner schwarz-weißer Cockerspaniel, der seiner Körperfülle nach zu urteilen, eher auf das Aufspüren von Süßigkeiten gedrillt war, als auf das Erschnüffeln illegaler Konsumgüter. Nachdem die Hafengebühr entrichtet war, und wir für €70 eine Autoversicherung abgeschlossen hatten, hieß es für uns endlich „Welcome to Kasachstan“.
Das Relief von Kasachstan ist sehr vielfältig, wobei der größte Teil des Territoriums aus Ebenen, niedrigen Bergen und Hügeln besteht. Soweit das Auge reichte konnte man herumtobende und grasende Pferde in der grünen Steppe beobachten. „Kasach“ bedeutet übersetzt Steppenreiter, so ist es nicht verwunderlich, dass einem Sprichwort zufolge ein echter Kasache im Sattel geboren wird.

Mit dem österreichischen Pärchen Martin und Valerie und den beiden Spaniern Carlos und Sergio verstanden wir uns bereits auf der Fähre prächtig, weshalb wir beschlossen, die nächsten Kilometer gemeinsam on the road zu sein.
In der kleinen Hafenstadt Aqtau, was soviel wie „weißer Berg“ bedeutet, deckten wir uns noch mit Lebensmitteln in einem Supermarkt ein und folgten Martins Plan, etwa 80 km nördlich an die kaspische Küste zu steuern. Dort hatte er einen netten Flecken am Meer ausgekundschaftet, den er für baden, entspannen und relaxen perfekt hielt.
Im Grunde sind die Straßen Kasachstans brandneu oder gerade in Arbeit. Allerdings kamen uns auf den letzten 20km bis zu unserem Ziel die bis dato schlechtesten Straßen unter, auf denen wir je gefahren waren. Wir sprechen hier nicht mehr von Schlaglöchern, sondern von Furten, Spurrinnen und kratertiefen Löchern. Teilweise kam man auf der nebenherführenden Sandpiste in der Steppe zügiger voran. Wenn ich sage, daß wir kaum schneller als 10km/h unterwegs waren und für die letzten Kilometer mehrere Stunden benötigten, dann ist das nicht übertrieben. Wir konnten nur hoffen, dass Martin einen guten Riecher hatte und es die Plackerei, die sowohl für das Auto als auch für uns eine große Herausforderung darstellte, wert war. Als wir endlich ankamen, konnte man ihm keinen Vorwurf machen. Der von Felsen eingesäumte Strandabschnitt war wunderschön und das Meer glasklar. Doch leider wie sooft an schönen Plätzen konnte man kaum einen Schritt tun, ohne nicht auf Glasscherben oder Müll zu treten. Mir stand es mittlerweile bis zur Oberkante Unterkiefer. Unser Planet ist so wunderschön und einzigartig, doch wir Menschen zeugen keinen Respekt und fühlen uns nicht einmal angesprochen, verantwortlich oder schuldig, und sehen tatenlos zu wie die Welt im Dreck versinkt. In den Ländern die wir aktuell durchreisten, fehlte es oftmals an grundlegenden Dingen, da stand Umwelterziehung natürlich oftmals hinten an, was vielerorts zu sehen war.


Bei Ankunft wurden wir mit kräftigen Windböen empfangen, weshalb wir ein erfrischendes Bad im kühlen Nass auf den nächsten Morgen verschoben. Während Lennox mit Martin auf Schlangenjagd ging, bereiteten wir Mädl`s das Abendbrot zu. Der Rest der Bande suchte Feuerholz. Bei einer lustigen Runde am Lagerfeuer ließen wir den Abend ausklingen und verfrachteten im Anschluss unsere durchgerüttelten Gebeine ins Bett.
Leider spielte am nächsten Tag, sehr zu unserem Bedauern, das Wetter ebenfalls nicht mit. An ein vergnügliches Planschen im Meer war nicht zu denken. Weshalb wir nach kurzer Beratschlagung unsere Zelte abbrachen und die geplante Route Richtung usbekische Grenze fortsetzten. Beim üblichen Kontrollgang um Akela vor der Abfahrt machte Leander allerdings eine sehr unerfreuliche Entdeckung. Die Lichtmaschine war an allen Seiten beinahe aus ihrer Verankerung gerissen. Über die Ursache mussten wir nicht lange grübeln, die letzten 20km waren Gift für unseren Brummi gewesen. Die Jungs machten sich ans Werk und versuchten das Teil so gut es ging mit Draht und Kabelbindern zu stabilisieren. Die größte Sorge lag darin, die Lichtmaschine zu verlieren, denn dann stand die Mühle. So konnten wir unmöglich weiterfahren, weshalb wir uns entschieden wieder zurück nach Aqtau zu fahren, um dort eine Werkstatt ausfindig zu machen.
Mit Zittern und Bangen in der Magengrube kutschierte Leander Akela über die Muggelpiste, frei nach dem Motto „Augen zu und durch“, die provisorische Befestigung hielt. An der Hauptstraße trennten sich unsere Wege dann vorerst. Während die vier die geplante Tagesetappe angingen, führte uns das Ziel zurück in die Hafenstadt um einen geeigneten Mechaniker zu finden.
Die Kommunikation auf Reisen ist ebenfalls ein Thema für sich. Hat man sich gerade die Basics des letzten Landes angeeignet und kann sich einigermaßen verständigen, verlässt man die Grenze auch schon wieder und betritt neues Terrain. Kasachstan hat zwei offizielle Amtssprachen, kasachisch und russisch. Keine von beiden war uns auch nur ansatzweise geläufig. Da (ja), njet (nein) und spasibo (danke), dann war auch schon aufgeräumt mit unserem russisch!
Doch das Wort „mecanic“ scheint weltweit geläufig zu sein. Nach kurzem Durchfragen und Suchen standen wir vor den Toren eines großen Toyota Centers. Der Chef sprach englisch und lotste uns in den Hinterhof, wo sich zwei Schrauber über Akela stürzten. Ich denke, sie hatten keine große Erfahrung mit LKW`s, doch da unser Oldie frei von moderner Technik war, sollte es keine allzu große Herausforderung darstellen, eine Halterung für die Lichtmaschine ordentlich einzubauen bzw. zu reparieren. Nach knapp zwei Stunden Arbeit legten die Jungs das Werkzeug beiseite und wir waren abfahrtbereit. Die Reparatur kostete uns inklusive benötigtem Material circa €50. Martina, die Sekretärin die ganz aufgeregt war endlich ihr Englisch anwenden zu können, überreichte uns noch Schokolade, T-Shirts und Käppis, bevor sie uns mit trauriger Miene hinterher winkte.

