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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 16.03.2017

Zurück über Altbekanntes und auf in neue Abenteuer!

Jänner, Februar 2017

Die Rückfahrt in Athen`s Hafen Piräus mit Blue Star Ferries verlief um einiges amüsanter als die Hinfahrt. Zwei Schulklassen mit halbwüchsigen Jungs und Mädchen an Bord traten die lustige Heimreise einer Klassenfahrt an. Es war aufheiternd, die jugendliche Koketterie und Neckerei der Heranwachsenden zu beobachten, und weckte in mir Erinnerungen an lang vergangene Skikurse. In Gedanken stellte ich mir bildlich vor, dass wohl dem ein oder anderen eine Standpauke der Eltern bevorstehen würde, wenn sie die zahlreichen Knutschflecke an den Hälsen ihrer Sprösslinge entdeckten. Still und heimlich durfte ich mich gedanklich 25 Jahre jünger fühlen, was mir einen breiten Grinser  ins Gesicht zauberte. Danke dafür, aber trotzdem hättet ihr etwas leiser sein können! ;-) 

Nachdem wir von Bord gerollt waren, ging es zielstrebig zu unseren Lieblingsparkplatz im Zentrum der Stadt. Eifrige Leser wissen, im Herzen der City - mit freiem Blick auf die geschichtsträchtige Akropolis. Sightseeing in Athen war uns auch diesmal nicht vergönnt. 

Lennox hatte auf der Fähre beschlossen, ab 02:00 Uhr morgens nicht mehr zu schlafen. Warum? Weil es langweilig war, seiner Meinung nach, ergo konnten auch wir kein Auge zutun. Nach einem schnellen Frühstück hauten wir uns alle drei bis Mittag aufs Ohr, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Halbwegs ausgeschlafen starteten wir gegen 13:00 Uhr mit Erledigungen in den Nachmittag. Bettwäsche wurde abgezogen, Kleidungsstücke und Handtücher eingesammelt. Vollbepackt wie Zigeuner pilgerten wir zum Waschsalon den wir bereits kannten. Nach mehreren Cappuccinos und einem Snack für Lennox im Nachbarcafe, waren drei Maschinen gewaschen und halbwegs getrocknet, der Preis – 19 Euro, auch kein Schnäppchen!!

Wäschewaschen ist ein heikles Thema auf Weltreise. Zwar wird es zur Gewohnheit, dass jedes (ausnahmslos jedes) Kleidungsstück mehrere Tage durchgehend getragen wird, manche auch mehrere Wochen. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, wo der Geruchssinn nicht mehr mitspielt!! Spätestens dann sollte man daran denken, die Kleidung zu wechseln. 

Wir haben eine manuell betriebene Waschtrommel in unserem Gepäck. kleine Wäsche zwischendurch funktioniert, Bettwäsche, Leintücher, Jeans oder Handtücher sind allerdings ein No Go. Zudem verschlingt sie Unmengen an Wasser. Deswegen wird sie, genauso wie die Dusche, nur selten angeworfen. 

Wasser können wir derzeit noch sehr bequem an Tankstellen oder an Feuerwehr Stationen kostenlos beziehen. Doch dieser Komfort wird sich im Laufe unserer Reise rapide ändern, weshalb wir versuchen, mit dem kostbaren Gut bereits jetzt so sparsam wie möglich umzugehen.

Neben Wanderschuhen für Lennox, die wir vergeblich suchten, stand auch ein Handstaubsauger auf unserer Einkaufsliste. Dieser Posten bedarf vielleicht ein wenig Erklärung. 

Im Jänner 2015 fuhr Leander mehrere Wochen als Fotograf für die von Red Bull gesponserten Snowmads  mit Fabi Lentsch durch halb Europa. Nachdem er wieder zu Hause war, belächelte er die Jungs ein wenig, weil sie einen kleinen Handstaubsauger mit an Bord hatten, und Männer nehmen keine Staubsauger mit, wenn das Abenteuer ruft. 

Doch wie es der Zufall will, es kommt immer anders. Unser dreiwöchiger Ausflug auf Kreta hatte seine Spuren hinterlassen. Der Strand, das Meer und viel Wind verwandelten Akela in eine Sandkiste. Unsere Glasschiebefenster quietschten und knarzten beim Öffnen, zwischen der Elektronik und den Wassertanks hatte sich überall Sand angelagert. Das waren tragende Argumente, um über die Beschaffung eines Handstaubsaugers nachzudenken, da es mit unserem Besen und der Schaufel schier unmöglich war, den Sand raus zu bekommen.

