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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 20.02.2017

Mythen, Geschichten, Götter und Berge

 Hellas und seine Menschen haben uns in ihren Bann gezogen!!

 

Griechenland, Jänner 2017

Unerwarteter Wintereinbruch in Griechenland machte eine Routenänderung nötig. Der geplante Grenzübergang bei Bitola um nach Pisoderi zu gelangen, wo wir ein paar Skitage eingeplant hatten, war wegen Schneetreiben geschlossen. Laut unseren Informationen konnte man bei Gevgeljia passieren.  Auf schneebedeckter Fahrbahn starteten wir und erreichten nach einigen Stunden Fahrt die Landesgrenze. 

Wo die Reise hinginge, war eine viel gestellte Frage. Mit „New Zealand“ als Antwort ließen wir allerdings die meisten Zollbeamten mit einem Fragezeichen im Gesicht stehen.

Dejan und seine Frau gaben uns den Tipp einen Stop in Loutraki einzulegen, dort gäbe es fantastische heißen Quellen. Hot Springs kannte ich bislang nur aus Erzählungen, deshalb war ich schon sehr gespannt. Es war bereits dunkel als wir Loutraki erreichten und wir hatten allesamt mächtig Kohldampf. Wie es der Zufall wollte fuhren wir an einem Restaurant vorbei. Leander stieg auf die Bremse, während ich mich zum Aussteigen bereit machte, um in Erfahrung zu bringen, ob Kartenzahlung möglich wäre, da wir vergessen hatten Bargeld abzuheben. 

Leider war das Kartenterminal defekt und Dimitris, der Restaurantbesitzer erklärte mir, ich könne morgen wieder kommen. Blöd, wir hatten aber heute Hunger! Ich machte schon kehrt, um zu gehen, als er mir nachrief:“ no, no, no problem – you eat today and pay tomorrow! Hatte ich richtig gehört? Heute essen, und morgen bezahlen? Ich lief zum Truck und erzählte alles dem Rest der Crew. Leander war ebenso baff wie ich. 

Das Essen schmeckte lecker und wir versprachen Dimitris, morgen - nach dem Baden, ins Lokal zu kommen um zu bezahlen. 
Die heiße Quelle war ein Abenteuer für sich. Bei minus sechs Grad und eisigem Wind entledigten wir uns unserer Kleidung. Im Freien wohlgemerkt! Wohlig geheizte Umkleidekabinen suchte man vergeblich. Was noch nicht die Krise war. Die Challenge bestand darin, aus wohltuendem 37 Grad warmen Wasser wieder in die Kälte zu steigen. 

Ich war als Erste an der Reihe. Bibbernd vor Kälte trocknete ich mich dürftig im Freien ab und zog das Gewand über meine feucht kalte Haut. Während der ganzen Zeit summte ich staying alive, staying alive... ah, ah, ah, ah... staying aliveeeee......, von den Bee Gees, es half. Ich blieb alive!!! Der nächste war Lennox und dann Leander. Die Jungs stellten sich weniger zimperlich an. Wie versprochen gingen wir anschließend Schulden begleichen.

Der Badeausflug hinterließ allerdings seine Spuren. Lennox fühlte sich Abends nicht gut. Er hatte leichtes Fieber und das Schlucken tat ihm weh. Tee und Ruhe zeigten keine Wirkung. Vorsorglich erkundigten wir uns bei Dimitris, neben dessen Lokal wir einen Stellplatz fanden, nach einem Arzt in der Nähe. Im 10 Kilometer entfernten Aridea gäbe es ein Krankenhaus, erklärte uns Dimitris. Um auf Nummer sicher zu gehen kritzelte er seine Handy Nummer auf einen Zettel, gab ihn uns und betonte mit Nachdruck, dass er sein Handy eingeschalten lässt, sollte ein Notfall eintreten. Wir mussten ihm versprechen, uns am nächsten Tag zu melden, wenn wir mit Lennox den Doktor konsultiert hätten. 

