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Author: Maria Zehentner / Translation: Elke Weninger
Beitrag vom: 28.02.2017

Kreta, die verkannte Perle der südlichen Ägäis

Jänner 2017

Wir deckten uns im Hafen von Piräus noch mit Lebensmitteln ein und rollten im Anschluss behäbig auf die Nachtfähre Richtung Heraklion/Kreta. Die Zeit drängte bereits. Dank unserer Trödelei waren mittlerweile die besten Schlafplätze an Deck belegt. Im eigenen Fahrzeug zu campieren war verboten, und eine Kabine für die neun Stunden Überfahrt wollten wir uns nicht leisten. Deshalb war Couchsurfing angesagt!

Die Überfahrt schien von keinem guten Stern begleitet zu sein. Das Meer war rauh und stürmisch, Geschirr klapperte unentwegt in den Regalen der Cafeteria, Kinder waren unruhig,... einzig und allein unser Sohn schlummerte seelenruhig, seinen Papagei fest umschlungen, auf der Couch. 

Zwischen Leander und mir zogen ebenfalls heftige Gewitterwolken einher, der Himmel verdunkelte sich im Minutentakt und endete in einem Hagel verbaler Giftpfeile, die wir aufeinander los katapultierten. Der Grund? Bis dato noch unbekannt. Fakt war, dass wir uns sprichwörtlich nicht riechen konnten, und respektlos miteinander umgingen. Es endete damit, dass Leander am anderen Ende der Lounge schlief, und ich mir die Nacht mit Lennox um die Ohren schlug. 

An einen guten Morgen nach der mühsamen Überfahrt war nicht zu denken. Ohne uns anzusehen stiegen wir ins Führerhaus und fuhren in den Hafen von Heraklion ein. Am nächst möglichen Parkplatz hielt Leander. Wir stiegen beide aus und er fragte mich provokant, wohin er uns chauffieren dürfe. Ein Feuergefecht an Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Schimpfwörtern... brach über uns herein. Viele angestaute Emotionen quollen ungebremst aus uns heraus, die im ersten Handeln als Gemeinheiten dem anderen an den Kopf geschleudert wurden. Immer noch ungeklärter Dinge stiegen wir wieder ein, Lennox hatte bereits angefangen zu weinen. Er konnte die Situation nicht zu ordnen, genauso wenig wie wir selbst.

Nun, nichts desto trotz, fuhren wir los. Es blieb uns ja nichts anderes übrig. Mit jedem Kilometer den ich Leander auf der Strasse navigierte, zeigte er mir seinen Widerwillen. Irgendwann wurde es mir egal, ich steuerte ihn an eine kleine Bucht im Süden von Kreta, über die ich im Internet viel positives gelesen hatte.

Um dort hin zu gelangen, mussten wir einmal quer über die Insel, knapp 80 Kilometer, was nicht viel erscheint. Doch Kreta ist sehr gebirgig und wird durch eine von West nach Ost reichende Gebirgskette bestimmt, die zumeist zur Südküste steiler, zum Norden flacher abfällt. Das Ida-Gebirge mit dem Psiloritis (2456m) als höchstem Berg der Insel, ist die Höchste der vier Erhebungen auf Kreta. 

Er und die umliegenden Gipfel waren schneebedeckt. Mühsam plagte sich Akela die letzten Serpentinen empor, ehe wir am anderen Ende das blitzende Meer der Südküste erblickten konnten. Strahlender Sonnenschein, zumindest wettertechnisch. Im Führerhaus herrschte Funkstille. 

Der kleine Ort Lentas war schnell gefunden, entpuppte sich aber auf den ersten Blick für uns als Reinfall. Leander parkte auf einer Grünfläche und zog es vor, sich grollend aufs Ohr zu hauen. Na toll, das Stimmungsbarometer rasselte noch tiefer in den Keller. Der Kleine und ich stiegen aus und blickten uns erst einmal um. Wir entdeckten zwei Männer, die uns neugierig von der Terrasse eines kleinen Cafes beobachteten. Zielstrebig steuerten wir auf die beiden zu. „Yassas, do you speak english“?“ stellte ich in den Raum, doch diese Frage erübrigte sich, als mir einer der beiden auf Deutsch antwortete. Während wir Kaffee und Fanta schlürften, erfragten wir einiges über die Gegend. Reich an Infos kehrten wir wieder zum Truck zurück. Leander schlummerte immer noch. Vorsichtig wagten wir den Versuch ihn zu wecken, was gehörig ins Auge gehen kann, wenn man nicht feinfühlig agiert. Schlaftrunken nahm er die Infos auf, die aus uns herausquollen. Ich zeigte ihm auf der Karte eine Möglichkeit, um direkt an den Strand zu gelangen, nicht weit von hier entfernt. 