Ein Media Markt war schnell gefunden und das offensichtlich passende Gerät optimistisch gekauft. Unserer Euphorie wurde allerdings schnell ein Dämpfer versetzt, da wir mit den mitgelieferten Accessoires keine einzige schwer erreichbare Ecke des Trucks säubern konnten. Was wiederum hieß, zurück ins Geschäft, um das Teil zurückzugeben. Oh no! 

Während unseres Aufenthaltes in Meteora lernten wir Johanna kennen. Sie erzählte uns von ihrer freiwilligen Arbeit in Glyfada, nahe Athen, in einem Sea Turtle Rescue Center. Jedes Wochenende war die Einrichtung für Besucher geöffnet. Das klang interessant, so ließen wir den Staubsauger erstmal links liegen, und steuerten in der Dämmerung Glyfada an, eine Stadt in der griechischen Region Attika, die zum Großraum von Athen gezählt wird. Es ist einer der elegantesten und luxuriösesten Vororte Athens. Marina drei, die Adresse wo die Organisation angesiedelt war fanden wir schnell. Wir übernachteten vor der Einrichtung und standen pünktlich am nächsten Morgen vor den Pforten, die um elf öffneten.

Es war erschreckend, vorgeführt zu bekommen, was Menschen diesen einzigartigen Urzeittieren im Stande waren anzutun. Gefangen in Fischernetzen, wurde ihnen mit dumpfen Gegenständen beinahe der Schädel eingeschlagen, um sie anschließend zum Sterben wieder ins Meer zurück zu werfen. Andere Exemplare kamen unter Schiffsschrauben und wurden von diesen übelst zugerichtet, dann gab es da auch noch kleine Turtles, die unterkühlt an Stränden aufgefunden wurden und zugrunde gegangen wären.

Unentgeltlich werden die Tiere dort von Volunteers aus der ganzen Welt verarztet und umsorgt, bis sie großteils wieder in Freiheit entlassen werden. Um einen kleinen Beitrag leisten zu können, organisierte Leander am Folgetag ein kleines Shooting. Die Fotos stellte er dem Rescue Center selbstverständlich kostenlos für eigene Werbezwecke zur Verfügung.  

Wie immer, wenns niemand gebrauchen kann, geschehen dann so Dinge wie eine Tischplatte, die direkt bei der Schweißnaht abriss, oder ein Suchscheinwerfer der aus der Verankerung der Karosserie gerissen war. Alles Dinge, die zusätzlich organisiert werden müssen, und Geld kosten - was echt niemanden interessiert.

Wir verließen den Vorort am nächsten Tag mit unangenehmen „Zu erledigen“ Häckchen im Kopf. Station Nummer eins, zurück zum Media Markt den Handstaubsauger umtauschen. Nach viel Jammern und meckern, was ich in Österreich gut gelernt hatte, konnte ich einen Umtausch und einen Warengutschein erfolgreich abwehren. Mit 120 Euro! (einer der günstigsten) mehr in der Tasche, kehrten Lennox und ich zu Akela zurück. 

Leander hatte inzwischen gleich nebenan eine Mercedes LKW Werkstatt ausfindig gemacht. Vielleicht konnten die uns mit dem Scheinwerfer und dem Tisch weiterhelfen. Wir standen kaum eine Minute auf dem Betriebsgelände, als sich bereits eine Traube an Mitarbeitern, inklusive Chef , um uns scharte. Der Suchscheinwerfer sollte kein Problem darstellen. Beim Betrachten des ausgerissenen Tischbeins schmunzelte der Senior nur und meinte verschmitzt „.. dont`t make sex on the table…!“  Kaffee und Orangensaft für Lennox wurde gereicht, während sich sofort mehrere Angestellte um die Reparaturen kümmerten. Nach knapp zwei Stunden Arbeit hatten wir wieder einige Sorgen weniger, waren dafür aber um 150 Euro ärmer. Wie gewonnen, so zerronnen. 

