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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 05.05.2017

Welcome to Iran!

Iran, März – April - Mai 2017 


Der erste Eindruck eines Landes! Gibt es den überhaupt? Oder reist man mit so viel Gepäck, in Form von angesammelten Erwartungen an, dass ein erster Eindruck gar nicht gewonnen werden kann, sondern mitgebracht wird?

Klischeebilder wie Terror, Gefahr und Krieg werden über Medienkanäle in europäische Haushalte verbreitet. Der Iran wird von vielen Menschen immer noch mit einem schlechten Ruf abgestempelt, obwohl sie selber noch nie dort gewesen waren. Derweil erzählten uns viele Reisende, dass sie selten durch ein so freundliches und überraschendes Land gereist waren. Und da war sie, unsere Erwartungshaltung, noch bevor wir einreisten! 

Um vielleicht manches anschaulicher oder logischer zu erklären, gibt’s hier einen kurzen Crash Kurs der islamischen Republik Iran.

Wie die Faust aufs Auge, so gehört der islamische Glaubensgrundsatz zum Iran, der den menschlichen Willen vom Willen Gottes abhängig macht. Wahre Freiheit kann nur im Gehorsam zu Gott und seinen göttlichen Gesetzen gefunden werden. Trotz Modernisierung ist der Iran heute ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens durchdringt. Der Koran ist das heilige Buch und dient als Grundlage des Islams. Aus seinem Inhalt leitet sich die Scharia, das islamische Recht, ab. Von dem iranischen Frauen leider weniger Gebrauch machen können, aber dazu später mehr. 

Alkohol und Drogen sind im Land streng verboten. Vergehen in diese Richtung werden zuweilen mit der Todesstrafe geahndet. Und doch zählt die islamische Republik zu den Top10 der weltweit mächtigsten Drogenlieferanten. 

Geführt wird das Volk im Groben von sieben Herrscherfamilien, deren einflußreichste die „Mullah“ sind. Seit über 35 Jahren regieren sie das Land, ausschließlich fokussiert auf die eigene Habgier und Herrschersucht. Es wimmelt von Korruption, Betrug, Vetternwirtschaft und dem politischen Beseitigen von Gegnern. 2013, bei der Wahl des neuen Präsidenten Hassan Ruhanis, scheint das Land eine gute Wahl getroffen zu haben. Mit konservativen Ansätzen und einem offenen Ohr für Westliches könnte es ihm gelingen, dem Wüstenstaat wieder Leben einzuhauchen.

Es ist Tatsache, dass die Mehrheit der jungen Iraner sich von fundamentalistischer Politik und Utopien abwendet. Sie richtet stattdessen den Blick auf Bildung, den Dialog mit dem Westen und das Verständnis moderner Kultur.

Das Kopftuch hatte ich bereits vorbereitet, denn nur noch wenige Kilometerter trennten uns von dem iranischen Kontrollpunkt in Bazargan. In einigen Reiseberichten hatten wir gelesen, dass die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug am Grenzposten oft mit Komplikationen verbunden ist. An der Grenze wurden wir getrennt. Während Leander mit dem Truck weiter gelotst wurde, mussten Lennox und ich zu Fuß die Grenze passieren. Nach kurzem Check unserer Visa brachte uns der Beamte in ein Büro, dort sollten wir auf Leander warten. Die freundliche Dame registrierte uns, gab uns Infomaterial über den Iran mit, versorgte uns mit Wechselkursen und half unserem Farsi (Sprache im Iran) ein wenig auf die Sprünge. Die Angestellte machte uns noch auf Schlepper aufmerksam, die Touristen gegen Gebühr bei den Einreiseformalitäten „unterstützten“. Mit deren Hilfe klappt vielleicht die Bürokratie etwas schneller, doch nötig ist es nicht. Unser Helferlein wollte auch pardout nicht verstehen, dass wir seine Dienste nicht in Anspruch nehmen wollten. Doch mit jemandem wie Leander hatte er wohl nicht gerechnet, denn der machte sich mit dem Kerl seinen Spaß. Genervt suchte er schlußendlich das Weite, der Schlepper wohl gemerkt! Ohne ein Geschäft zu machen.

