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Blog

Author: Maria Zehentner
Beitrag vom: 03.02.2018

Der letzte Samurai!

Japan – Dezember, Jänner, Februar 2017/2018


Gegen 16:00 Uhr konnte Leander Akela an Deck der Camellia Lines fahren. Die Wartezeit bis zum Personen Boarding überbrückten wir im Hafenterminal gemeinsam mit Remo, den es zufällig auch nach Japan verschlug.
Die gebuchte Second Class Kabine teilten wir mit neun anderen Reisenden, was sich unerwarteter Weise als äußerst ruhig und angenehm entpuppte. Eine Tatamimatte als Unterlage und eine dünne Decke fungierten als Bett.

Kurz nach dem Ablegen schnappten wir unsere Handtücher und nutzten den kleinen Spa Bereich für eine dringend nötige Dusche. Das Schiff selbst wirkte modern, gepflegt und sauber. Während sich Lennox in der Kabine von den anwesenden Damen betüdeln und beschenken ließ, genehmigten wir uns im Aufenthaltsraum gemeinsam mit Remo ein Bier. Wir taten dies nur aus reiner Vorsichtsmaßnahme, um den eventuell bevorstehenden Wellengang zu kompensieren. Doch allen Vorkehrungen zum Trotz verlief die Überfahrt äußerst smooth und relaxed. 
Früher als erwartet, um 06:00 Uhr morgens, wurde Leander vom Personal geweckt, um den Oldie abzuladen. Alles funktionierte reibungslos und war gut organisiert! Wenig später konnten auch wir das Schiff verlassen und gelangten als eine der Ersten zur Personenkontrolle. Dort durften wir in eine Kamera lächeln und unsere Fingerabdrücke hinterlassen. Innerhalb weniger Minuten hatten wir den Einreisestempel im Pass. Nun hieß es Daumen drücken, damit es beim Truck genauso schnell funktionierte. 

Im Eingangsbereich erwartete uns bereits ein Herr der zuständigen Behörde. Er war super nett und höflich, doch leider gingen die Informationen und Preise seiner Unterlagen nicht mit unseren konform. Doch siehe da, wenige Telefonate später waren alle Ungereimtheiten geklärt. Next step, Truck Inspektion. Unsere Einstiegsleiter zur Wohnkabine war leider defekt, wie an jeder Grenze, deshalb konnte sie nicht ausgefahren werden, Trick 17 ;-). Und er funktionierte auch hier. Denn oft verhinderte die leibliche Statur des Kontrolleurs ein sportliches Einsteigen in den Truck. Wie auch in diesem Fall. Der Beamte steckte kurz die Nase in den Container, das wars! Die oft vertretene Meinung, dass die japanischen Behörden bei der Einreise sehr mühsam wären, konnten wir nicht bestätigen. 
Den nächsten Schritt den es zu erledigen gab, um offiziell auf japanischen Straßen fahren zu dürfen, sah einen Besuch beim japanischen Automobilclub, kurz JAF, vor. Dort mussten wir unsere Carnet de Passage auf ihre Echtheit überprüfen lassen. Wir hatten bislang zwar noch nie die Echtheit unserer CdP`s angezweifelt, aber was soll`s. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Japaner waren die Erfinder von Kontrollen. Eine Stunde dauerte der Check unserer Dokumente, et voila? Sie stellten sich tatsächlich als echt heraus. Die Bearbeitung unserer CdP`s war kostenlos und die Angestellten agierten äußerst höflich. Gemein war halt wie sooft, der sinnlose Zeitverlust aufgrund  mühsamer Bürokratie.