Bei unserem ersten Besuch in Meteora vor knapp vier Wochen, wurden wir von diesem geheimnisvollen Ort dermaßen magisch angezogen, dass wir beschlossen hatten wiederzukehren, sobald kein Schnee mehr lag. Um die gut 300 Kilometer von Athen bis nach Kalambaka für Lennox angenehmer zu gestalten, hielten wir erneut bei den heißen Quellen der Thermophylen, diesmal allerdings nur für eine Nacht. 

Nach dem ersten Bad standen wir alle drei vor dem Lastwagen und beäugten die Szenerie rund um die Hot Springs, als ein junger Mann zielstrebig auf uns zuging. Im Laufe des Gespräches stellte sich heraus, dass er aus Syrien stammte und im nebenan gelegenen Flüchtlingslager untergebracht war.

Das umfunktionierte Hotel stach uns bereits bei unserem ersten Besuch ins Auge. Es wirkte schäbig, dreckig und heruntergekommen.   

Der Syrer stellte uns auch seine Frau und deren kleine Tochter vor. Ein wenig verhalten schilderte er deren Flucht aus Aleppo, dass sie in Österreich bereits Asyl gewährt bekommen hätten, das Land jedoch wegen schwerer Krankheit eines zurückgelassenen Elternteils freiwillig wieder verlassen hätten, um zurückzukehren. Die Rückreise endete für die drei offensichtlich in diesem griechischen Flüchtlingslager, in dem sie bereits seit fünf Monaten ausharrten. Laut deren Aussage war die Infrastruktur im Lager menschenunwürdig, und das Essen ungenießbar.  Mehr als geduldig zuhören konnten wir in dem Moment für die drei Menschen nicht tun. 

Wie im letzten Bericht bereits erwähnt, waren die Thermophylen Schauplatz der legendären Schlacht gegen die Perser. Damals konnten die Griechen die Invasion abwenden. Und heute, tja heute ist genau an diesem Platz ein Flüchtlingslager errichtet. Ironie des Schicksals?

Den ganzen restlichen Tag bekam ich das Gespräch mit der Familie nicht aus meinem Kopf. In deren traurigen Augen konnten wir die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung ablesen, die Einzug in ihre Seelen gehalten hatten. 

Knapp ein Jahr ist es her, dass wir aus den Medien mit schrecklichen Bildern und Berichten der Flüchtlingsbewegung konfrontiert wurden. Hunderttausende Syrer, Afghanen, Pakistani...bahnten sich ihren Weg quer durch Griechenland, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Die Balkanroute, auf der auch wir uns bewegten, glich nach dieser Invasion immer noch einer Müllhalde. Heute gelangen über diese Strecke kaum noch Flüchtlinge in die EU. Europa hat mit dem Türkei-Deal die Ägäis weitgehend abgeriegelt. Für die Tonnen an Dreck und Unrat, die sich am Straßenrand auftürmten, fühlt sich bis heute allerdings niemand verantwortlich. Es ist verständlich, dass Menschen auf der Flucht, ohne Perspektive in eine sichere Zukunft, keinen Gedanken daran verschwenden, wo sie den Müll entsorgen, den sie unterwegs produzieren. 

Flüchtlinge und Flüchtlingslager sind uns während unserer Reise durch Griechenland häufig untergekommen, und eines mussten wir dabei leider immer wieder mit eigenen Augen feststellen. Diese Menschen entsorgen ihren Müll quasi dort, wo sie gerade stehen. Was im Herzen weh tut, denn Griechenland erstickt mancherorts an Müll. Was jetzt nicht alleine die Schuld der Flüchtlinge ist, bitte nicht falsch verstehen, da gibt es noch genug andere Sündenböcke, aber sie tragen einen erheblichen Anteil dazu bei.

Wir hatten sporadisch Kontakt mit Fabi Lentsch und wussten, dass er mit seinen Snowmads nicht weit von den Thermophylen entfernt, am Schifahren ist. Unsere Schi lagen immer noch jungfräulich auf dem Dach und warteten darauf  endlich losgelassen zu werden. Nach einem kurzen Telefonat mit Fabi gaben wir die Koordinaten in unser Navi ein, und starteten voller Vorfreude in Richtung Parnassos Gebirgsstock, gut 50 Kilometer südwestlich der Hot Springs. Es lag zwar nicht auf unserer Route, aber die zwei Stunden Umweg war uns das Skivergnügen wert.