Das Carnet de Passage (Zolldokument für Akelas Einreise, welches wir noch zu hause organisiert hatten) wurde ordnungsgemäß abgestempelt. Der Oldie selbst erregte kaum Interesse, der Zöllner steckte kurz seine Nase in die Wohnkabine, das wars dann. Kein Durchsuchen, keine Drogenhunde, keine lästigen Beamten... Allerdings merkte man schon, dass das Land einen Tick umständlicher erschien, als wir es gewohnt waren. Knapp zwei Stunden dauerte die Prozedur, bis wir im Prinzip völlig problemlos in den Iran einreisen durften. 

Wir hatten es geschafft! Das erste Land, dass wir mir unserem Truck durchreisten, indem wir weder der Sprache noch der Schrift oder Zahlen mächtig waren. Unser erster fix eingeplanter Stop war Tabris. Wir waren im Mekka der Rundhauber angelangt. Dort hofften wir, Akela in gute Mechanikerhände zu legen. Blattfedern, Kurbelwellensimmering, unser schmutziger Tank – eine Vielzahl an Reparaturen hatten wir einkalkuliert, für die wir ein separates Budget in Form von US Dollar und Euros im Gepäck hatten, denn im Iran ist es Ausländern nicht möglich an Automaten Geld zu beheben. Kreditkartenzahlungen oder Bankgeschäfte funktionieren ebenfalls nicht. Vielen Dank Amerika!

Am frühen Nachmittag ließen wir die Grenze hinter uns und steuerten Tabris an. Die Stadt liegt in der Region Ost-Aserbaidschan, und gehört immer noch zum Kurdengebiet. Nach zwei Stunden hinterm Steuer hielten wir an einem Parkplatz, um uns die Beine zu vertreten. Kaum war der Motor abgestellt, als uns andere „Rast machende“ mit einer Kanne voll Cay freudig entgegeneilten. Mit einem „Welcome to Iran, nice to meet you“ wurden wir herzlich begrüßt. Sie erzählten uns, dass im Iran gerade Noruz gefeiert wird, das persische Neujahr. Viele Iraner nutzten die Feiertage um das eigene Land zu bereisen, wie auch diese Familie, die aus dem 900 Kilometer entfernten Esfahan angerauscht kam. Simin, eine der jungen Frauen, und ich tauschten Telefonnummern aus, mit dem Versprechen uns zu melden. Esfahan wollten wir sowieso einen Besuch abstatten, da konnte es kein Fehler sein, die Nummer von Einheimischen im Handy zu haben, zumal sie alle einen sehr netten Eindruck machten. Nach einem letzten Foto gingen wir alle zu unsere Fahrzeugen zurück und fuhren getrennte Wege. Da war sie wieder, unsere mitgebrachte Erwartungshaltung! Gut gelaunt hüpften wir in die Fahrerkabine und freuten uns auf Bazare, Orient, köstliches Essen, nette Begegnungen und noch vieles mehr.

Für uns alle war es ein langer Fahrtag (13 Stunden für 300km!) gewesen, als wir gegen Abend endlich Akelas Motor im El Goli Park in Tabris abstellen konnten. Die Erholungsanlage ist riesig, und neben einer großen Parkfläche findet man dort auch einen Vergnügungspark, Outdoor Fitness, Restaurants und WC`s. Reges Menschentreiben herrschte im Park. Der Hunger trieb uns in eines der nahe gelegenen Restaurants. Bei der Bestellung der Getränke sorgte der Kellner kurz für Verwirrung, als er uns Bier anbot. Jedoch stellte sich sehr schnell, zu Leanders Bedauern, heraus, dass es sich um alkoholfreies Gebräu handelte, auf welches er keinen Bock hatte. Gott sei Dank, wie sich später noch herausstellen wird. Wir bezahlten für Hühner,- und Lammkebap, etwas Salat, Reis und drei Limos €30. Nicht unbedingt ein Schnäppchen. Satt, aber etwas verwirrt über den Preis schlenderten wir zurück zum Truck und verbrachten eine erste ruhige Nacht im Iran. 