Wir wurden zurück zum Hafen gebracht, wo noch Akela`s Zollpapiere fertig bearbeitet werden mussten. Die gerade beginnende Mittagspause im Amt verzögerte unseren Start nochmals um eine weitere Stunde. Danach ging es aber wirklich schnell.
Unsere ersten Meter auf japanischem Boden, unglaublich! Gleich mal merken, Linksverkehr mit eng bemessenen Strassen. Wir hatten den ganzen Tag noch nichts gegessen und sollten relativ schnell einen Schlafplatz finden, denn es dunkelte bereits. Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit auf Parkplatzsuche waren, stellten wir Akela quasi in der Fußgängerzone von Hakata ab, und sprangen in die erst beste Burgerbude um zu essen. Danach kletterten Lennox und ich in den Truck zurück um parat zu sein, falls es Probleme mit Anrainern oder der Polizei geben sollte. Leander sprintete derweil in einen großen Elektronik Store und versuchte an leistbares Internet zu gelangen, was laut unseren belgischen Freunden die schon mehrere Wochen in Japan unterwegs waren und uns laufend mit Infos versorgten, sehr kompliziert sein sollte. Jedoch nicht für Leander. Geraume Zeit später kam er lächelnd mit einer lokalen Sim Karte zurück. 

Jetzt fehlte nur noch ein Schlafplatz. Auf den ersten Blick würde ich in den Raum stellen, dass sich das Thema „Parkplatzsuche“ in Japan als große Herausforderung erweisen wird. In der Innenstadt suchten wir vergebens, also fuhren wir trotz einkehrender Dunkelheit weiter an den Stadtrand. Auch hier schien es nicht einfacher zu werden. Es gab zwar viele große und freistehende Parkflächen, doch zu unserem Leidwesen waren die durch Schranken verriegelt. Bis wir an einem Restaurant vorbei fuhren, dass genügend Platz bot. Anstandslos erlaubte uns der Besitzer dort zu übernachten. Gott sei Dank, denn wir waren hundemüde, und fielen umgehend in unsere Betten. 
Hakata liegt auf Kyushu, der südwestlichsten der japanischen Hauptinseln. Obwohl dort weitgehend subtropisches Klima herrschte, durften wir nicht vergessen dass Winter war, was bedeutete, dass es kalt und windig war. Wir hatten einen groben Plan für die Insel ausgearbeitet, der aus einem gesunden Mix zwischen Geschichte, Natur und Kultur bestand. Japan gehörte zu den wenigen großzügigen Ländern auf unserer Reise, dass uns einen 90 tägigen Aufenthalt ohne Visa gewährte. Was uns ein relativ großzügiges Zeitfenster für dieses Land ermöglichte.

Um teuere Autobahngebühren zu vermeiden machten wir uns auf unseren ersten Kilometern mit Überlandstrassen vertraut. Dieses Unterfangen gaben wir allerdings schnell wieder auf, und handelten stattdessen mit Nexco, dem Hauptbetreiber der japanischen Mautstrassen, eine schriftlich Bestätigung aus, in der Akela als Auto klassifiziert wurde. Was er laut österreichischen Papiere auch offiziell war. Nur lag das Problem darin, dass die Japaner diesen Eintrag nicht lesen konnten. Erschwerend kam hinzu, dass Akela neben einem winzigen Zollhäuschen, mit einer noch winzigeren Japanerin darin, eher wie ein Monstertruck wirkte, als wie ein Kleinwagen. Doch mit dieser Bestätigung sollten wir uns weitere Diskussionen, und einige Yen an jeder Mautstellen ersparen. 
Begonnen haben wir mit unserer Tour in der Stadt Kumamoto. Sie war vorwiegend für ihr „Kumamoto Castle“ bekannt, einem ehemaligen Samurai Haus. Rund um das Gebäude gab es zwei große Parkplätze die beide mit Schranken und Security Männern abgeriegelt waren. 
In Japan sind vorwiegend ältere Männer mit dem Amt eines Parkwächters vertraut. Viele müssen sich in ihrem wohlverdienten Ruhestand ihre kaum vorhandene Rente aufbessern, um zum Familienbudget beizutragen. Denn gleich wie in Südkorea steckt auch die japanische Altersvorsorge noch in Kinderschuhen. 
Wir versuchten es an beiden Parkplätzen und ernteten bei beidem das selbe Ergebnis. Bereits bei der Zufahrt liefen uns die Männer entgegen und schlugen ein X mit ihren Armen, was für unseren Brummi soviel hieß wie „draussen bleiben“. Nach längeren Diskussionen wollten uns dann doch beide einfahren lassen. Der eine für knapp € 50 pro Tag, der andere für € 25. Wir nahmen den anderen und stellten Akela ab. Die unverschämt teure Gebühr schmerzte natürlich sehr. Die letzten Meter zur Burg unternahmen wir zu Fuß. Wir spazierten rund um den Schlossgraben und suchten vergeblich einen Eingang. Bei näherem Betrachten erkannten wir erst, dass unzählige Baugerüste und Absperrungen um das Castle angebracht waren. Wir erkundigten uns bei einem Passanten der uns darüber aufklärte, dass ein schweres Erdbeben 2016 das Gebäude beinahe zur Gänze zerstörte, und die Renovierungsarbeiten noch die nächsten 16 Jahre andauern würden. Leander`s und meine Blicke kreuzten sich, und wir mussten beide im selben Moment lachen. 16 Jahre waren eindeutig zu lange zum warten. Doch die Enttäuschung darüber hielt sich in Grenzen, denn wir sollten noch oft die Gelegenheit bekommen, beeindruckende Bauwerke zu besichtigen. Durch die kurzfristige Planänderung schöpften wir die Parkdauer nicht aus und bekamen nach mühsamen Verhandlungen unser Geld wieder zurück. 