Die höchste Erhebung der Parnassos Berge ist der Liakoura mit 2455 Metern. Am südwestlichen Fuß des Massivs liegt die Stadt Delphi (vielen ein Begriff durch das Orakel von Delphi). In der griechischen Mythologie ist der Berg dem Gott Apollon geweiht und die Heimat der Musen, der Göttinnen der Künste. Heute zählt der Berg zu Griechenlands größten Skigebieten mit 16 hochmodernen Seilbahnen und Sesselliften. 

Wir strahlten mit der Sonne um die Wette, während die verschneiten Gipfel dem Führerhaus entgegen blitzten. Die letzten Serpentinen Richtung Parkplatz waren schneebedeckt, für Akela kein Hindernis. Gemächlich schraubte er sich Meter für Meter durch die weiße Pracht. Am Parkplatz der Seilbahnstation stellten wir den Brummi ab. Mit einem freudigen Hallo begrüßten wir die Snowmads, die gerade von einigen Runs zu deren LKW zurückgekehrt waren. Vor allem Lennox war außer Rand und Band. Endlich konnte er seinen „allerbesten“ Freund wieder in die Arme schließen.

Wir empfanden es für diesen Tag als zu spät um eine Skikarte zu kaufen, denn es gab nur Ganztags Ticket. Allerdings zu einem fairen Preis von 25 Eur/pro Person, der Kleine fuhr sogar noch frei. Wir schnallten Lennox die Ski an den Ausläufern der Piste an und gewöhnten ihn ein wenig an das Gefühl, Bretter an den Füssen zu haben. In den letzten Jahren hatten wir es verabsäumt, regelmässig mit ihm Ski zu fahren, weshalb er noch sehr wackelig auf den Dingern stand.

Optimistisch fuhren wir am nächsten morgen mit einer der ersten Gondeln auf den Gipfel. Leander, unsere Sportskanone übernahm den Part des Skilehrers! Wenns nur so einfach gewesen wäre. Lennox stand auf den Skiern wie ein nasser Sack Kartoffeln. Alles was ihm Leander zu erklären versuchte, ignorierte er mit bravour. Dafür schenkte er einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit dem Sturzhelm, der juckte – der Skihose, die kratzte – der Brille, die verrutschte, dem Berg – der zu steil war. Puh, das hatten wir uns anders vorgestellt. Radfahren, Schwimmen, Eislaufen, Klettern,… Das alles konnten wir ihm bis dato easy beibringen. Warum wollte es beim Skifahren nicht klappen? Völlig erschöpft und niedergeschlagen erreichten wir die Talstation, stillschweigend schnallten wir unser Equipment ab und stapften Richtung Akela. Dort angekommen schleuderte Lennox in hohem Bogen seine Schi zu Boden, verkündete zum x-ten mal, dass er Skifahren hassen würde, und lief davon. Leander und ich blieben mit einem großen Fragezeichen im Gesicht beim Truck zurück.  

Julian, einer der Snowmads, erblickte uns und kam auf einen Plausch rüber. Wir schilderten ihm ein wenig unseren soeben erlebten Höllenritt auf der Piste. Schmunzelnd meinte er, dass er solche Situationen während seiner Zeit als Skilehrer noch gut in Erinnerung habe. Er bot uns an, mit Lennox ein wenig ins Gelände zu gehen, falls dieser Lust hatte. Und... der Knabe hatte Lust! 

Nach zwei Stunden trudelten die beiden wieder im Tal ein, Lennox mit einen fetten Grinser im Gesicht und Worte wie: “Skifahren sei das aller tollste was es gibt“, und „Julian ist der aaaalllllerbeste Skilehrer auf der Welt“, sprudelten aus seinem Mund. Jules gab mit einem verschmitzten Grinser grünes Licht, das Grundwerkzeug beherrsche er, jetzt sei üben angesagt! Meter machen, wie man so schön sagt.