Lennox`s Zustand verschlechterte sich über Nacht. Um auf der sicheren Seite zu sein, beschlossen wir ins Krankenhaus zu fahren. Nach kurzer Wartezeit wurde Lennox sorgfältig von einem Arzt untersucht. Meine Befürchtungen bestätigten sich. Er hatte  einen bakteriellen Racheninfekt. Antibiotika, so ein Bull Shit. Wir bedankten uns für die rasche Hilfe und fragten nach der Rechnung. Die Krankenschwester schaute mich freundlich an und meinte – nichts – ausser einem Lächeln. Wahnsinn oder? Wo gibt’s denn so was? 

Nach dem Krankenhaus besuchten wir noch kurz Dimitris in seinem Outdoor Shop in Aridea, um uns zu verabschieden. Wir hatten das Vergnügen seine Familie kennen zu lernen, er gab uns Vitamine und ein Schutzbild der heiligen Maria mit, er umarmte und busselte uns ab, dann erst durften wir Aridea verlassen. Schön oder? Die Griechen waren der Wahnsinn. Genau für solche Momente lohnte es sich.

Skifahren konnten wir allerdings die nächsten Tage wegen Lennox `s Krankheit vergessen. Antibiotika und Sport verträgt sich nicht gut. Also widmeten wir uns einem anderen nicht so lustigen Zeitvertreib, unserer Stand- heizung, die immer noch nicht fehlerfrei lief.
Unweit von Loutraki entfernt fiel uns bei der Hinfahrt ein Bosch Servicecenter auf. Vielleicht fanden die eine Lösung, und ich konnte die Stehzeit mit Lennox ruhig gestalten, was ihm gut tun würde. Der Chef persönlich arbeitete mehrere Stunden gemeinsam mit Leander an dem Gerät. Er fand keinen 100% igen Defekt. Die Heizung wurde ein wenig umgebaut und verbessert, das System sollte funktionieren. Das Begleichen der Rechnung versetzte uns abermals in blankes Staunen. Die investierte Arbeitszeit verstand sich als griechische Gastfreundschaft und kostete nichts. Er verlangte lediglich ein paar Euros an Materialkosten. Obendrauf wurden wir mit Kaffee versorgt.

Um zu testen ob die Heizung funktionierte, übernachteten wir auf einem still gelegten Betriebsgelände, nahe dem Bosch Servicecenter, für alle Fälle. Unsere Wohnung war warm als wir morgens erwachten, ein feines Gefühl. Guter Dinge starteten wir zeitig Richtung Meteora, das knapp 300km entfernt lag. Die Meteora Klöster befinden sich im Pindos-Gebirge in der Region Thessaliens. Einzigartig sind diese Klöster unter anderem, weil sie bei dunstiger Luft oftmals so aussehen als würden sie schweben. Denn die Klöster liegen allesamt auf hohen Felsen, die zu damaliger Zeit nur unter schwersten Bedingungen zugänglich waren.
Die ersten Einsiedeleien in Meteora wurden bereits im 11. Jahrhundert gegründet. Auf den letzten 80 Kilometern Richtung Kalambaka, dem Ort – der Meteora zu Füßen liegt, nahmen wir einen albanischen Autostopper mit. Er freute sich, dass er ein paar Kilometer weiter gekommen war, und wir konnten jemandem helfen. An der Ortseinfahrt ließen wir ihn aussteigen, und wir fanden einen guten Schlafplatz auf einem Restaurantparkplatz. Die Morgendämmerung zog allmählich einher, als ich von einem Geräusch geweckt wurde, dass ich unangenehm in Erinnerung hatte. Hörte ich einen Scheepflug? Ich lugte zum Fenster raus, und tatsächlich!! Schnee erdrückte die Landschaft, es war keine Straße mehr zu sehen, keine Sträucher, keine Bäume... es war alles weiß. Über Nacht hatte es an die 50 Zentimeter geschneit. Unglaublich, wir sitzen mitten in Griechenland und versinken in der weißen Pracht. Es war eine weise Entscheidung, Akela von Beginn an mit Winterreifen (Goodyear Ultra Max 315 R80 22,5) auszustatten. Problemlos fuhren wir in Kalambakas Zentrum und machten uns über die Strassenverhältnisse zu den Klöstern schlau. Die Meinungen waren geteilt, doch wir setzten unser Vertrauen in Akela und entschieden uns zu fahren. Meter für Meter schob sich unser Zehntonner die ungespurte Bergstrasse zu den Klöstern hoch. Ein, zweimal kam er leicht ins Wanken, meisterte die Herausforderung aber bravourös, Leander war stolz auf seinen Brummi.