Da sie keinen großen Umweg bedeutete, besuchten wir den Takachiho Gorge. Eine Schlucht geformt aus den Lavamassen des Mount Aso, inmitten der Berge von Kyushu. Die letzten Kilometer zu dem kleinen Canyon gestalteten sich unangenehm schwierig. Auf engen japanischen Strassen musste sich der Brummi durch mehrere steil bergab führende Serpentinen quälen. Solche Anstrengungen waren beide nicht mehr gewohnt, weder Akela noch Leander. Allerdings waren die zwei mittlerweile ein eingespieltes Team und verloren selten die Nerven. Am Parkplatz angekommen grüßte ewig das Murmeltier, Parkplatzverhandlungen. Doch wir konnten die Männer überzeugen und bekamen grünes Licht. Es dunkelte bereits und wir mussten uns sputeten, um noch einen kurzen Blick auf den Manai Wasserfall zu werfen, der gleich um die Ecke lag. Es war wunderschön und mystisch zu gleich. Das laut herab plätschernde Wasser wurde durch bunte Beleuchtung noch zusätzlich in Szene gesetzt. Tagsüber konnte man mit einem Ruderboot durch den Canyon fahren. Angesicht der winterlichen Temperaturen sparten wir uns dieses romantische Vorhaben.  
In Japan gab es Überland Raststätten mit dem Namen Michi no Eki. Ausgestattet mit kleinen Supermärkten, Restaurants und Toiletten wurden sie vor 20 Jahren gegründet um ein sicheres Straßenverkehrsumfeld zu gewährleisten. An einem solchen schlugen wir unser Nachtlager auf. Bereits während unseres Spielenachmittags im Truck bemerkten wir, dass der Parkplatz gut frequentiert war. Vor allem Nachts durften wir die leidvolle Erfahrung machen, dass japanische Trucks dem Anschein nach nicht mit Standheizungen ausgestattet waren. Wir waren umringt von LKW`s mit laufenden Motoren, die dementsprechend für einen erholsamen Schlaf sorgten ;-). Doch auch daran gewöhnten wir uns im Laufe der Zeit. 