Am nächsten Morgen steuerten wir mit Akela auf die andere Seite des Berges. Dort gab es mehr Lifte und Anfängerpisten für Lennox. Zu Beginn fuhren wir ihm auf der Piste noch vor, doch das war gar nicht mehr nötig. Der Zwerg steuerte erstaunlich zielsicher seine Bahnen den Hang hinunter. Wenn er stürzte, stand er mit einem Smile auf und gab wieder Gas. Wir hatten einen richtig feinen Schitag. Die Sonne stand hoch am Himmel, der Schnee war herrlich, die Pisten menschenleer... so macht Wintersport richtig Spaß. Nach unzähligen Abfahrten kehrten wir mit müden Knochen zum Lastwagen zurück. Im Nu standen die Campingsessel und Kaffee und Kakao waren schnell zubereitet. Mit lang ausgestreckten Beinen und kurzärmeligen T-Shirts haben wir den Nachmittag bei 15 Grad ausklingen lassen. Ein Traum - das kann schon was... meine Herren!!

Fabi zog noch am selben Abend mit seinen Jungs weiter und wie immer, wenn unsere Wege sich kreuzten, ließ er es sich trotz seines straffen Zeitplan nicht nehmen, etwas Zeit mit Lennox zu verbringen. 

Uns zog es am nächsten Tag weiter und sausten Richtung Meteora, endlich!

Schon von Weitem konnten wir die Klöster bewundern, wie sie majestätisch auf den Felsen angesiedelt, das Landschaftsbild prägten. Bevor wir on the Top fuhren, verabredeten wir uns mit Christos, dem Fotografen aus Kalambaka, den wir bereits ein Monat zuvor kennenlernten. Treffpunkt war ein Cafe im Zentrum. Wir sahen ihn schon von Weitem mit einem fetten Lächeln auf uns zuschlendern. Unter seinem Arm hatte er ein Packet eingeklemmt, auf das wir schon sehnlichst warteten. Er war so lieb, Post für uns aus Österreich anzunehmen. Der Inhalt? Lauter notwendige Utensilien wie Kosmetika und Süßigkeiten, nein … auch Medikamente waren dabei  ;-) Nach der ersten Wiedersehensfreude verabredeten wir uns mit ihm für einen der nächsten Tage, wo er auch seine Familie mitbringen wollte. Darauf freute ich mich schon sehr! Endlich wieder ein weiblicher Gesprächspartner.

Der griechische Sonnengott Helios meinte es gut mit uns, bei 20 Grad Aussentemperatur knatterten wir die Bergstraße zu den Klöstern empor und stellten Akela auf der wunderschönen Aussichtsplattform ab, die wir auch letztes Mal als Schlafplatz auserkoren hatten.

Meteora empfanden wir bei unserem zweiten Besuch - wie soll ich sagen -  anders! Für mich hatte es ein wenig an Glanz verloren. Die Klöster hoben sich vom Farbgemisch der Vegetation und der Felsen rundherum nur schwer ab. Kaum war der Schnee geschmolzen, schoben sich auch schon große Busse gefüllt mit Touristen von Kloster zu Kloster. Tür auf, Meute raus, Foto, Meute rein, Tür zu, weiter ging es! Restaurantanwerber klapperten die Touristenstops mit Mopeds ab um Werbung für Ihre Tavernen zu machen.  Ja, es war einiges los bei den Nonnen und Mönchen auf den Bergen. Für unseren Geschmack viel zu viel.

Gott, was waren wir glücklich, dass wir diesen einzigartigen Ort in Ruhe und Ehrfurcht genießen durften als noch Schnee lag und sich niemand hier hoch traute. 

Dennoch hatten wir die Tage viel Spaß in Meteora. Christos besuchte uns Abends darauf mit seiner Frau Konstantina und deren drei jährigen Sohn Konstantis. Für uns war es Premiere in Akela „Besuch“ zu empfangen. Der Abend verlief super lustig, wir lachten viel, Meinungen und Kontakte wurden ausgetauscht, und die Kinder spielten mit ihren Matchbox Autos, der eine auf griechisch, der andere auf deutsch. Sie verstanden sich blendend, auch ohne zu verstehen, was der andere von sich gab.