Für den nächsten Morgen stand ein Besuch der Touristeninfo nahe dem Bazar auf dem Plan, um einige wichtige Dinge abzuklären. Wir hofften dort auf Nasser Kahn zu treffen, der unter Travellern mittlerweile bekannt war wie ein bunter Hund. Er spricht acht Sprachen, darunter auch fließend Deutsch. Wir hatten Glück und fanden ihn vor, wenn auch nur kurz, da er Termine hatte. Allerdings bat er seinen Bruder Mansur uns zu helfen, der auch gleich mit uns im Schlepptau los startete um an eine Irancell Telefonkarte zu gelangen, um wieder online zu sein. Des weiteren begleitete er Leander zur Versicherung um eine Kfz-Versicherung abzuschließen. Für eine einmonatige Autoversicherung musste er € 65 hinblättern. Auch kein Geschenk, wenn man bedenkt, dass das Durchschnittseinkommen im Iran bei $300 - $400 liegt. Der Preis roch eher nach überteuerter Touristensteuer, aber was half es, wir wollten nicht riskieren ohne zu fahren. Um näher im Zentrum zu sein behelligten wir Mansurs Tip, und parkten den Benz in einen anderen Park um. Mozafer Park war um einiges kleiner und ruhiger, besaß ebenfalls Outdoor Fitness, Wasser und WC`s. Während Leander mit Mansur unterwegs war, probierten Lennox und ich die Outdoor Fitnessgeräten aus. Mit Hijab (Kopftuch) wohlgemerkt, denn das Tragen eines Kopftuches ist im Iran für Frauen Pflicht, welche bei Missachtung mit einer Geldbuße oder Gefängnis bestraft wird. 

Nach Leanders Rückkehr verbrachten wir den angebrochenen Nachmittag im ältesten Bazar der Welt. Doch leider machte sich persisch Neujahr auch dort bemerkbar. Viele der Läden hatten geschlossen, die Markthallen wirkten wie ausgestorben. Nur wenige Händler hatten geöffnet, und diese schienen kein Interesse daran zu haben ihre Ware zu verticken. Ein wenig enttäuscht fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Lastwagen.

Zu späterer Stunde, als Lennox bereits im Traumland schwebte, klopfte plötzlich Iwe an die Scheibe. Er stammt aus Holland und plant mit seinem Toyota Landcruiser eine ähnliche Route entlang der Seidenstrasse zu bereisen wie wir. Er war sehr redselig und empfänglich für jedes Nahrungsmittel, dass man ihm anbot. Auch Iwe´s Jeep konnte ein wenig Service gebrauchen, weshalb er beschloss, mit uns gemeinsam in die Dizel Abad, dem Schrauberviertel von Tabris, zu fahren. Einen Versuch war es wert, trotz Wochenende und Noruz. Aber wie erwartet, hielten sich auch hier viele Garagen an die Feiertage und hatten ihre Rollläden geschlossen. Leander sah sich um und kam nach kurzer Zeit mit einem alten, von oben bis unten ölverschmierten Mann zurück. Er sprach kaum Englisch und warf sich sofort unter den Truck. Nach einem kurzen Anruf organisierte er jemanden, der uns trotz Neujahr bei den Blattfedern weiterhelfen konnte. 

Blattfedern müssen eine Menge Gewicht tragen, und unsere waren alt. Sollte eine davon brechen, dann hatten wir ein massives Problem an der Backe. Wir wurden in die besagte Werkstatt eskortiert, wo sofort mit den Arbeiten begonnen wurde. Nach mehreren Stunden waren Akelas Blattfedern der Vorderachse aufgebogen und sahen aus wie neu. Die Hinterachse wurde für gut empfunden und blieb deshalb unberührt. Anfällige Kosten der Reparatur €100. Das war mal ein fairer Preis. Zu Hause hätten wir bestimmt das 10 fache hingeblättert. Ob es hält wird sich rausstellen. Für die weiteren Anliegen mussten wir uns allerdings bis Montag gedulden. 

Im Konvoi schlängelten wir uns durch den Stadtverkehr zurück zum Mozafer Park. Der Fahrstil der Iraner ist ein ganz eigener, wenn sie überhaupt einen besitzen. Gefahren wird, wo eine Lücke ist, geschnitten wird wo geht, geparkt wo Platz ist. Verkehrsregeln mögen wohl existieren, werden aber bravourös ignoriert. Ampeln scheinen ebenso eine Fehlinvestition des Verkehrsministeriums zu sein. In Städten hatte Akela wegen seiner Größe meist die Nase vorne, was natürlich auch Leander´s Fahrstil zu verdanken war, der sich schnell dem der Iraner anpasste.