Es war einen Tag vor Heilig Abend, und den wollten wir nicht am Strassenrand oder in einer Stadt verbringen. Sooft es ging, zog es uns raus in die Natur. In einer halbtages Etappe erreichten wir die Vulkanregion Aso. 
Die Caldera des Mount Aso erstreckte sich über ein Ausdehnungsgebiet von 25 km in der Länge und 18 km in der Breite. In diesem Krater befanden sich wiederum fünf weitere Vulkane, von denen der Naka-dake (1592m) als Einziger immer noch aktiv war. Bei seinem letzten Ausbruch 1957 kamen 12 Personen ums Leben. Weiters starben im Laufe der Jahre immer wieder Menschen durch Giftgasaustritte. Zuletzt erlagen 1997 12 Personen einer Gasvergiftung. Nach dieser letzten Katastrophe entschied sich die Regierung, die Wanderwege und die Seilbahn auf den Gipfelkrater für Touristen zu schließen.

Auf dem Weg hoch zur Caldeira stoppten wir mehrmals und hielten Ausschau nach einem geeigneten Christbaum. Nadelbäume gab es nicht. Schlussendlich viel unsere Wahl auf einen dicken Ast mit grünen Blättern. Doch es hießt ja nicht umsonst: „Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter“. Da sich wenige Touristen in der Region tummelten war es relativ einfach einen guten Stellplatz auf einer der Aussichtsplattformen zu ergattern. Wir wollten keine Zeit verlieren, denn das Wetter spielte großartig mit. Schnell schlüpften wir in unsere Wanderschuhe und marschierten los. Der klare Himmel ermöglichte eine traumhafte Aussicht über das Vulkangebiet. Es bestand vorwiegend aus schwarzem, zerklüfteten Lavageröll, durch welches sich die Jahre hinweg Pflanzen, Blumen und Sträucher durchgekämpft hatten. Der Hauptmagnet in dieser großartigen Landschaft war selbstverständlich der Naka-dake, aus dessen Krater unablässig Rauchschwaden emporstiegen. 

Froh, noch ein wenig Bewegung abbekommen zu haben, schmückten wir nach dem Abendessen gemeinsam den Baum und gingen zeitig schlafen. Heftiges Prasseln auf dem Dach weckte mich zeitig am Morgen. Oh nein, es regnete in Strömen. Die Wetter App hatte schon ähnliches prophezeit, doch die Hoffnung starb zuletzt. Es war noch früh am Morgen, mit etwas Glück sah die Wetterstimmung nach dem Frühstück zuversichtlicher aus. Doch der unerlässliche Regen, und ein hinzukommender Sturm verschlimmerten die Situation zusehends. Zunächst versuchten wir uns die Zeit mit Gesellschaftsspielen zu vertreiben, was auf Dauer aber auch langweilig wurde. Es war eine große Herausforderung für uns, gemeinsam mit einem sechs Jährigen der noch aus tiefstem Herzen an das Christkind glaubte, auf 12m2 die Nerven zu bewahren. Als mir Leander dann noch Wham`s Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ unter die Nase hielt überkam es mich, und ich begann zu weinen. Es war unser zweites Weihnachten fern von zu Hause. Ich vermisste meinen großen Sohn und wollte heim. Auf der Stelle! 

Um nicht gänzlich dem Trübsal zu verfallen zogen wir Regenklamotten an und wateten eine Runde um den Block, zum abkühlen. Und siehe da, genau dieses kurze Zeitfenster konnte das Christkind nutzen um Geschenke unter den Baum zu legen. Ich atmete erleichtert durch und freute mich, dass wir es nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch schafften, einen netten Abend zu gestalten. Die zweite Nacht auf dem Aso war eine der rumpeligsten und stürmischsten an die ich mich erinnern konnte. Phasenweise hatte ich wirklich Angst, dass eine Windböe Akela umkippen würde. Schweren Herzens packten wir am nächsten Morgen unsere Sachen und verließen die Vulkane. Wir wären gerne noch einen weiteren Tag geblieben um die Gegend zu erkunden. Doch das Wetter spielte gegen uns. Sturm und Regen ließen nicht nach, und versprachen auch für die nächsten Tage keine Besserung. Wir entschieden uns weiter Richtung Kurakowa zu fahren. Denn dort sollten sich die berühmtesten und populärsten Hot Springs von Japan befinden.