Belohnt wurden wir mit einem Nachtlager …. mir fehlen die Worte...

 

atemberaubend
majestätisch
Einfach unglaublich

 

Hoch oben auf den Felsen, umringt von sagenumwogenen Glaubensstätten, tief verschneit bei sternenklarem Himmel. Muss ich noch mehr sagen? Es war mystisch, es war überwältigend, es war still, und gleichsam überkam mich ein Gefühl von Ehrfurcht. Die nächsten Tage waren wunderbar. Wir wanderten zu den Klöstern, zwei davon konnten wir auch besichtigen, bauten ein Iglu, und machten Schneeballschlachten. Leander nutzte die Morgen,- und Abendstunden für Fotos und Drohnenmaterial.
Auch nach drei Tagen konnte ich mich immer noch nicht satt sehen. Ich genoß die Ruhe, nur wenige Touristen waren unterwegs, und einige verrückte Fotografen. Meteora hat uns so überwältigt, dass wir beschlossen haben, auf unserem Rückweg aus dem Süden Griechenlands, weiter Richtung Türkei, nochmal zu halten. Wenn kein Schnee mehr liegt, möchten wir gerne zu den unbewohnten Klöstern wandern.

 

"Das ist Sparta!!"

 

Das Wetter wurde milder, und der viele Schnee verwandelte sich in riesige Wasserpfützen. Die Reise führte uns weiter Richtung Athen, wo wir spät abends, nach gut 200 Kilometern, bei den Thermopylen hielten. Und wer stand da noch auf dem Parkplatz? Der Truck vom Fabi Lentsch und den Snowmads. Wie klein die Welt doch ist!

Diese Region im Kalidromos Gebirge ist Filmfreunden vielleicht aus Zack Snyders Hollywood Blockbuster „300“ ein Begriff. Die legendäre, mehrtägige Schlacht bei den Thermopylen gegen die persische Armee fand um 480 v. Chr. statt.

Der Sparta König Leonidas führte ein Heer von 300 tapferen Männern an den damals 15 Meter breiten Thermopylenpass, eine Engstelle zwischen dem Gebirge und dem Golf von Malia. Dort trafen sie auf den persischen König Xerxes, der den Spartiaten an Kriegern um ein vielfaches überlegen war. Durch einen Verräter aus den eigenen Reihen wurden die Spartiaten in einen Hinterhalt gelockt, wo sie bis zum Schluss tapfer und entschlossen ihr Leben für ein freies Griechenland opferten.

Heute beläuft sich die damalige Meeresenge auf mehrere Kilometer und bildet im Grunde den Vorort der Stadt Thermopylen. Allerdings war mit ein wenig Fantasie der Kampfgeist und die Entschlossenheit der Spartiaten immer noch zu spüren. 

Mir bleibt dieser Ort vor allem auch wegen seiner heißen Quellen in Erinnerung. Heißes Schwefelwasser schoss aus mehreren Metern Höhe in die Tiefe und wurde in zahlreichen natürlichen Becken aufgefangen. Wir thermten morgens – mittags – abends, und auch nachts bei milden Temperaturen. Lennox liebte solche Abwechslungen, und wir natürlich auch. 

Am dritten Tag packten wir mit Schwimmhäuten an den Fingern zusammen, und fuhren die Autobahn entlang Richtung Athen. Fabi Lentsch der mit seinen Snowmads ebenfalls in Griechenland unterwegs war, auf der Suche nach Powder, gab uns für Athen einen perfekten Tip was den Stellplatz anbelangte. 

Wir logierten im Zentrum auf einem Parkplatz in erster Reihe fußfrei mitten vor der Akropolis. Gratis!! Ein großartiger Spot. Ein Hotelzimmer mit dieser Aussicht würde Unmengen kosten. Zumal Griechenland in keinster weise günstig war. Im Gegenteil, Diesel, Lebensmittel, Tabak... alles war eine Spur teurer, als wir es von Österreich gewohnt waren.