Es schien ihn nicht sonderlich zu interessieren was ich ihm mitzuteilen hatte, er ließ sich einfach dirigieren. Wir setzten uns ins Führerhaus und umfuhren das Kap Leontas, oder kurz – den Löwen – wie der kleine Berg von den Einheimischen liebevoll genannt wird, und als Naturschutzgebiet offiziell geschützt wird. 

Vor dem Ort Dytikos hielten wir an einem kleinen Parkplatz direkt an der Straße. Von dort konnten wir einen Weg erkennen, der zum Meer führte. Er war mit Schlaglöchern und tiefen Furten übersät. Leander sah mich an und gab mir deutlich zu verstehen, dass ich ihm den Buckel runter rutschen könnte. Es interessierte ihn nicht die Bohne dort hinunter zu fahren. Was ich verstand, die Deutschen hatten wohl vergessen zu erwähnen, in welchem Zustand die Straße war. Ergo blieben wir oben auf dem Parkplatz stehen, was auch nicht weiter schlimm war, denn es führte ein kleiner Fußweg hinunter an den Strand.  

Leander und ich wechselten immer noch kein Wort miteinander, und ich glaube es bedarf keiner großen Vorstellungskraft um zu erahnen, wie sich der Rest des Tages angefühlt hat. Eisig wars, bei sonnig warmen Aussentemperaturen.

Erst am darauf folgenden Vormittag war es uns wieder möglich Augenkontakt zu halten und vernünftig miteinander zu sprechen. Altbekanntes wie Stress, keine Zeit füreinander, Missverständnisse, permanente, und ich meine wirklich permanent, Reparaturen am Truck… holten uns wieder ein. 

Lennox machte die Situation nicht besser. Er widerspiegelte in seinem Verhalten uns gegenüber genau das, was wir ihm als Eltern vorlebten. Wir waren angespannt, leicht reizbar,.. wir fühlten uns in dem Projekt Akela immer noch nicht angekommen. Es war nicht Fisch und nicht Fleisch. Wir wussten nicht so recht wie!! 

In Situationen wie diesen, die uns nicht das erste Mal ereilten, versuchen wir uns auf die Grundgedanken der Reise zu besinnen. Warum taten wir uns all die Beschwerlichkeiten an? Gott sei Dank fällt es uns immer wieder ein, das Warum?! Manchmal tun solche, ich nenn sie jetzt einfach mal „Black out“ Tage auch gut! Nach dem gegenseitigen Auskotzen fällt es wieder leichter, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Frische Energien werden freigesetzt. Von da an lief es besser.

Endlich konnten wir die wunderschöne Bucht von Dytikos, und die Schönheit der Natur rund um uns, mit klaren Augen und freiem Geist genießen. Barfuß schlenderten wir am Sandstrand entlang und ließen unsere Beine vom eiskalten Meerwasser umspühlen.

Lennox´s fünfter Geburtstag stand vor der Tür und natürlich gab es kein Fest ohne Torte. Zutaten und Deko hatte ich bereits in Mazedonien besorgt und im Handumdrehen war der Teig fertig, selbst ohne Mixer. Der Kleine schlief bereits als ich das Tortenspektakel veranstaltete, denn es sollte eine Überraschung werden. Nachdem der Kuchen eine halbe Stunde im Backrohr war und gut gedeihte, ging ich mit Leander für eine Zigarettenlänge raus vor den LKW. 

Nach der Rauchpause öffneten wir guter Dinge die Eingangstüre, als uns eine fette Rauchwolke ins Gesicht knallte. Leander stürmte in den Truck, riss Lennox aus dem Bett und brachte ihn ins Freie. Ich machte die Ofentüre auf, von wo mir noch viel mehr Rauch entgegen qualmte. Unsere Bude glich einer Räucherkammer, selbst minutenlanges Lüften vertrieb den Nebel und den Gestank nur schwer.  Bei der Gelegenheit fiel uns der Rauchmelder ein, den wir schon seit Wochen spazieren führten, und immer noch nicht angeschlossen hatten. In der Schublade würde er uns nicht vor einem Erstickungstot warnen können.