Das war besser gelaufen als gedacht, und jetzt hieß es Gas geben. Die Vorhut hielt uns via SMS auf dem Laufenden, was ihren Standpunkt anbetraf. Die Zielkoordinaten waren ungefähr 170 km von Aqtau entfernt, und es war bereits später Nachmittag. Wenn wir die Truppe einholen wollten, mussten wir Nachtfahrstunden in Kauf nehmen. Etwas, was wir eigentlich partout vermeiden wollten, da es schlichtweg zu gefährlich war in diesen Ländern bei Dunkelheit auf der Straße zu sein. Pferde, Kamele, Kühe und Ziegen, alles war auf dem Asphalt unterwegs! Und natürlich nicht zu vergessen - die Kasachen selbst, die mit ihren uralten Ladas und Trucks durch ihre Fahrweise auch nicht gerade zur allgemeinen Sicherheit beitrugen.
Gegen 22:00 Uhr erreichten wir den Stellplatz der Vier. Sie campten ein wenig abseits des kleinen Dörfchens Shtepe, mitten in der Pampa. Nach einer kurzen Berichterstattung, wie es mit Akela in der Werkstatt gelaufen war, fielen wir ohne Abendessen, wir waren schlichtweg zu müde dafür, in unsere Betten.
Als wir am nächsten Morgen die Augen öffneten waren Valerie und Martin bereits unterwegs um einen TIR Park zu checken. In meiner Naivität vermutete ich hinter dem Schild, welches mir tags zuvor ebenfalls bei der Durchfahrt durch Shtepe ins Auge gestochen war, einen „Tierpark“. Doch dem war natürlich nicht so. Vielmehr war es eine Raststätte, die vorwiegend für Fernfahrer gedacht war. Es gab Duschen, ein kleines Restaurant und auch die Gelegenheit sich auszurasten. Die Waschmöglichkeit nahmen wir gegen eine geringe Gebühr gerne in Anspruch.

An dieser Stelle splittete sich unser „Bushcamp“ auf. Während Valerie und Martin auf Grund von Recherchearbeit für ein Buch weiter in Kasachstan verweilten, steuerten die Spanier und wir die usbekische Grenze an. Nach einem unspektakulären Fahrtag und einer ruhigen Nacht neben der Straße, setzten wir uns zeitig am nächsten Morgen hinters Steuer um die letzten Kilometer auf kasachischem Boden hinter uns zu bringen. In dem Glauben, die Grenze am frühen Nachmittag zu erreichen, fuhren wir vergnügt darauf los. Allerdings raubten uns die letzten 80km bis dorthin den letzten Nerv. Wir benötigten sechs Stunden. Bei der Dauer der Strecke bedarf es wohl keiner näheren Erklärung in welchem Zustand sich die Straßen befanden. Völlig gerädert, genervt und mit steifen Gliedern erreichten wir den Checkpoint.
Beim näherkommen war zu erkennen, dass bereits eine lange Schlange darauf wartete über die Landesgrenze zu gelangen. Carlos und Sergio tendierten dazu vor der Grenze zu campieren und auf den nächsten Tag zu warten. Leander wollte unbedingt noch am selben Tag passieren, weshalb er den Truck abstellte und zu den Beamten vor ging um sich zu erkundigen wie die Sachlage war. Nach kurzer Zeit kam er zurück und verkündete, dass Touristen keine Wartezeit in Kauf zu nehmen hätten und wir sofort abgefertigt würden. Nach kurzer Überzeugungsarbeit schlossen sich die Spanier uns an und wir machten uns auf den Weg Richtung Usbekistan.

 

 

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