Sonntagmorgen brach an, und zugleich der Letzte und heiligste Feiertag des Neujahrsfestes. Die Sonne blitzte gerade über die Berge von Tabris, als bereits die Besten Picknickplätze im Park besetzt waren. Iraner lieben das Picknick im Freien! Zu jeder Tages- und Nachtzeit trifft man sie beim geselligen Beisammensitzen an, und an Feiertagen sowieso. Eingepackt wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Opa, Oma, Großtante, Kinder, Essen, Cay,… Im Nu war der Park voller Leute, und wir mitten drinnen. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Schaulustigen näher kamen. Freudig trällerten sie uns „welcome in Iran“ entgegen, manchmal so euphorisch, als ob es ihnen in der Schule eingetrichtert worden wäre. Akela wurde unter die Lupe genommen und abfotografiert. Rundhauber sind im Iran keine Seltenheit, aber der Verwendungszweck hier im Lande ist ein ganz anderer. Hier müssen die unverwüstlichen Kolosse richtig ran und ackern. „Austria“, als unser Herkunftsland, konnten viele nicht so recht zuordnen. „Ah, Australia, good people“. Ob sie uns nur vom Namen her, oder auch geographisch falsch zuordneten, konnten wir während unseres gesamten Aufenthaltes nicht herausfinden. Wir erhielten fünf oder sechs Essenseinladungen an diesem Tag. Viele Familien wollten uns bei sich auf der Picknickdecke begrüßen. Während Leander sehr schnell mit den Männern ins Gespräch kam, war es bei den Frauen etwas schwieriger. Meist konnten sie kein Englisch und waren auch zurückhaltender als ihr Pondont. Es kam vor, dass wir oft von zehn Menschen umringt waren, die alle gleichzeitig Fragen stellten und uns permanent um Selfies baten. 

Wir gesellten uns zu der Familie, die als erstes ihre Gastfreundschaft ausgesprochen hatte. Es gab Chicken Kebap mit Reis, dazu verschiedene Salate und Noon Sangak (persisches Fladenbrot indem die Speisen eingewickelt werden, ähnlich einem Wrap). Sobald der letzte Bissen runtergeschluckt war, standen auch schon Cay und Süßigkeiten bereit. Wenn das Völlegefühl erreicht war, wurde ein „Nein danke“ schier ein wenig enttäuschend angenommen, so als ob man ihr Essen verschmähen wollte, was natürlich nicht zutraf. 

Um ein wenig Schwung in die Party zu bringen, denn nur sitzen ermüdete auf Dauer, spannten wir im Park unsere mitgebrachte Slackline. Für die Iraner ein völlig neues Sportgerät, doch sie zeigten keine Scheue. Von jung bis alt, dick oder dünn, alles wagte sich auf das wackelige Seil. Es war ein Gejubel und Gekreische vom Feinsten und es bereitete uns sehr viel Spaß an diesem Tag. 

Langsam neigten sich die Feierlichkeiten des persischen Jahreswechsel dem Ende zu als Behzad, der ältere Sohn der Familie bei der wir speisten, auf uns zuschlenderte und uns einlud in seinem Elternhaus zu nächtigen. Wir hatten schon gehört und gelesen, dass das iranische Volk sehr gerne Reisende bei sich zu Hause aufnimmt, oder besser gesagt, es schier als ihre Pflicht sieht. Doch in unserem Fall winkten wir dankend ab. Wir hatten in Akela alles was wir brauchten und fühlten uns rundum wohl. Jedoch ließ Behzad nicht locker, immer wieder erklärte er, dass wir bei Ihnen nächtigen MÜSSEN. Wir blieben hart, allerdings versprachen wir noch auf ein Glas Cay mitzufahren. 

Das Haus war wunderschön und riesengroß, sehr gediegen und nobel eingerichtetund an den Wänden hingen schwere Teppiche. Das Leder der Sitzbank hatten wir kaum berührt, als auch schon Tee und Gebäck auf dem Tisch stand. Die Hausherrin behielt selbst in den eigenen vier Wänden ihr Kopftuch an, aus Anstand unterstand ich mich, mir meines vom Kopf zu reißen, obwohl mir schwer danach gewesen wäre. Ich verstehe nicht, wie iranische Frauen das aushalten können. Bei jeder Bewegung stört dieser Fetzen. Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass Behzads Vater in der Dizel Abad eine Werkstatt kannte. Behzad sprach halbwegs Englisch, und konnte seinem Vater die Probleme die wir mit dem Benz hatten, gut ausdeutschen. Er bot uns an, uns gleich am nächsten Morgen in die Garage zu bringen, damit sie einen Blick auf den LKW werfen konnte. Das klang gut! 