Entgegen meiner Vermutung war der Kuchen sogar noch gut zu gebrauchen. Den verkohlten Rand schnitt ich einfach weg und gestaltete den Rest des Meisterwerks fertig. Der Vorfall hat uns einen gehörigen Schrecken eingejagt. Kochen und Backen mit Gas ist mir persönlich auch nach zwei Monaten immer noch suspekt. Permanent glaube ich, dass es bumm macht.

Wir starteten Lennox`s fünften Geburtstag mit einem ordentlichen Tortenfrühstück, und zur Feier des Tages holten wir zum ersten Mal, seit wir unterwegs waren, unsere Enduro vom Heckträger. Dick eingemummt und mit Skihelmen bewaffnet, starten wir zu dritt auf dem Motorrad eine Spritztour. Es machte riesigen Spaß die unwegsamen Trampelpfade über Land abzufahren. Die Sonne lachte vom Himmel und das Geburtstagskind strahlte aus vollem Herzen. Die orange Kugel versank bereits hinterm Horizont als wir erschöpft unseren Truck erreichten. Da wir es nach sechs Tagen nicht für übertrieben hielten, stiegen wir der Reihe nach unter die Dusche. Man glaubt kaum wie sehr man Wasser und frische Kleidung schätzen lernt, wenn man auf Reisen ist. Annehmlichkeiten, die zu Hause selbstverständlich waren. Gemeinsam stießen wir später im nahe gelegenen Restaurant Mythos mit Wein und Limonade auf Lennox`s Ehrentag an.

Wen es einmal in die Ecke von Lentas treiben sollte, dem empfehlen wir auch eine Wanderung durch die Trachoulas Schlucht. Im Sommer Badesachen nicht vergessen. Am Ende wartet eine entzückende Bucht mit feinem Sand. Als wir vor Ort waren, durften wir die Geburt einer kleinen Ziege beobachten, die das Licht der Welt ohne Hilfe in freier Natur erblickte. Und das an Lennox`s Geburtstag! Ironie des Schicksals.


Nach Lentas trieb es uns weiter Richtung Matala, einem Dorf an der Südküste der griechischen Insel. Der Mythologie zufolge war Matala der Ort, an dem Zeus in Stiergestalt mit der von ihm entführten phönizischen Prinzessin Europa an Land ging.

Vielen ist Matala auch wegen seiner Höhlen ein Begriff. Bereits in der Steinzeit gruben die ersten Menschen in das weiche und poröse Gestein zahlreiche Wohnhöhlen. Während der römischen Besetzung wurden diese als Grabstätten genutzt. In den 1960 Jahren siedelten sich in den Wohnhöhlen Hippies aus aller Welt an und gründeten dort eine große Kommune. Zuweilen sollen dort auch Cat Stevens und Bob Dylan gelebt haben. 

Gemächlich trudelten wir nachmittags in dem kleinen Ort ein. Akela konnten wir direkt am Strand, knapp 200 Meter von den Caves entfernt, abstellen. In den Sommermonaten wäre es unmöglich unser rollendes Haus vor solch einer Kulisse zu parken, jetzt im Winter, wo wir alles menschenleer vorfanden, juckte es niemanden. Der Ausblick aus dem Küchenfenster war wunderbar, das Meer rauschte vor der Haustüre und aus den Augenwinkeln konnte ich ein kleines Strandcafe mit Spielplatz erspähen. Perfekt!! Ich freute mich auf ein paar unbeschwerte Tage in Matala. 

Die aufsteigende Sonne lockte uns früh aus den Betten. Lennox schlang das Frühstück hinunter, ließ die Morgentoilette ungeduldig über sich ergehen und schwang sich in seine Klamotten. Im Vorbeilaufen rief er mir noch zu, dass er zum Spielplatz wolle, falls ihn jemand vermissen würde.

Leander war mit der Kamera ausgerückt, und der Kleine tobte sich aus. Ich witterte eine winzige  Chance etwas Zeit für mich alleine genießen zu können, was Seltenheitswert auf einer Weltreise hat. 