 Auf einer Seehöhe von 700m entlang des Tanohara Flusses, hatte man die Qual der Wahl und muss sich für eine der zahlreichen Quellen entscheiden.Die Japaner nennen ihre heißen Quellen „Onsen“. Im Allgemeinen versteht man darunter einen Ort mit Hotels, die über mehrere von natürlichen heißen Quellen gespeiste Bäder, meist für Männer und Frauen getrennt, verfügen. 

Über das ganze Land verstreut gab es zahlreiche naturbelassene Quellen, die jedoch mit einem Truck unseres Kalivers nur bedingt zugänglich waren. Vor Ort kauften wir uns einen“ Onsen Pass“ der es uns ermöglichte an mehreren heißen Quellen vertraut mit der japanischen Badekultur zu werden. Im Grunde kamen Onsen unserem Wellness Gedanken sehr nahe. Es gab verschieden temperierte Wasserbecken, um Körper und Geist zu entspannen. Sofern gemischte Becken vorhanden waren, verirrte sich dorthin nur selten eine Frau. Nach dem relaxen im heißen Wasser wurde der Körper geschrubbt, gewienert und gebohnert, ähnlich wie in Korea. Doch um ehrlich zu sein, die koreanischen Jimjilbang`s waren mir sympathischer, weil sie beheizt wurden. Japanischen Frauen machte es anscheinend nichts aus zu frieren, oder waren einfach nicht so zimperlich wie ich.

Es war nett, doch Leander und ich konnten mit Wellness nicht sonderlich viel anfangen. Lag vielleicht auch daran, dass wir in all den Einrichtungen nie die Gelegenheit hatten den Ruheraum zu nutzen. Unser Sohn empfand das Rasten nach einem heißen Bad als vergeudete Zeit, und erkannte den Sinn dahinter nicht, sehr zu unserem Bedauern.

Kyushu gefiel uns ausserordentlich gut. Jetzt waren wir gespannt auf Honshu. Während die kleinere der Hauptinseln viel Natur zu bieten hatte, erwartete uns auf der größten Insel Geschichte und Tradition. Und noch so einiges mehr wie sich herausstellen würde! Früh morgens starteten wir unsere Tagesetappe und fuhren nördlich Richtung Honshu. Die beiden Inseln waren mit einer Brücke verbunden, die gegen Gebühr überquert werden durfte.

Nach einer Übernachtung an einer Raststätte in the Middle of nowhere erreichten wir die Stadt Iwakuni. Eigentlich war kein Stop geplant, doch niemand hatte mehr Bock auf weiterfahren, deshalb entschieden wir uns zu halten. Das augenmerklich spektakulärste Bauwerk in der Stadt war die Kintai Brücke. Erstmals 1673 aus Holz gebaut, waren ihre fünf Bögen zu einem Symbol der Region geworden. Das kleine Iwakuni Castle, welches man zu Fuß oder per Seilbahn bequem erklimmen konnte gewährte gut geschützt, auf dem Gipfel eines Hügels, einen Einblick in alte japanische Traditionen. Somit hatte sich der ungeplante Aufenthalt in Iwakuni auf jeden Fall für uns gelohnt. Nach einer ruhigen Nacht verabschiedeten wir uns mit einem letzten Blick auf die Brücke und lenkten weiter Richtung Himeji.