Athen kannten Leander und ich bereits von einem verlängerten Wochenende vor Lennoxs` Zeit, weshalb unser Aufenthalt sehr untouristisch verlief. Wir sparten uns den Eintritt zur Akropolis, tranken keinen überteuerten Kaffee im Zentrum und shoppen war sowieso tabu. Stattdessen waren wir mit unserer Schmutzwäsche bewaffnet, und steuerten einen Laundry Shop an. Während drei Maschinen gleichzeitig wuschen, nutzte Leander gratis Wlan im Nachbarcafe um zu arbeiten. In einem Reisebüro checkten wir noch Fährverbindungen auf die Insel Kreta, mit der wir als nächstes Reiseziel liebäugelten.

Die Hauptstadt selbst war geschäftig, modern und wuselig, wie viele andere Großstädte auch, die wir während unserer früheren Reisen besucht hatten. 

Es war herrlich auf den umliegenden Hügeln der Akropolis zu wandern und umher zu tollen. Dank unseres Fotografen durften wir verschiedene Stimmungen der antiken Gemäuer genießen. Morgenlicht, Sonnenuntergang, nachts, wenn alles beleuchtet war... und jedesmal zeigte uns die Akropolis ein neues Gesicht! 

Einer unserer letzten Wege in Athen führte uns zu einem Vertragspartner der Firma Eberspächer, ja-ja, die Standheizung. Wie gerne würden wir endlich dieses leidige Thema abhacken. Selbes Prozedere wie immer, hinten alles ausräumen, um an das gute Stück zu kommen. Es wurde getestet, geschraubt... aber schlußendlich nichts gefunden, und mittlerweile war es uns auch schon egal, wir hatten keine Lust mehr. Unser Reisebudget blieb abermals unangetastet. Der Grieche winkte lächelnd ab, als wir nach der Rechnung fragten. Und griechischen Kaffee gab es natürlich auch obendrein wieder. Wobei dieser, unter uns gesagt, nicht unbedingt unsere Geschmacksrichtung trifft. Aber hey, einem geschenkten Gaul,... naja, ihr wisst schon.

Es war bereits später Nachmittag, als wir Athen hinter uns ließen. Wir rollten knapp 30 Kilometer stadtauswärts, und hielten auf dem Parkplatz des Attica Zoo. Lennox war die letzten Tage sehr handzahm gewesen, weshalb wir ihn mit einem Besuch im Tierpark eine Freude bereiten wollten. Wir übernachteten auf dem Areal vor dem Zoo und standen pünktlich um neun vor der Eingangspforte. Die am Horizont empor gleitende Sonne erwärmte unsere Körper, und wir genossen einen wunderschönen Tag. Nach unserem Ausflug in die verschiedensten Tierwelten fuhren wir gegen 16 Uhr nach Piräus, dem Hafen von Athen, wo wir um 21 Uhr mit der Fähre Richtung Heraklion/Kreta ablegten.

Kommentare (3)

  1. Maria Briedl
    Maria Briedl am 21.02.2017
    Hallo Maria!
    Hab gerade die neuesten Berichte und Fotos angeschaut - unglaublich - was ihr alles erlebt. Die Fotos - ganz toll!! Ich freue mich schon auf die nächsten.
    Wünsche euch weiterhin freundliche Helfer, wenn es Probleme gibt und recht viel Glück. Bleibt gesund und versorgt uns mit neuen Berichten und Fotos.

    Liebe Grüße aus der Heimat
    Maria
  2. Maria Zehentner
    Maria Zehentner am 21.02.2017
    Hi Mary,
    freut mich, dass du so eine treue Leserin bist. Ja Griechenland hat uns in seinen Bann gezogen.
    Wir werden noch ein wenig skifahren gehen, in thessaloniki Freunde treffen, und dann weiter Richtung Türkei fahren.
    bis jetzt verläuft alles halbwegs ok. bis bald, und liebe grüße an alle
    Maria
  3. Teresa Sedlar
    Teresa Sedlar am 22.02.2017
    Liebe Maria,
    Lese gerade Deine Blogs - super, als wie wenn man selbst etwas dabei ist. Freut mich zu hören, dass es Euch gut geht und alle wohlauf sind. Wusst gar nicht dass es heisse Quellen in Griechenland gibt. Sicher eine sehr willkommene Abwechslung zu den winterlichen Temperaturen

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