Am Gasherd stand bereits fertig gebrühter Kaffe, dessen Duft sich verführerisch in meine Nase schlängelte, während ich mir eine Zigarette drehte. Ich schenkte mir gerade eine Tasse ein, als ich Leander schon von Weitem nach einem Eisbeutel rufen hörte. Er kam mit Lennox auf dem Arm angetrabt, der wie am Spieß brüllte. Er ließ sich kaum beruhigen.

Er war am Spielplatz von einem Klettergerüst gesprungen und direkt auf seinem linken Arm gelandet. Auf den ersten Blick schien nichts gebrochen zu sein, aber der Schmerz ließ nicht nach, genau so wenig wie Lennox`s Gebrüll.

Im 14 Kilometer entfernten Mires gab es ein Krankenhaus. Nach kurzer Beratschlagung legte ich mich zu Lennox ins Bett und Leander gab Gas. Auf ins Krankenhaus. Wiedermal.

Ein Röntgenbild bestätigte unsere Vermutung, der Arm war nicht gebrochen, allerdings riet der Arzt den Arm für einige Tage ruhig zu stellen. Das war nicht fair, fünf Minuten Spielplatz endeten mit einem Gips an der linken Hand. 

Die Behandlung im Krankenhaus war umsonst, selbst der private Orthopäde meinte nur „no-no, its free“. 

Griechenland hat uns bisher nur positiv überrascht. Die Menschen sind sehr hilfsbereit und zeigen großes Interesse an unserem Projekt. Es trudeln Facebook Nachrichten von Menschen ein, die uns irgendwo unterwegs gespottet haben, oder sie klopfen gleich direkt an die Tür um Hallo zu sagen. Auch Naschereien wurden uns an die Türe gehängt, was bestimmt nicht daran liegen konnte, dass wir verhungert aussahen. Ich weiß ich wiederhole mich, aber ich muss es immer wieder betonen „Wir mögen Griechenland und seine Menschen!“

Wieder zurück in Matala drehten wir eine kleine Ortsrunde. Das verblasste Hippie Flair der 60er Jahre war noch vielerorts erkennbar. Flower Power Symbole zierten die Hauswände, Henna Tattoo Läden, Reggae Bars und Esotherik Schuppen reihten sich aneinander. Jetzt im Winter war natürlich alles geschlossen, bis auf ein Cafe – in das wir hineinstolperten um uns aufzuwärmen. Wir bezahlten für 2 Kaffee und ein Fanta € 9,80. Beim Hinausgehen fragten wir uns kopfschüttelnd,  wie Griechenland trotz horrender Preise und 24% MwSt.! in ein derartiges Finanzdebakel stürzen konnte – oder vielleicht deswegen?

Die Höhlen von Matala hielten uns drei Tage in ihrem Bann gefangen, ehe wir unsere Zelte abbauten und nach Rethymnon lenkten. 

Wir hatten die Stadt am Meer als Zwischenstation auserkoren, um am nächsten Morgen ausgeruht den nördlichsten Zipfel anzusteuern, den Kreta zu bieten hat, den Seitan Limania Beach, der sich auf der Akrotiri Halbinsel befindet.

Der Strand liegt recht versteckt zwischen hohen Klippen und bietet feinen Sandstrand, vermischt mit Kieselsteinen. Der Name „Seitan Limania“ bezog sich ursprünglich auf drei nebeneinander liegende Buchten, von welchen lediglich die nördlichste zugänglich und zum Baden geeignet ist. Der Name dieser Buchten bedeutet „die Häfen des Teufels“. Man kann davon ausgehen, daß es sich bei diesen Buchten um Piratenverstecke handelte, da sie ideal am Eingang der Souda Bucht lagen.

Der Weg dorthin war mühsam. Das letzte Stück Schotterpiste bestand aus sechs steilen Serpentinen für die unser Brummi einfach zu groß war um sie auf einmal zu nehmen. Es kostete Leander ein hartes Stück Muskelarbeit bis er das Ende der Straße erreichte und Akela sicher am Parkplatz abstellen konnte. Von dort führte ein Fußweg zum Strand, der nicht ganz einfach zu bewerkstelligen war. Im letzten Stück des Pfades waren einige Kletterpassagen, die Lennox wegen seiner eingegipsten Hand nur mit Hilfe meistern konnte. 