Den hohen Bekanntheitsgrad hatte die Stadt vorwiegend ihrer beeindruckenden Burg zu verdanken, die seit 2015 nach einer mehrjährigen Komplettrenovierung in neuem Glanz erstrahlte, und die  Pforten für Touristen wieder geöffnet hatte. Himeji Castle zählte zu den schönsten Beispielen japanischer Burgbaukunst. Trotz ihrer architektonischen Schönheit wie zum Beispiel die weißen Aussenmauern, die geschwungenen Dächer und ihr spiralförmiger Grundriss, waren ihre Wehranlagen hoch entwickelt, so dass die Burg als praktisch uneinnehmbar galt. Die über 1.000 verschiedenen Kirschbäume die im Schlossgarten verstreut waren, darunter sehr seltene Exemplare, würden vermutlich das Herz eines jeden Botaniker`s höher schlagen lassen. Leider waren wir für die berühmte Kirschblüte einige Wochen zu früh dran. Wir erreichten die Stadt am späten Nachmittag. Nachdem wir eineinhalb Stunden mit dem Truck das Schloss umrundeten, und auch die umliegenden Seitenstrassen eingeschlossen hatten, waren wir am Ende mit unserem „Parkplatzlatein“. Verjagt, zu groß oder zu teuer! Diese drei Komponenten verfolgten uns in Japan auf Schritt und Tritt. Wir wussten nicht wohin mit Akela, bis wir eine unversperrte Fläche an einem Gebäude erblickten. Es war niemand zu erspähen den wir fragen hätten können, weshalb wir uns erstmal frech hinein parkten. Wir zogen die Rollläden zu, sperrten alles ab und schlenderten zur Burg. Die war wegen unserer ewigen Parkplatzsuche mittlerweile geschlossen, was nicht weiter schlimm war. Wir hatten mehrere Tage in Himeji eingeplant und würden noch genug Zeit für eine Besichtigung haben. Als wir zurück zum Truck kamen war alles ruhig. Akela dürfte kein Aufsehen erregt haben, dachten wir zumindest, bis zum nächsten Morgen.  

Als ich nach dem Aufstehen aus dem Fenster guckte, fiel mir ein Mann auf der am Zaun auf und ab schritt. Ich bildete mir ein, ihn bereits am Vortag schon einmal gesehen zu haben. Nun, lange Rede kurzer Sinn! Dieser fürsorglicher Passant hatte die Chefetage des Umspannwerkes informiert vor dem wir offensichtlich parkten, und machte die Herren darauf aufmerksam, dass ein Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen auf dem Gelände stand. Gleich drei Angestellte der Firma eilten herbei, um nach dem Rechten zu sehen. Da sie in uns wohl keine Gefahr witterten erlaubten sie uns, in Ruhe Himeji Castle zu besichtigen. Danach mussten wir allerdings das Feld räumen. Danke an den übereifrigen Bürger für`s Petzen, und danke an das Umspannwerk für`s Parken! Es war Silvester, der 31. Dezember, und wir standen vor den Eingangstoren der Burg. Bereits auf dem Weg dorthin war zu erkennen, dass viele Touristen, großteils Einheimische, auf den Beinen waren. Wir kauften drei Tickets und starteten die Besichtigungstour. Ich fand das Bauwerk sehr beeindruckend. Besonders ins Auge stachen die Holzdächer, die in großen Schwüngen enden. Diese gebogenen Dächer, die oftmals reich verziert waren, spielten damals, genauso wie heute eine wichtige Rolle in der japanischen Architektur. Wir schlenderten durch den weitläufigen Garten und waren umringt von zahlreichen Kirschbäumen.

Ab dem Moment wo wir die Innenräume der Burg betraten war allerdings Schluss mit lustig. Blockabfertigung war angesagt. Wir mussten die Schuhe ausziehen und sie in Plastik Tüten stecken. Als Ersatz bekamen wir Schlapfen zum Überziehen. Dann wurden wir Schritt um Schritt, in Reih und Glied, Stockwerk für Stockwerk durchgeschleust, und am anderen Ende wieder hinaus. Jeder Versuch aus der Reihe zu tanzen wurde von der Security sofort getadelt. Manchmal hatte ich Panik, dass die Holztreppen die die Stockwerke verbanden, unter der Belastung zusammen brechen könnten. Wir waren alle drei froh, als wir wieder an der frischen Luft waren. Es war, als ob sich zu Silvester ganz China, Korea und Japan in Himeji Castle verabredet hatte um ins neue Jahr zu schlittern. 