Schon des längeren äußerte Lennox den Wunsch, Akela`s Aussenwand künstlerisch ein wenig umzugestalten, die Farbe Weiß war ihm, wie vieles… zu langweilig. Das Wetter lud förmlich dazu ein im Freien Spaß zu haben. Wasserfarben wurden vom Chef genehmigt, Musik ins Freie buggsiert und im Handumdrehen ging es los. Die Motivauswahl war auch nicht sonderlich schwierig und Leander malte bereits Felskonturen. Voller Eifer begannen wir den Bergen Farbe, in Form von Wiesen und Blumen, zu geben. Klöster fanden künstlerisch gestaltet ihren Platz, Details wurden angefertigt. Mit stolz erhobenen Pinseln betrachteten wir nach Vollendung unser Meisterwerk, es konnte sich wirklich sehen lassen. Das Abbild von Meteora, dessen stolzer Träger Akela nun war, erregte auch bei den vorbeischlendernden Menschen Aufsehen. Viele fotografierten unser Kunstwerk ab und ließen uns dann die Fotos mit lieben Nachrichten zukommen. Übrigens, Wasserfarben sind resistenter als ich dachte. Die letzten Wochen hat die Zeichnung bereits mehrere Regengüsse relativ unbeschadet überstanden. 

Tja, was haben wir noch in Meteora gemacht? Vieles!! Wir sind den Monk Trail abgewandert, ein verwachsener Pfad durch die Vegetation, auf den Spuren der alten Mönche dessen finales Ende ein Mönchsgefängnis ist. Wir kletterten zur Drachenhöhle empor, deren einstürzende Felsen der Mythologie zufolge einen Drachen unter sich begraben haben soll, welcher jede Nacht in Kalambaka sein Unwesen getrieben haben soll. Lennox`s Enttäuschung war allerdings groß, als er vor Ort keine Drachenknochen mehr finden konnte. 

Wir haben die Honda vom Heckträger gekurbelt, was in Lennox ein eindeutiges Daumen hoch bewirkte. Der Plan war zu einem kleinen, abgelegen Dorf in den Bergen zu gelangen. Der einzige Zugang war eine schlecht ausgebaute Piste, womöglich noch schneebedeckt. Der Blick von dort auf Meteora solle allerdings unbezahlbar sein, meinte Christos, der es wissen musste. Wir wagten den Versuch, jedoch gaben wir kurz vor dem Dorf auf. Es lag zuviel Schnee, weder eine Straße noch eine Spur waren erkennbar. Für drei Leute auf dem Moped war es zu riskant. Nach einem kleinen mitgebrachten Snack kehrten wir wieder um und fuhren Richtung Kalambaka. Es machte trotzdem riesigen Spaß sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen, auch wenn uns beinahe die Oberschenkel eingefroren wären.

Kalambaka besitzt ein kleines Naturwissenschaftliches Museum mit einem integrierten Pilzmuseum, welches sehr ungewöhnlich und interessant ist. Lennox haben dort am besten die Pilzproben gefallen, die in verschiedenen Zubereitungsarten als Kostproben kredenzt wurden. Und wie immer, wenn wir einen Ort für mehrere Tage unser zu Hause nennen durften, kam auch Akela nicht zu kurz. Die Trennwände der Staukästen vielen uns beim Öffnen entgegen, Filter gehörten gereinigt, Löcher gebohrt um die Durchlüftung zu verbessern... die Arbeit ging nicht aus. In der Zwischenzeit hatte unser Kleiner mit den unzähligen Katzen von Meteora seinen Spaß, und als sich noch ein alter Hund zu ihnen gesellte, war die Welt für Lennox perfekt! Das waren alles seine Haustiere.

An unseren letzten Abend saßen wir noch mit Christos und Co in einer Taverne zusammen und schmausten leckeres, griechisches Essen. Vielen Dank euch Drei für eure Hilfe und Gastfreundschaft. Ihr seit wunderbar und einzigartig. Es ist toll, so weltoffene und herzliche Menschen wie ihr es seit, zu unseren Freunden zählen zu dürfen.

Meteora Adieu zu sagen fiel uns sichtlich schwer. Wir fühlten uns an diesem Ort jedesmal ein Stück freier und gelöster, Sorgen und Ängste die wir in uns hegten, schienen viel leichter zu sein. Doch die Zeit drängte, wir mussten weiter.