Doch wie schon so oft lohnte sich der Aufwand des Abstieges. Ich finde, dieser Strand ist ein absoluter Geheimtip, er ist unbeschreiblich und einzigartig und zählt definitiv zu meinen persönlichen Lieblingsplätzen. Die Bucht wird an drei Seiten von steilen Felswänden eingesäumt. Der freie Blick auf das offene Meer bleibt verwehrt, das Wasser schlängelt sich von der offenen Nordseite in schönstem Türkis durch die Felsen und endet in einer kleinen Sandbucht. Unglaublich schön und romantisch!

Angesicht der perfekten Rahmenbedingungen schlug Leander vor, direkt am Strand zu zelten. Es war ein wenig Überredungsarbeit nötig, aber ich willigte ein. Wir stiegen hoch zu Akela und kramten alles Nötige zusammen. Zelt, Schlafsäcke, Unterlagen, Essen, Musik, warmen Tee und – ein Lumumba a´la Maria, der durfte nicht fehlen. Ein kleiner Nightcup für Erwachsene.

Voll bepackt wie Esel stiegen wir erneut hinab und begannen mit dem Zeltaufbau. Lennox sammelte in der Zwischenzeit umliegendes Treibholz um ein Lagerfeuer zu zünden. Bereits nach kurzer Zeit loderten ordentliche Flammen auf denen wir unsere mitgebrachten Würstchen zubereiteten. Im Schein des Feuers veranstalteten wir Schattenspiele und sprangen albern umher. Zu späterer Stunde als Lennox bereits schlief und sich bei uns Erwachsenen der Lumumba bemerkbar machte, hielt Leander ein altes Versprechen und wagte mit mir ein Salsatänzchen am Strand. Die Nähe und Zweisamkeit tat uns gut, und für den Moment blieb die Zeit stehen. 

Wie jede Nacht in einem Zelt verlief auch diese, bescheiden und mit wenig Schlaf. Trotz der müden Knochen am nächsten Morgen waren wir motiviert, etwas zu unternehmen. Wir entdeckten auf unserer Strassenkarte eine eingezeichnete Bärenhöhle. Das klang doch gut, und als Lennox checkte, dass wir die Cross vom Stapel ließen, strahlten seine Augen sowieso. Noch etwas Proviant eingepackt – und es ging los.

Eisiger Wind schlug uns beim Fahren um die Ohren, nach knapp 30 Minuten Fahrzeit erreichten wir die Höhle. Wir parkten die Honda vor einem Kloster, von da weg führte ein Fußweg weiter. An diesem Nachmittag legten wir einige Kilometer per Pedes zurück Wir haben nicht nur die Bärenhöhle besichtigt, sondern auch die Höhle des Eremiten Johannes und die Klosterruine Moni Katholico. Erschöpft und müde stiegen wir auf das Bike und fuhren heimwärts. Froh es gleich geschafft zu haben, lenkten wir in die erste Serpentine ein, als plötzlich von rechts vorne zwei große Hunde mit gefletschten Zähnen auf uns zu sprinteten. Leander gab Gas, die Hunde hetzten mit lautem Gebell aggressiv hinter uns her. In der Kurve musste er vom Gas gehen, die Hunde nutzten ihre Chance und kamen wieder beängstigend nahe. Dieses Spiel wiederholte sich während der nächsten Serpentinen. Die Hunde gaben nicht auf, immer wieder schnappten sie nach uns. Langsam wurde es brenzlich, die Straße neigte sich dem Ende zu und wir würden anhalten müssen, sofern wir nicht ins Meer stürzen wollten. 

Abgeschreckt hat die beiden Köter zu guter letzt das laute Gebrüll von Leander. Gott sei Dank, die Viecher blieben stehen und ließen von uns ab. Lennox hat die Ernsthaftigkeit der Lage nicht erkannt -  zum Glück, uns beiden schlotterten beim Absteigen mächtig die Knie. Das hätte böse ins Auge gehen können.