Wir trauten unseren Ohren kaum, als es plötzlich hieß „Abendessen“ sei serviert. Unsere Bäuche platzten schier aus allen Nähten, aber wir wollten nicht undankbar wirken, weshalb wir am Esstisch Platz nahmen. Behzad`s Mutter bereitete eine Art Bohnensuppe, später Spagetti und als Nachspeise Rosenblütengelee mit Joghurt zu. Dazu gab es die süßeste Limonade, die ich je getrunken hatte. Derweil wär uns, Leander und mir, ein Stamperl Schnaps, natürlich nur zwecks Verdauung, lieber gewesen. Tja, bis dahin waren wir noch naiv unterwegs und schenkten dem Alkoholverbot im Iran strikten Glauben. Nachdem wir die Familie erneut davon überzeugen mussten, dass wir uns in unserem Truck sehr wohl fühlten, und auch in dieser Nacht keine Ausnahme machen würden, kutschierte uns Behzad mit seinem Auto zurück in den Park. 

Puh, es war ein außergewöhnlicher, interessanter und ereignisreicher Tag. Dennoch waren wir erleichtert, wieder in den eigenen vier Wänden gelandet zu sein. Iraner unterhalten sich in einem sehr hohen Dezibel Bereich, und eines ihrer größten Hobbies scheint Selfies shooten zu sein. Die iranische Gastfreundschaft in allen Ehren, doch sie hinterließ in uns einen übertrieben höflichen und aufdringlichen Eindruck.

Am nächsten Tag war es soweit. Akela durfte in das Schrauberviertel zur Rundumerneuerung. Pünktlich um halb neun standen wir vor der Werkstatt. Bevor der Motor richtig abgestellt war, lagen auch schon die ersten Begutachter unter dem LKW. Viele Menschen, viele Meinungen, und aus dem Wirr War etwas herauszufiltern glich einer Challenge. Akela´s Glück lag nun in Jamshid´s und Behram´s Händen, einem Brüderpaar um die 60, die ihr halbes Leben damit verbrachten, an alten Benz Modellen zu schrauben. Die sollten doch eigentlich Ahnung haben! Die Folgetage verbrachten wir ausschließlich im LKW Viertel, auch Nachts. Mit Leander wollte ich an diesen Tagen nicht tauschen. Er hatte kaum Zeit zum Atmen, permanent rief jemand seinen Namen, den sie nicht richtig aussprechen konnten.
Von Linda bis Andre war alles mit dabei. Lennox und ich entgingen nur knapp einem Donnerwetter, als wir ihn aus Jux einmal Linda nannten. Er musste sich schier zerreißen um überall dort zu sein, wo er gebraucht wurde. Bei den Arbeiten wollte und konnte er die Männer nicht alleine lassen. Einerseits um den Truck noch besser kennen zu lernen, und andererseits hatte er ein ungutes Gefühl, die Jungs alleine an Akela schrauben zu lassen. Wenn die Kommunikation gar nicht mehr funktionierte rief er Dariush an, einen ehemaligen Arbeitskollegen, der aus dem Iran stammt und bereits seit Jahrzehnten in Österreich lebt. Dank seiner Übersetzung konnte er immer wieder ein Stück Klarheit in das heillose Durcheinander bringen. Alles dauerte ewig! Erweckte es den Eindruck, dass alles wie am Schnürchen lief, offenbarte sich zwischendrin immer ein neues Problem. Schlussendlich wurden an Akela doch noch die hinteren Blattfedern aufgesprengt, der Kurbelwellendichtring und der Verteilergetriebedichtring erneuert, unser schmutziger Dieseltank gereinigt, Ersatzteile besorgt, die Handbremse nachgestellt... und noch einiges mehr, zu einem moderaten Preis. Leander hatte Vertrauen in Jamshid und seine Arbeit, was blieb uns auch anderes übrig.