Der Weg führte uns östlich Richtung Olymp, dem Berg der Götter. Der höchste Gipfel ist der Mytikas mit 2.918 Metern. Der Gebirgsstock weist eine ganz eigene Flora und Fauna auf. Deshalb wurde er schon 1938 unter Naturschutz gestellt und 1981 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Dass Fabi dort auch seine letzten Powderdays verbrachte, ehe es für ihn wieder Richtung Heimat ging, war natürlich eine willkommene Abwechslung. Wir steuerten Akela Richtung Litochoro, einem kleinen Ort der dem Olymp zu Füßen liegt. Von dort ging es in Serpentinen einige Kilometer hoch in ein Naturschutzgebiet. Oben angekommen konnten wir auch schon am Ende des Weges Fabis roten Truck erkennen.
Die Jungs waren zu einem Hike aufgebrochen und würden voraussichtlich erst morgen wieder beim LKW auftauchen. Wir studierten noch etwas die Umgebung, machten einen Plan für den nächsten Tag, besänftigten unsere knurrenden Mägen mit selbstgemachter Pita Pizza, bevor wir uns todmüde in die Falle verfrachteten. Am nächsten Tag war wandern angesagt. Der Plan war, den ausgeschilderten Wanderweg zu einer Schutzhütte am Olymps hoch zu steigen, Refuge Petrostrouga (auf 2100 m Höhe). Mit reichlich Proviant im Rucksack starteten wir zeitig am Morgen die Tour. Lennox setzte mit etwas Zuspruch brav einen Fuß vor den anderen. Für ihn war es schwierig, da der Weg gleich vom Einstieg weg mit reichlich Schnee bedeckt war. Oftmals sank er ein, oder er viel hin. Es war anstrengend und kräfteraubend für ihn. Außer kurzen Trinkpausen legten wir keine längeren Stops ein, da wir die Strecke um einiges langsamer zurücklegten als erwartet. Nach drei Stunden bergauf wandern streikte Lennox. Der Schnee reichte ihm bereits bis zu den Hüften. Unsere Schuhe waren derartig durchnässt, dass bei jedem Schritt Wasser bei den Nähten herausquoll. Das machte keinen Spaß mehr!
Eine kräftige Jause ließ die Gemüter wieder höher jauchzen und obwohl wir unser Ziel nicht ganz erreicht hatten, war es ein schöner Tag im Naturschutzgebiet des Olymp der Spaß gemacht hat, auch wenn er etwas mühsam war. Den Abstieg zu Akela meisterten wir in gut zwei Stunden.

Unten angekommen strahlte uns auch schon Fabi entgegen. Er kam ebenfalls gerade von einer anstrengenden Tour zu seinem Truck zurückgekehrt. Nach einer kräftigen Umarmung setzte er Lennox zu sich ins Führerhaus und nahm ihn mit, um den Rest seiner Jungs vom Parkplatz abzuholen, wo sie auf ihn warteten. Ich konnte noch schnell ein bombastisches Lächeln von Lennox erhaschen, ehe sie an mir vorbei brausten. Nachdem die gesamte Crew versammelt war, chillten wir draussen vor den Trucks noch ein wenig mit Musik und Trank. Fabi konnte Lennox`s Wunsch, mit ihm gemeinsam eine Offroad Schneebahn für seine Monstertrucks zu bauen, nicht abschlagen. Später, zu Sonnenuntergang, starteten wir die Motoren unserer Oldies und ließen bei einem gemeinsamen Abendessen unsere gewonnenen Griechenland Impressionen Revue passieren. Ein letztes Mal sagten wir Lebewohl, ehe es für die Snowmads wieder ab in die Heimat ging und uns der Weg weiter gen Osten führte.

Ein Fixpunkt im schönen Hellas stand noch auf unserer Liste, einer, auf den wir uns schon ganz besonders freuten. Die Blu-blu Family kündigte ihren Besuch an. Dejan, Cvetanka und die Kinder kamen den weiten Weg von Mazedonien angereist, nur um uns noch einmal zu sehen. Treffpunkt war der kleine Ort Sarti, welcher mittig am zweiten Finger Chalkidikis liegt. Akela parkten wir etwas oberhalb am Mega Orange Beach, von wo ein Trampelpfad direkt zum Strand hinunter führte. Die Bucht war relativ weitläufig und mit beinahe weißem Sand bedeckt, das Meer wurde von ungewöhnlich geformten Felsen eingerahmt. Mega Orange Beach war bei weitem kein hässlicher Strand, er hatte nur das Pech gehabt, dass wir zuvor auf Kreta waren und von der Schönheit der Strände die wir dort gesehen hatten, immer noch verwöhnt waren. Deshalb gab es keinen Stockerlplatz für diese Bucht.