Kreta hat sich still und heimlich in unsere Herzen geschlichen. Wir liebten es, zu kleinen Buchten zu wandern in denen türkises Wasser leuchtete. Das Hinterland war hügelig und teils alpin, genau nach unserem Geschmack. Die Ebenen wurden landwirtschaftlich genutzt und Olivenbäume, egal ob wild oder kultiviert, prägten natürlich Kretas Landschaftsbild. Nicht zu vergessen die vielen Schafe und Ziegen die überall, und oft unerwartet aus dem Gebüsch sprangen.

Zeitig am nächsten Morgen nahmen wir Abschied von einer der schönsten Flecken Erde, die wir je gesehen hatten und lenkten Akela in die Hafenstadt Chania. 

Fabian Lentsch, den wir bereits bei den Termophylen trafen, war mit seinen Snowmads ebenfalls auf Kreta angekommen. Er und seine Jungs cruisten mit ihrem Truck ganz in unserer Nähe, weshalb ein erneutes Treffen mit unseren Freuden natürlich Pflicht war. Lennox war auch schon ganz aufgeregt, er freute sich riesig auf Fabi und Moggä (Markus) seine allerbesten Freunde, wie er immer wieder betonte. Bei einem gemütlichen Essen a´la Asterix und Obelix (der Kellner hörte nicht auf, gefüllte Teller auf den Tisch zu stellen) plauderten wir und tauschten Erfahrungen aus. Danach erledigte Lennox mit Moggä den Einkauf und spielte eine Runde mit Fabi am Strand, bevor es ins Bett ging. Das breite Lächeln, dass nicht aus seinem Gesicht verschwinden wollte während er schlief, muß nicht extra erwähnt werden.

Die Jungs folgten noch in der Nacht dem Ruf der Wildnis und fuhren dem Schnee in den Bergen hinterher. Wir übernachteten auf dem Restaurantparkplatz und starteten am nächsten Morgen frisch und fröhlich durch.

Als eines unserer letzten Ziele auf Kreta haben wir uns Balos Beach ausgesucht. Wer Karibik Feeling in Europa sucht, ist hier genau richtig. Der Strand rangiert auf Platz drei der schönsten Strände der Welt. Kurz hinter der Ortschaft Kaliviani endet die asphaltierte Straße und eine unbefestigte Piste zieht sich etwa acht Kilometer an der Ostseite der Halbinsel Gramvousa nordwärts. Am Ende der Straße befindet sich ein Schotterplatz von wo ein ca. zwei Kilometer langer Trampelpfad in die Lagune führt. Der Lagunenstrand besteht aus feinem weißen Muschel,- und Korallensand. Die Buchten entstanden durch eine tektonische Hebung der Insel im Westen. Der durch Dünen bedeckte Küstenbereich ist nur spärlich mit Vegetation bedeckt. Unzählige Ziegen finden dennoch ihr Auskommen dort. Nach zwei zauberhaften Tagen in der Bucht von Balos, die wir fast ausschließlich am Strand auskosteten, machten wir uns wieder auf den Weg. 

Die letzten Tage und Wochen hatten Ihre Spuren hinterlassen. Unsere Beine waren müde und träge vom Wandern. So unbeschwert die Zeit auf Kreta auch war, wir mussten dennoch weiterdenken. Nach Griechenland wollten wir weiter in die Türkei, an den geplanten Stops herrschten teils winterliche Temperaturen. Good By Sonne, Strand und Meer – welcome Snow, wir mussten Akela noch etwas wintertauglicher machen.

 

 

Eine geeignete Möglichkeit für Basteleien an Akela schien uns das kleine Dorf Falassarna zu sein. Der Ort liegt im Nordwesten der Insel und wird von einem langen Dünenstrand gesäumt. Die Straßenkarte ließ vermuten, dass es möglich war direkt am Strand zu parken, was kein Fehler war, so konnten wir gröberen Unfug von Lennox im Auge behalten. 

Wir durften so viele einzigartige und atemberaubende Buchten auf Kreta genießen, dass Falassarna für unseren Fotografen keine großartige Abwechslung mehr bot, was für uns alle mehr familytime bedeutete. Und das klang allemal gut! 