Viele Japaner zelebrieren den Jahreswechsel zum selben Datum wie wir. Feiern aber total konträr zu uns, nämlich gar nicht. Kein Feuerwerk, keine Knaller, keine Parties, nichts! Dafür ging es bei uns im Truck umso lustiger zu. Leander war nach der Sightseeing Tour so erschlagen, dass er sich für einen Moment hinlegen wollte, wobei er eingeschlafen war. Gegen 21:00 Uhr wurde er wach und kletterte zerknittert aus dem Bett. In der Zwischenzeit war ich so müde geworden, dass ich nur noch ins Bett wollte, wovon ich mich auch nicht abhalten ließ. Lennox mützte sowieso schon seit geraumer Zeit. Prosit Neujahr! Zünftig wars.

Am Neujahrstag besuchten Japaner traditionell einen Tempel, um für Glück und Segen zu bitten. Wir taten es ihnen gleich und suchten uns dafür Engyo-Ji aus. Die Anlage lag ausserhalb der Stadt Himeji auf dem Gipfel des Berges Shoshazan und blickte auf eine über 1000 jährige Geschichte zurück. Mitunter diente Engyo-Ji auch als Filmkulisse für den Hollywood Blockbuster „Last Samurai“, mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Nachdem sich ein anstrengender Tag dem Ende neigte und Lennox bereits tief und fest schlummerte, drückten wir auf die Play Taste unseres Heimkimo`s, und tauchten visuell in japanische Geschichte ein.  

Nach den anstrengenden Silvesterfeierlichkeiten ging es ins 60 Kilometer entfernten Kobe. Die Stadt war bekannt für sein Kobe Rind, welches im Westen unter Gourmets und Feinschmeckern einen Kilopreise von bis zu 600€ erzielte. Einen Tick zu teuer für uns. Doch wir waren auch nicht wegen der Steaks in der Stadt, sondern wegen der www.sixglobetruckers.com Family, mit denen wir ein Treffen managen konnten. Zuletzt trafen wir die belgische Bande in der Mongolei. Es war ein Riesenhallo, als wir uns an einem Parkplatz neben dem Meer wieder sahen. Während sich die Kinder am Strand austobten, hatten wir Erwachsene Zeit, Erfahrungen und Tips auszutauschen. Es tat gut sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten, denn seit Korea war uns niemand mehr begegnet. Das Treffen war nur von kurzer Dauer, denn jeder hatte andere Pläne. Unserer führte uns nach Osaka, wo wir um 09:00 Uhr am Folgemorgen einen Termin mit einem Verschiffungsagenten ausgemacht hatten. 

An dieser Stelle möchte ich auch einmal „Danke“ an all die Overlander da draussen sagen, wo ein jeder Einzelne bemüht ist zu helfen. Wie auch in diesem Fall. Drei Monate haben Leander und ich einen Großteil unserer Abendstunden damit verbracht, jemand geeigneten zu finden der unseren Dicken nach Borneo verschiffte. Mehr oder weniger erfolglos! Das Blatt drehte sich, als wir von einem Overlander den Kontakt von Mr. Nakanishi bekamen. Mr. Nakanishi unterbreitete uns ein faires Angebot für die Schiffspassage Osaka - Kota Kinabalu (Hauptstadt von Borneo). Der persönlicheTermin mit ihm verlief vielversprechend, und wir machten Nägel mit Köpfe. Per Handschlag besiegelten wir den Deal, was in Japan eigentlich unüblich war. Mit dem Zuschlag viel uns ein riesiger Stein vom Herzen, denn die Verschiffungsproblematik verursachte beinahe schon Magengeschwüre.

Guter Dinge marschierten wir zum Truck zurück, starteten den Motor und ließen die Stadt hinter uns. Traurigkeit machte sich keine breit, denn Osaka war eine große Hafenstadt und Wirtschaftsmetropole, und erweckte in uns nicht unbedingt das Verlangen, länger bleiben zu wollen. Kyoto reizte uns da schon mehr. 

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