Lennox wurde schon etwas ungeduldig. Das Warten auf die Blu-blu Family dauerte ihm schon zu lange.  Und endlich... gegen Mittag trudelten die vier ein.

Die Kinder waren sofort unter sich und alberten am Strand umher, und wir Erwachsene hatten sowieso immer genug Gesprächsstoff. Nachdem wir plauderten und die Kinder spielten, bereiteten wir im Freien ein BBQ mit Fisch, Tzaziki, Salate, Brot, Wein und Bier zu – alles was das Herz begehrte. Wir hatten gerade fertig gespeist und wollten in den gemütlichen Teil des Abends übergehen, als ein heftiger Regenschauer, der unerwartet vom Himmel prasselte, der Party ein abruptes Ende setzte. Unsere ausgefahrene Markise hielt zwar dem Regen stand, aber so richtig fein, dass man noch ewig sitzen hätte wollen, war es nicht mehr. Flink retteten wir noch alles ins Trockene, ehe sich Dejan und Co verabschiedeten, um in ihr gebuchtes Appartement zu fahren. 

Sonntag Vormittag verbrachten wir bei diesigem Wetter am Strand, aber es war herrlich. Wir tranken mitgebrachten Kaffee und naschten kleine Snacks. Dejan und Leander haschten nach dem ein oder anderen Schnappschuss, wir spielten gemeinsam mit den Kindern.... Es waren wirklich zwei wundervolle Tage mit der Familie Ristovski. Es hat Spaß gemacht, wir haben viel gelacht, aber auch ernsthafte Themen fanden ihre Zeit. Wir werden euch wie immer sehr vermissen und danke, dass ihr den weiten Weg auf euch genommen habt, um noch einmal Goodbye zu sagen. Lennox mußten wir kräftig trösten, dicke Krokodilstränen liefen über seine Wangen als die vier in ihre Familienkutsche einstiegen und wieder heimwärts rollten.

Auch für uns war es langsam an der Zeit Abschied zu nehmen. Seit nunmehr sechs Wochen bereisten wir dieses Land und sind immer wieder aufs Neue überrascht, welche geheimen Ecken und Erlebnisse es noch zu bieten hat. Doch wenn wir unserer Reiseroute treu bleiben wollen, dann mussten wir weiterziehen. Die Mongolei, die fixer Bestandteil unserer Reise sein sollte, hat klimatisch bedingt nur ein sehr kleines Zeitfenster. Um eine gute Reisezeit zu erwischen, sollten wir spätestens im Juli vor Ort sein.

Unsere letzten beiden Stops Richtung türkischer Grenze nutzten wir als reine Übernachtungspunkte. In der ersten Stadt Kavala erledigten wir unsere Wäsche, tankten Diesel und Wasser auf. In der Zweiten, Alexandropouli, übernachteten wir nur noch, um am nächsten Tag die letzten 40 Kilometer bis zur türkischen Grenze zu rollen. Aufgefallen ist uns, dass es irgendwo zwischen Thessaloniki und Kavalla eine imaginäre Grenze geben muss. Die Menschen wurden anders, sie schienen zurückhaltender zu sein und waren auch nicht mehr ganz so freundlich, wie wir es von den Griechen gewohnt waren. Irgendwie vermochten wir innerlich zu spüren, dass uns jetzt neue Religionen, neue Verhaltensregeln und auch sonst noch einiges Unbekanntes erwarten würde. Wir sind gespannt auf die Türkei und freuen uns auf neue Erlebnisse.

Kommentare (1)

  1. Maria Briedl
    Maria Briedl am 08.04.2017
    Hallo Maria!
    Es ist so interessant von euren Erlebnissen zu lesen. Die Fotos - einfach traumhaft.
    Jetzt geht es in unbekanntes Gebiet und ich wünsche euch, dass ihr auch dort helfende, freundliche Leute trefft.
    Wünsche euch weiterhin eine gute Reise und freue mich auf die nächsten Berichte.

    Grüße aus der Heimat
    Maria

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