Wir verbrachten eine Woche in der Dizel Abad, welche relativ weit vom Stadtzentrum entfernt lag. Im Umkreis von zig Meilen gab es nichts als Werkstätten, LKW`s, Öl, Dreck, laute Motorengeräusche,  Hämmern und Klopfen von überall her... . Es war anstrengend Lennox zu erklären, warum wir nicht hinausgehen konnten. Außerhalb des Trucks hatten wir nichts verloren, und mit ihm alleine in ein Taxi zu steigen und in die Stadt zu fahren, traute ich mir ehrlich gesagt noch nicht zu. Der Iran wirkte noch sehr fremd auf mich. Die beiden Währungen die im Umlauf waren (Rial und Toman) verwirrten mich noch zusehends, und das Straßenbild, dass vorwiegend von Männern geprägt war, machte es nicht besser. Weshalb malen, lesen, basteln und ein wenig Unterricht angesagt waren. Doch wir haben es alle unbeschadet überlebt, zumal wir wussten, dass uns dies bevorstehen würde.

Nach über einer Woche in Tabris stand Akela wieder gestärkt und hoffentlich top fit vor uns. Nach einer netten Picknickeinladung von Jamshid und seiner Familie verabschiedeten wir uns und setzten Kurs Richtung Teheran.

Dort mussten wir einen Visa Stop einlegen, der hoffentlich nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Das Usbekistan Visa hatten wir bereits in Ankara beantragt und sollte für uns abholbereit auf der Botschaft aufliegen. Die Distanz von 650 Kilometer nahmen wir in einer Nacht- und Morgenschicht (4-5 Stunden Schlaf). Gegen 15:00 Uhr erreichten wir dementsprechend ausgepowert das Stadtzentrum.

Als Industrie- und Handelsstadt mit Universitäten, Hochschulen, Bibliotheken und Museen ist Teheran ein bedeutendes Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Landes. Das Stadtbild wirkte modern, sauber, besaß gepflegte Parkanlagen und war in leuchtenden Farben gedünkt. Die Frauen bewiesen Mut zur Farbe und tauschten das trieste schwarz, das im streng gläubigen Tabris vorherrschte, gegen leuchtende Stoffe ein. Für Akela fanden wir einen netten Park um sich nach der langen Fahrt zu erholen und Lennox konnte sich nach der mühsamen Anreise am nahen Spielplatz austoben. Nach einer Woche Stehzeit hatte er mehr als ein Bedürfnis sich auszutoben. Dann taten wir es den Iranern gleich und picknickten im Freien. Wir bereiteten noch die nötigten Unterlagen für den bevorstehenden Visa Run vor und vielen danach hundemüde in die Betten.

Überpünktlich erreichten wir am nächsten Morgen die usbekische Botschaft. Ich spürte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, denn telefonisch hatte ich bereits erfahren, dass Leander`s und mein Visa genehmigt wurden, aber Lennox den Status „under consideration“ hatte, was auch immer das zu bedeuten hatte. Hoffentlich ging alles glatt. Unsere Befürchtungen bestätigten sich allerdings, Lennox schien nicht auf, sein Visa wurde vergessen. Gott sei Dank nicht von uns. Als Nachweis hatten wir seine Antragsbestätigung mit. Die Uhr tickte! Es war bereits 10:15 und die turkmenische Botschaft, welche um 11:00 Uhr den Laden dicht machte, stand ebenfalls noch auf unserer Liste um ein Transitvisa zu beantragen. Bevor wir dort antanzen konnten, benötigten wir noch Farbkopien des soeben erhaltenen Usbekistan Visa, welches Voraussetzung zur Beantragung des Turkmenistan Visas war. Die Zeit zeigte kein Erbarmen mit uns und lief kontinuierlich weiter. Ein Anruf bei der turkmenischen Botschaft brachte etwas Erleichterung. Der Beamte versprach auf uns zu warten, allerdings sollten wir nicht trödeln. Zu guter Letzt hatten wir das Glück auf unserer Seite. Lennox bekam sein Visa in den Pass gestempelt, und war wieder unbefangen, denn er schenkte unserer Alberei, dass er alleine nachreisen musste, Glauben. Die turkmenische Botschaft öffnete mit 30 Minuten Verspätung ihre Pforten für uns und nahm die Anträge entgegen. Alles hatte reibungslos geklappt und wir hatten keinen zusätzlichen Tag mit Warten verloren. Nach einer kleinen Stärkung starteten wir den Motor und machten uns auf nach Esfahan, der Wiege Persiens, worauf wir uns schon sehr freuten.

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