Nach längerer Durststrecke wurde auch unser Leitwolf endlich ein wenig gebauchpinselt. Leander versorgte die Schmiernippel mit Fett, um die Gelenke geschmeidig zu halten, eine unangenehme aber höchst wichtige Arbeit, die leider alle paar tausend Kilometer von Nöten war. Bei jüngeren Modellen ist diese Drecksarbeit hinfällig, da die Gelenke auf Lebzeiten wartungsfrei konstruiert werden. Doch wer Leander´s Faible für alte Modelle kennt, der weiß, dass er altersbedingte Wehwehchen gerne in Kauf nimmt ;-) . 

Lennox und ich klapperten in der Zwischenzeit den Strand nach brauchbarem Bastelmaterial ab. Muscheln, Treibholz, Schnüre... alles fand den Weg in unsere Tüte. Kombiniert mit einigen mitgebrachten Schätzen bastelten wir, mit ein wenig Geschick und Geduld ,daraus Ketten, Armbänder und einen täuschend echt wirkenden Piratensäbel. 

Gott hat bei der Schöpfung von Männlein und Weiblein leider vergessen, dem weiblichen Geschlecht ein resistentes Gen gegen Kälte zu verpassen. Im Normalfall wage ich den Schritt ins kühle Nass nur bei tropischen Temperaturen, nicht bei Arktischen, wie in diesem Fall. Lange konnte ich das ewige Drängeln meiner Männer mit fadenscheinigen Argumenten abwehren. In Falassarna war es dann soweit, die Mauer begann zu bröckeln, es war an der Zeit, die Hüllen fallen zu lassen. Ausserdem hatte ich es satt, als Feigling betitelt zu werden!  Laaaaangsam setzte ich einen Fuß vor den anderen in die Wellen, ich konnte spühren, wie sich jede einzelne Zelle meines Körpers auf ein Minimum zusammen zog, zum Schreien fehlte mir die Luft, da mein Atem vor Kälte stockte.  

Unsere letzten Kreta Impressionen genossen wir in Chania bei strahlendem Sonnenschein und steigenden Temperaturen. Gemächlich wurde der diesjährige Jahrhundertwinter auch aus dem südlichsten Griechenland verbannt. Bei dem Gedanken der uns bevorstehenden kalten Temperaturen auf unserer Weiterreise, stieg Wehmut auf. Die wärmende Sonne tat unseren vom Wind durchgebeutelten Knochen ausserordentlich wohl. Dennoch hielt uns der Drang nach Neuem nicht davon ab, weiter zu ziehen. Drei Wochen verweilten wir auf Kreta und möchten keinen einzigen Tag davon missen.

Die Fährüberfahrt bei Nacht von Chania nach Piräus/Athen verlief diesmal ohne gröbere Zwischenfälle, sowohl seetechnisch als auch zwischenmenschlich. 

 

 

Kommentare (4)

  1. Petra Rettenwender
    Petra Rettenwender am 12.03.2017
    Hallo Maria, Leander und Lennox. Vielen Dank für die Postkarte aus Kreta! Es tut gut zu lesen, dass es euch soweit wieder gut geht. Wir freuen uns schon auf den nächsten Beitrag. Liebe Grüße. Petra mit Family
  2. Amir
    Amir am 16.03.2017
    Wird Zeit für ein neues Update. :)
    Die Luftaufnahmen sind grandios, mehr davon. Vermissen euch schon.
    1. Leander
      Leander am 16.03.2017
      Updates gibts ständig auf facebook und instagram!!
      Und wenn du uns die Bürokratie abnimmst, bekommst jeden Tag von mir einen Blogpost!! :P
      Ja und was die Luftaufnahmen betrifft... war grad a bissl schwierig mit der Drohne über Istanbul und Ankara zu kreisen ;-)))
      Jetzt packts endlich mal zusammen und kommts auf Besuch!!! Der Iran wird - hoffentlich - mega werden!!
  3. Maria Zehentner
    Maria Zehentner am 18.03.2017
    Hallo Petra,
    gerne ;-) uns geht es soweit ganz gut. Sind gestern in Kappadokien angekommen. In der Nacht hat es dann 10 cm geschneit... damit haben wir nicht gerechnet ;-) Zumindest Lennox hat sich über den Schnee gefreut. Die nächsten Tage werden wir noch in der Türkei bleiben, bevor es dann in den Iran geht. Liebe Grüße an deine Family und eine feste Umarmung für dich.
    Freut uns, dass ihr unsere Beiträge verfolgt.
    Liebe Grüße
    ML2

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